Ninja Squad



Originaltitel: Ninja Squad (1986) Regie: Godfrey Ho & Robert Young
Drehbuch: AAV Creative Unit (die schon wieder!) & Stephen Soul
Darsteller: Richard Harrison, Dave Wheeler, Gerry Broad FSK: 18


“Bitte Meister, könnt ihr mir etwas vom Ursprung der Ninjas erzählen?! Ich möchte gern mehr wissen.“
“Na gut, hör zu Billy. … Sie arbeiten als Agenten, führen politisch motivierte Attentate, manche von ihnen lassen sich sogar anheuern, um richtige Verbrechen zu begehen. Richtige Ninjas würden sich heute nichts mehr befehlen lassen und sie kämpfen auch nicht nur für Geld.“

“Wir haben dich gewarnt, Ho! Beutest du uns und unsere Brüder
noch ein einziges Mal aus, machen wir Chop Suey aus deinen Eingeweiden!“

Der Ninja-Großmeister Gordon (Richard Harrison, diesmal ohne Schnäuzer) will seinen kleinen Schüler Billy alles lehren, was ein echter Ninja wissen muss. Deswegen kommt Billy auch nicht am Partner-Look vorbei und muss nach der Ansprache mit rosa-farbenen Ninja-Anzug auf einer Lichtung im Bambuswald dicke Luft mit dünnem Schwerte schneiden.
Etliche Jahre später und (ihr ahnt es sicher schon) in einem ganz anderen Film aus dem Archiv asiatischer Querschläger, die nie das Licht einer Leinwand hätten erblicken dürfen, kehrt Billy zurück in sein Heimatdorf.

Keepin it extra real...
Mutti und den Geschwistern bleibt nicht viel Zeit zur Wiedersehensfreude. Schurkische Handlanger mit spastischen Zappel-Ambitionen rücken an und wollen Miete eintreiben, die ihnen nicht zusteht. Auch beruflich sieht’s nicht rosig aus für den Heimkehrer. Oder um es mit den Worten seiner Freundin zu sagen: “Billy, weißt du, ich kann nicht so recht glauben, dass dir deine Ausbildung helfen wird, eine Arbeit zu finden.“. Wie jetzt? ’Gelernter Ninja’ ist kein anerkannter Beruf im asiatischen Raum? Was wurde mir dann die letzen 20 Jahre für ein Mist aufgetischt?
Derweil erhält Meisterchen Gordon einen Brief (pardon, es ist tatsächlich ein Wurfstern, an dem ein Zettel hängt) von seinem ärgsten Konkurrenten, dem ’roten Ivan’, der ihm mitteilt, dass alle Welt ihn (Gordon) für den besten Ninja weit und breit hält und er (’der rote Ivan’) ihm (dem Gordon) und allen anderen das Gegenteil beweisen wird. (“Wenn du diese Herausforderung nicht annimmst, werde ich jeden Monat einen Ninja töten!“)
Zurück zu Billy, der sich mittlerweile mit allerlei Pack angelegt hat. Als seine Mutter getötet und seine kleine Schwester entführt wird, sammelt er seine Ninja-Kräfte, um Rache zu üben. Unterdessen duelliert sich ’Ivan der Rote’ ganz woanders mit etlichen anderen Ninjas und sammelt deren Bandanas, bis Meister Gordon die Faxen dicke hat und seine Innung mit eigenem Körpereinsatz verteidigt…

Halali, da sind’se wieder: Ninjas, die keine sind.

Yes, there may be a
time for underwear,
but it is not now!
Zumindest der recht dünne Handlungsfaden mit Asia-Schnurre Billy ist so wenig mit den japanischen Schattenkillern bestückt wie ein Parteitag der Grünen. Zwar ist andauernd von sogenannten ’Ninja-Morden’ die Rede, tatsächlich sind das aber nur ein paar Tölpel mit Maschinengewehren, die auf Hinterhöfen ’Killerspiele’ veranstalten. Apropos: Woran hier vor allem gespart wurde, sind sichtbare Einschusslöcher. Der Tod wird mittles travoltaesquer Zuckungen dargestellt.
Die eingestreuten Szenen mit Harrison als ’Meister Gordon’ und David Wheeler als ’Ivan der Rote’ passen da schon eher ins Ninja-Schema. Nun ja… irgendwie, denn wenn man sich die Jungs mal genauer anschaut, könnte man auch meinen, man ist bei ’Krieg der Infras’ oder den ’Power Rangers’ gelandet. Die Bilder hier sprechen wohl für sich.
Beide Handlungen (mangels eines passenderen Begriffes, benutze ich diese Wort einfach mal) wurden, wie man es von Godfrey Ho (der auf dem DVD-Cover übrigens als ’Bruce Lee Erfolgsregisseur’ bezeichnet wird), Tomas Tang und all den anderen Hong Kong-Reschissören gewohnt ist, einfach montiert, mit einer übergreifenden Synchro ’vervollständigt’ und der Masse in den Rachen geschoben.
Richtig traurig machte mich der Auftritt von Richard Harrison, der (wer auch immer er vor seiner Ninja-Karriere gewesen sein mag) sich hier von seiner allerschlechtesten Seite zeigt. Sein tumber, emotionsloser, aber auch tief betrübter Blick löst etwas aus, das in einem anderen Film einen großen Indianerhäuptling ein Kissen zur Erlösung eines Freundes missbrauchen ließ. Doch wer kann es Harrison verdenken? Die Art und Weise, wie ihn Lai und Ho verarscht haben, war so schäbig, wie die Protagonisten der Restposten-Movies, die sie in den 80ern aufkauften, um unter dem Label ’Ninja’ Geld zu machen.

Der ganz rechts ist übrigens 'Ivan der Rote'

Fazit: Nin ja. Plot nein. Rest doof. Case closed.

Hudson