Octopus


‘Terror has never run so deep’


Originaltitel: Octopus (2000) Regie: John Eyres
Drehbuch: Boaz Davidson & Michael D. Weiss
Darsteller: Jay Harrington, Ravil Issyanov, Carolyn Lowery FSK: 16


’Nu Image’. Dieser Name verspricht hier auf FilmFlausen.de meist Tier-Horror (der in den passend sinnlosen PRs verbraten wird). Und steht darüber hinaus auch für minderwertige Stories, namenlose Darsteller und grottige CGI-Kreaturen.

Dass ’Octopus’ wie die ’Movie of-the-Week’-Version von ’Jagd auf roter Oktober’ beginnt, lässt nichts Gutes ahnen. Und tatsächlich entpuppt sich der Film bald als krude Mische aus Spionage-Murks, Kraken-Krampf und Unterwasser-Übelei.

Sie wollte nur
runterspülen!
Spätestens als ein Terrorist in Oma-Verkleidung mit den Worten “Backwaren, frische Backwaren!“ durch die US-Botschaft eines osteuropäischen Landes wackelt und sich der Zuschauer wundert, ob wir es mit einem ’ZAZ’-Spoof oder Mel Brooks neuester Genre-Parodie zu tun haben, wissen wir, dass die ’Nu Image’ Dudes irgendwas verbraten haben.
So sicher, wie das U-Boot aus Szene eins (das übrigens dicke Fässer voller Giftmüll transportierte) versenkt wurde, geht auch die Bombe in der Botschaft hoch, bevor die anwesenden Agenten Turner und Burner (also schön, Letzterer heißt nicht wirklich so, ich hab einfach seinen Namen vergessen) etwas unternehmen konnten. Auf der Flucht wird Burner dann vom Terroristen gegrillt, aber Turner gelingt es, den Schurken, mit Namen Casper, zu fangen.
Da dieser Casper einen der oberen Plätze in der Weltrangliste des internationalen Terrorismus’ belegt, hat die Regierung nun den grandiosen Einfall, ihn per ’Yellow Submarine’ durch die Sieben Weltmeere zum Gerichtssaal zu transportieren.
Im U-Boot angekommen, schildern uns Kamera und Mikro auf jeweils unerträglich augen- und ohrenfeindliche Weise, dass hier eine dicke Fete unter Klischee-Darstellern abgeht. Ein schwarzer Kraft-Dorsch spuckt ununterbrochen speckige One-Liner, der Käptn ist ein alter Held des Irak-Krieges (ja wirklich, er begrüßt Turner mit den Worten: “Hören sie, ich war mal ein Held.“) und die halbnackte Meeresbiologin bietet dem Agenten, zu unverschämt albernem Porno-Saxophon, einen Schlafplatz in ihrem Quartier an, worauf dieser natürlich einwilligt.

Bei Mr. Tentacle-Guy gibt
es Knutschflecke so groß
wie Satelliten-Schüsseln!
Derweil haben auch die Terroristen-Kumpis von Casper die ersten Infos über das Verbleiben ihres Mittäters (aus der ’Prawda’, wenn ich das richtig beobachtet habe) und planen bereits den Gegenschlag.
Moment mal… hieß der Film nicht ’Octopus’? Genau und jetzt ist es auch soweit! Der erste Taucher wird (aus welchen Grund auch immer, vielleicht war beim Sub die Schraube locker) in die Untiefen des Meeres gespült, direkt in die Fänge des titelgebenden Kraken.
Der Schirm färbt sich rot, die Crew ist in Not. Werden sie die Reise heil überstehen?

“Sie sind in seinen Lebensraum eingedrungen und rasen mit einem U-Boot durch sein Wohnzimmer“
“Wenn ich ihn erwische, werde ich ihn zerfetzen und mit seinen Überresten ein ’Sushi’-Restaurant eröffnen.“

Na gut. Tun wir nicht weiter so scheinheilig, als würde uns tatsächlich interessieren, wie sich die ’Handlung’ dieser Seegurke entfaltet und uns in ihr schwarzes Logik-Vakuum einwickelt. ’Octopus’ ist wirklich ’New Age’-Schund, wie wir ihn von ’Nu Image’ gewohnt sind, bietet aber ausreichend Unterhaltung um nicht völlig nach ’Rock Bottom’ abzutauchen. Das liegt nicht etwa an tollen ’Production Values’, sondern an der Tatsache, das der eigenwillige Genre-Mix hier wirklich langweilt. Für Spannung reicht das zwar nicht, aber hier und da eine Action-Sequenz und ein paar erträgliche Krakereien mildern den üblichen Unmut gegenüber solcherlei Machwerken.
Die Charaktere sind jedenfalls komplett für die Tonne. Protagonist Turner ist Analytiker wie John Grishams ’Jack Ryan’ himself, nur ohne dessen Charisma und kommt mit herz- und hirnerweichenden Sprüchen der Marke “Ich bin kein Special-Agent. Sagen sie einfach Agent!“ daher.

'The Squid Boat - Soon we'll be making another run
Squid Boat - Promises proteins for eyveryone'

Wenn ihr ein gutes Kraken-B-Movie wollt (ein ’A-Klasse Krako-Rama’ wird’s wohl auch nie geben), dann langt nach ’Octalus’, der ist slick und schick. Wollt ihr einen echten Tintenfisch-Trasher, kommt ihr nicht an ’Polyp - Die Bestie mit den Todesarmen’ vorbei. Nach ’Octopus’ solltet ihr wirklich nur im Notfall greifen.



PS: Wenn ich für jedes Mal, da ich den Satz “Was immer es ist, es ist groß und es bewegt sich in unsere Richtung!“ bzw. “Es kommt direkt auf uns zu!“ gehört habe, 1 Euro bekommen würde… fragt nicht!

Hudson