October 32nd


‘Einmal in hundert Jahren hat das Böse eine Chance’


Originaltitel: Merlin (1992) Regie: Paul Hunt
Drehbuch: Paul Hunt & Nick McCarty
Darsteller: Nadia Cameron-Blakey, Richard Lynch, James Hong FSK: 12


“Es wurde vorhergesagt, dass Chaos über uns hereinbricht. Das die Welt am 32. Oktober aus den Fugen gerät.“

Wer datumstechnisch derartig ungeschult ist, dem ist höchstwahrscheinlich auch sonst kaum zu trauen, möchte man schon zu Beginn von ’October 32nd’ meinen. Und tatsächlich, bald kristallisiert sich aus einer wirren Story um Zeitreisen, duseligen Reinkarnations-Zinnober und mythischen Kokolores ein Gedanke heraus: Was soll das hier?

Ich würde Richard Lynch fragen,
wäre er nur nicht so beschäftigt mit Schreibtischarbeit...

Journalistin Christie, die selbst am Arbeitsplatz von verrückten Tagträumen verfolt wird, bekommt von ihrem Cheffe eine Außenmission in den Backwoods zur Beruhigung der Nerven aufgedrückt, die ihr ein riesiges Schlamassel nach dem anderen bescheren soll. In der Kleinstadt Lansdown schwirren nämlich genau jene Gestalten aus ihren Träumen umher – ein netter Geologe, ein zauseliger Chinamann und Richard Lynch in der ihm angestammten Rolle des Bösewichts mit allerlei unfreundlichen Handlangern in der Hinterhand (“Wir mögen hier oben keine Journalisten.“). Was Christie zunächst nicht weiß: Diese Gestalten entstammen der ollen Artus-Legende. Naja, zumindest so ähnlich, denn ob nun Low Budget oder Big Budget: Künstlerische Freiheiten müssen drin sein.
Allerdings nimmt es Regisseur und Co-Autor Paul Hunt sehr, seeehr locker mit der altehrwürdigen Sage. Christie ist hier nämlich eine Reinkarnation der sagenumwobene Lady of the Lake, die laut Film Merlins Tochter war. Richard Lynch ist Pendragon und Pendragon, glaubt man den Machern, war ein finsterer Schurke (klingt halt bedrohlich) und ebenfalls Merlins Sprössling. Das wissen wir, weil letzterer “Oh nein, doch nicht deinen eigenen Vater!“ grunzt, als Lynch ihn erdolcht. Mittendrin steckt Magie-Männchen James Hong als Leong Tao und wer sich an dieser Stelle allen Ernstes fragt, was denn bitte ein asiatischer Fuzzi am reinkarnierten Hofe Camelots zu suchen hatte, der hat das Konzept der kompletten Wirrsinnigkeit von ’Ocotber 32nd’ noch nicht ganz durchschaut.

...Kriegstreiberei...
Das Ziel aller Parteien ist es jedenfalls, das Schwert Excalibur in Besitz zu bringen, um am Titeldatum entweder das Chaos hereinbrechen zu lassen oder dieses zu verhindern.
Da seht ihr mal wieder: Zum Ende hin läuft meist alles auf die selben alten Muster hinaus. Ganz klassisch mit typischem Duell-Geklirr. Gut gegen Böse. Artus gegen Pendragon. Äh, nunja.
Wem das in Sachen Genre-Krawall nicht reicht, der bekommt mittendrin noch eine Prise Wildwest-Action, Schießereien mit magischen Brandpfeilen und einen ausgedehnten Flashback, in dem Richard Lynch mit aufgeklebtem Rauschebart umherreitet und das Niederbrennen eines Dorfes veranlasst (was ja üblicherweise an den Anfang eines klassischen Sword & Sorcery-Kloppers gehört).
Lynch (’Die Barbaren’) und Hong (’The Vinyard’) sind erwatungsgemäß das Beste, was der Film in Sachen Charisma auf die Leinwand bringen kann. Beide versuchen mit dem ihnen gegebenen Talent ihren nicht allzu facettenreichen Figuren wenigstens etwas Persönlichkeit zu verleihen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. So kommentiert der blonde Fiesel Lynch den Mord an einem Arzt mittels Defibrilator mit den Worten “Wie schockierend, Doktor!“, während Lustgreis Hong der Reporterin auf die Bemerkung “Ich könnte schwören, dass ich sie schonmal gesehen hab.“ antwortet: “Viele hübsche Mädchen haben mir das gesagt.“

...und der aktiven Planung des Weltunterganges.

Trotz der Masse an Unzulänglichkeiten, muss man den Machern des Films das “Wir versuchen mal was anderes.“-Motto zu Gute halten. Dass am Ende trotzdem kein funktionierender Film draus wurde (ihr wisst schon, einer mit überzeugenden Schauspielern, großen Emotionen, einer stringenten Handlung, anhörbarer Musik etc.) ist ärgerlich, im Low Budget Genre-Sektor jedoch kein Einzelfall. Unterm Strich winkt ein krause Mische aus Fantasy, Horror und Abenteuer die in keiner Sparte punkten kann.


Hudson