Nomads


‘A Nightmare By Daylight!’


Originaltitel: Nomads (1986) Regie & Drehbuch: John McTiernan
Darsteller: Lesley-Anne Down, Pierce Brosnan, Anna Maria Monticelli FSK: 16


Spätschicht in der Notaufnahme. Dr. Flax (Lesley Anne Down) bekommt einen blutüberströmten, wahnsinnig (sogar auf französisch, also extra wahnsinnig) brabbelnden Patienten (Pierce Brosnan) auf die Bahre gehievt und wird von ihm nach unvorsichtigem Check Up in den Hals gebissen, nur um kurz darauf den Löffel abzugeben.

Dr. Flax & Prof. Krümel
Dr. Flax denkt sich nicht viel dabei (hey, schon mal E.R. gesehen?), bekommt es aber kurze Zeit später mit heftigen Visionen zu tun, die ihre Psyche gewaltig durchschütteln. In ihren Whiteouts ist sie im Körper des verstorbenen Patienten, der sich als französischer Anthropologe Jean Charles Pommier entpuppt, welcher mit seiner Frau vor kurzem nach L.A. gezogen ist und dort seltsamen Begebenheiten auf die Spur kommt, die sich im Dunstkreis einer anscheinend übernatürlichen Punkerbande ereignen.
Dr. Flax verliert sich in den Erinnerungen Pommiers und weiß bald nicht mehr zwischen dem Hier und Dort, dem Jetzt und Heute und zwischen Wirklichkeit und Illusion zu unterscheiden…

’Nomads’ war das Regiedebüt des späteren ’Predator’ und ’Stirb Langsam’-Regisseurs John McTiernan und auch dessen einziger Film nach eigenem Drehbuch. Nicht von ungefähr, wie ich meine, denn man weiß einfach nicht, woran man hier ist.

Mad Nomads
Eigentlich kann das ja recht spannend sein, wenn, ja wenn der Film irgendwann die Kurve kriegt und dem Zuschauer eine Taschenlampe zuwirft, die Licht ins Dunkel bringt. Oder ihn einfach mit genügend Ideen füttert, um ihn bei Laune zu halten. Der einzig interessante Kniff bleibt hier jedoch der Perspektivwechsel.
Der von Brosnan herausgebrüllte Satz "Ich habe 30 Stunden lang Menschen durch die Stadt gejagt, die nirgends wohnen." beschreibt das Problem ganz gut. Es wird kaum angeschnitten, wie er überhaupt darauf kommt, diese Punks zu verfolgen.
Was sind seine Motive? Woher das Wissen über die Innuat, jene Dämonen aus grauer Vorzeit? Oh richtig, da ist diese Exposition-Szene im spukigen Ghetto-Nonnenhaus irgendwo am Ende einer Verfolgungsjagd.
Wenn uns wenigstens die Bande selbst das Fürchten lehren würde. Doch was sehen wir? Ihr Anführer wird von Adam Ant im bauchfreien Shirt gespielt, sie tanzen zu käsigem Sprayrock in den Hinterhöfen von L.A. und fahren in der Karre vom ’A-Team’ durch die Gegend. Man wundert sich, was B.A. dazu sagen würde.
Auch im darstellerischen Vergleich schneiden die Bandidos schlecht ab. Während Pierce Brosnan (’Die Täuscher’), Lesley Anne Down (’Fackeln im Sturm’) und Anna Maria Monticelli (’Heatwave’) solide Leistungen vollbringen, schinden Ants Adam (’World Gone Wild’), Mary Woronov (’Frankensteins Todesrennen’) und Frank Doubleday (’Die Klapperschlange’) kaum Eindruck als Gang Bangers from the Innuat Hood.

Lebowski?

"Aber wie können sie hier mitten unter uns wie Steinzeitmenschen leben?"

Ja mei, sind halt Punks. Die machen dat so.
Vielleicht habe ich da irgendetwas zwischen den Zeilen übersehen, aber bei ’Nomads’ fehlt einfach der Griff. Dabei ist die Idee mit dem Springen zwischen Zeit und Körper mehr als brauchbar. Zu schade, dass man sie an den völlig unbefriedigenden Semi-Mythos um eine übernatürliche Straßengang dämonischer Eskimo-Herkunft knüpfen musste. Möglicherweise eine Modeerscheinung der Achtziger, die wir heutzutage nicht mehr nachvollziehen können.


Hudson