Nackt unter Affen


‘From the forest came the terror of...’


Originaltitel: Eva, la Venere selvaggia (1968) Regie: Roberto Mauri
Drehbuch: Walter Brandi, Roberto Mauri & Ralph Zucker
Darsteller: Brad Harris, Esmeralda Barros, Marc Lawrence FSK: ungeprüft


Ja, ich gebe es zu. Einige Filme lässt man sich nur des dämlichen Titels wegen servieren. ’Nackt unter Affen’ (aka ’King Kong und die braune Göttin’ aka ’King of Kong Island’) fällt genau unter diese Kategorie und in Anlehnung an ein angelsächsisches Sprichwort gilt auch hier: ’Never judge a film by its stupid title. It could be even sillier.’

OP ruft Dr. Sielmann

Wir befinden uns im tiefsten Afrika, wo Burt, ein ehemaliger Söldner (dargestellt vom ehemaligen Bodybuilder Brad Harris) seinen ehemaligen Freund Robert und dessen Schwester Diana besucht. Als das Mädchen auf einer Safari von gehirnmanipulierten Gorillas (nich fragen! weiterlesen!) im Auftrag des größenwahnsinnigen Wissenschaftlers Albert entführt wird, erpresst Alberts Handlanger Burke Dianas Bruder. Er soll Burt in den Dschungel locken, wo Albert (mit dem Burt noch eine alte Rechnung offen hat) ihn zu seinem ersten menschlichen Versuchsobjekt machen will. Der Trick gelingt zunächst, doch Burt bekommt Hilfe von der ’weißen Göttin’, einer wilden Dschungelmaid im FKK-Fieber. Können die beiden den irren Albert, der im Weltherrschaftswahn eine Affen-Armee heranzüchtet, stoppen?

“Einen Wahnsinnigen nennst du mich! Eines Tages werde ich alle beherrschen. Und das hier wird euch gefügig machen. Ich werde der mächtigste Mann der Welt sein! Und ihr Kreaturen werdet im Staub liegen.“

Affen schleppen Weiber ab!
Höhöhöhöh… Ugh Ugh. Grunz. Lach. Jaul. ’Nackt unter Affen’ ist schon ’ne Marke. Hier gibt’s zwar weder ’Kong Island’ (nur Festland und ein rauschender Dschungelbach), noch eine ’braune Göttin’ (aber ’ne weiße!) und auch keine Nackten (höchstens Halbnackte) und keine Affen (höchstens Komparsen in zauseligen Kostümen), dafür aber Archivaufnahmen von Leoparden, Löwen, Panthern, Boas, Nilpferden und Krokodilen (einmal sind sogar ein Nilpferd UND ein Krokodil im Bild). Beinahe jedes Tier wird hier übrigens bei Sichtung sofort ins Visier genommen und zu erlegen versucht. Das kann als eine Art Gleichnis zum kolonialen Machtgefüge verstanden werden oder einfach nur als Macho-Scheiße par Excellence.
Brad Harris beim Tanzen zuzuschauen ist amüsant (wenn man das Fremdschämen abschalten kann) und natürlich schafft er es, sich später im Film das Hemd auszuziehen, um in einem rauschenden Dschungelbach den Prototypen für moderne Duschbad-Commercials hinzulegen. Schauspielerisch ist von ihm und seien Co-Stars jedoch nicht viel zu erwarten.
Sei’s drum. Alberne Blüten wachsen im Dickicht der Dummheit besonders gut. So gibt es schon zu Beginn eine Hirn-OP, bei der zu säuseliger Musik und rhythmischem Herzpumpen am Gummigorilla herumgedoktert wird. Später finden wir uns im Hauptquartier des Schurken, wo eine Alarmanlage in Hirnform vor Eindringlingen warnt und monströse Fellkostüme mit Komparsen-Füllung in einem Affenstall aus Hartgummi-Gittern den Rumba juckeln.
Den Höhepunkt der Albernheit teilt sich das bekloppte Finale mit einer Szene mittendrin, in der die ’weiße Göttin’ splitternackt in Zeitlupe durch die Savanne joggt, in einer dämlichen Montage Affen und Kakadus füttert und dann einen Geparden streichelt, während der schwarze Jungle-Guide Mulumba ein Voice-Over über den Zauber Afrikas nach dem anderen zum Besten gibt.

“Da, Bwana! Heiliger Affe! Heiliger Affe! Er bewachen Tabu-Gebiet von weiße Göttin!“

Macht de Aff: Brad Harris

Fazit: Italienischer Abenteuer-Trash aus den seligen Sechzigern, der zwar immer wieder in der Senke dümmlicher C-Movie-Banalitäten landet, sich aber mittels lachhafter Eskapaden kontinuierlich zurück zur Amüsement-Oberfläche hangelt. Trash-Fans dürfen mithangeln.


Anm. von Sleazy Spoon: Augenblick doch mal, Hudson! In deinem Review schreibst du erst, dass es in 'Nackt unter Affen' keine Nackten, sondern höchstens Halbnackte gäbe, und ein paar Absätze später, dass die weiße Göttin 'splitternackt' durch den Urwald joggt. Ich verlange in Sachen Nacktheit konkrete Fakten und habe diese 60s-Perle (übrigens einer der besten Filme über Gorilla-Gehirnwäsche seiner Zeit) noch mal gründlich auf ihre Nacktszenen untersucht. Esmeralda Barros (bekannt aus dem Gothic-Horror-Sleazefest 'Full Moon of the Virgins' und dem seltenen WiP-Flick ’Aufruhr im Frauengefängnis’ ) ist als weiße/braune Göttin zwar den gesamten Film über oben ohne unterwegs, verdeckt oftmals aber einiges durch ihre Haarpracht. Beim Catfight im grandiosen Finale blitzt allerdings ein paar Mal die nackte Brust durch. In der besagten Jog-Szene (die im Film immerhin zwei Mal auftaucht, wenn du gut aufgepasst hast) ist sie tatsächlich splitternackt und lässt ihre beiden Strandvolleybälle auf und abhüpfen, als gäbe es kein morgen. Zweifelsohne stellt diese Sequenz die Inspiration für den späteren ’Baywatch’-Vorspann dar.


Hudson