Mein Name ist Nobody


‘Nobody, but "Nobody," knows the trouble he's in!’


Originaltitel: Mio nome è Nessuno, Il (1973)
Regie: Tonino Valerii & Sergio Leone Drehbuch: Ernesto Gastaldi
Darsteller: Terence Hill, Henry Fonda, Jean Martin FSK: 12


Niemand ist schneller als Jack Beauregard. Das beweist die Westernlegende jedem, der unvorsichtig genug ist, ihn in einen Hinterhalt zu locken oder auf Ärger aus ist.

Hat die Nase voll: Jack
Und derer gibt es nicht wenige. Viel Feind, viel Ehr. Doch so einer wie Jack, der braucht die Ehre nicht. Schon gar nicht mehr in seinem Alter. Nur noch den Ruhestand im Kopf, begegnet er ausgerechnet seinem größten Fan, einem verrückten Typen mit Namen ’Nobody’. Dieser Tunichtgut hat schon als Kind ’Jack Beauregard’ gespielt und verfolgt kein geringeres Anliegen, als sein Idol unsterblich zu machen. Dass das Jack überhaupt nicht passt, interessiert den großmäuligen aber cleveren Nobody nicht die Bohne.
Geschickt schmiedet er einen Plan, dessen Ziel es ist, die berüchtigte ’Wilde Horde’ (“150, die reiten und schießen wie 1000.“) auf seinen Helden treffen zu lassen und zu beweisen, dass wirklich Niemand schneller ist als Beauregard.

Mehr über das witzige Story-Konstrukt, nach einer Idee von Meister-Regisseur Sergio Leone (der hier auch inoffiziell Regie führte) zu verraten, würde mich

Hat was am Haken: Nobody
schlichtweg als Spielverderber entlarven. Was den Machern dieses Western-Spaßes gelungen ist, möchte ich beinahe einzigartig nennen. Hier wird der Abgesang auf den klassischen Western ebenso gefeiert, wie betrauert. Und genau diese seltene Dualität hat ’Mein Name ist Nobody’ seinen urkomischen Genre-Brüdern (beispielsweise ’Die rechte und die linke Hand des Teufels’ & ’Vier Fäuste für ein Halleluja’) voraus.
Trotzdem sind auch hier die besten Ingredienzen einer solchen Westernkomödie vorhanden. Sätze wie „…damals in El Paso…“, ein Grabstein, auf dem der Name ’Sam Peckinpah’ steht, Slapstick-Einlagen und was wäre eine solche Gaudi ohne ’Bohnen mit Speck’, die das rüpelige Blauauge Hill direkt aus der Pfanne nascht.
Überhaupt ist der gebürtige Italiener hier auf dem Höhepünkt seines Könnens. Ob er nun einem kleinen Kind einen Apfel klaut, Bösewichtern den Arsch versohlt oder einfach nur Grimassen schneidet; sein Enthusiasmus kennt keine Grenzen. Der Mann hatte eine Bildschirmpräsenz, da lacht das Herz!
Nur an Henry Fonda kommt er nicht vorbei. Dessen Jack Beauregard ist die Coolness in Person und doch das traurige Überbleibsel einer aussterbenden Art. Ein vom ’Wilden Westen’ gezeichneter Mann, der schon mehr gesehen hat, als ihm gut tat.

Hat ein Problem: 'Mausezahn'
Dass die Bösewichter hingegen eher gesichtslos wirken, kann man verschmerzen. Der Zuschauer ist sowieso nur an Nobody’s und Jack’s formvollendeten Blick-, Schuss- und Wortgefechten interessiert. Letztere fallen in der deutschen Fassung auf Grund der Synchronisation von Schnodder-Maestro Rainer Brandt herrlich albern aus. (“Nun hör mal auf, mit der doppelsinnigen Quasselei.Warum hast du heut Morgen auf der Straße gesessen?“ “Ich war zu müde zum Stehen!“) Auch wenn das eine oder andere Mal ein wenig über die Stränge geschlagen wird.
Komplettiert wird das Ganze durch Sergio Leones Stamm-Komponisten Ennio Morricone. Der Meister der Töne schuf einen fetzigen, einprägsamen Score, der noch durch die Gehörgange schlendert, wenn der Film schon längst zu Ende ist. Wagners ’Ritt der Walküren’ in das Titelstück einzufügen und dann mittels ’hingerotzter Quäke’ abzuspielen, ist ein exzellenter Spiegel des Film-Themas, und schildert das einmalige Feeling viel besser, als es meine bescheidenen Worte vermögen.

'The Wild Bunch' rides again...

’Mein Name ist Nobody’ ist ein Film, wie man ihn selten bekommt. Hier bekommt man zu sehen, was passiert, wenn die besten Zutaten aus Leone-Epik & Western-Komödien gekreuzt werden. Ob nun Hommage, Abgesang oder Veräppelung...
Ihr bekommt alles auf einmal, ohne dass es je zu viel wird! Eine solche Gelegenheit solltet ihr euch nicht durch die Finger schlüpfen lassen… “Gelle?!“

Hudson