Ninja - Die Kampfmaschine


‘Frequenz in eine andere Dimension’


Originaltitel: Ninja Apocalypse (1982) Regie: Gam Ming
Drehbuch: Nix Da
Darsteller: Yasuaki Kurata, Linda Young, Don Wong FSK: 16


Oberflächlich betrachtet scheint Marilyn ein nettes, anständiges, geradezu unschuldiges Mädchen zu sein. Doch die Fassade ist trügerisch. Nachts streift sich die Kleine einen schwarzen Strampelanzug über, packt Shuriken und Blasrohr ein und kommt an einem riesigen Drachenwimpel herbeigeflogen (muss man gesehen haben), um im Auftrag des Meistbietenden zu töten. Marilyn ist ein Ninja und das ist kein Witz!

Ninjaaaaaaaaaaa!
Im Auftrag ihrer Chefin Nancy hat die Killerlady erst wieder ein paar Köpfe rollen lassen, da läuft ihr Nancys Bruder Willy über den Weg. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch das junge Glück wird von Nancys finsteren Plänen getrübt: Sie will Marilyn endlich aus dem Weg schaffen. Warum? Keine Ahnung. Das wird nicht erläutert. Ist ja auch unwichtig!
Viel interessanter ist die unglaubliche und unheimliche doofe Art und Weise, mit welcher der Film versucht, das zu erreichen!

Folgende Szene spricht stellvertretend für die Ansammlung depperter Action-Sequenzen der folgenden Stunde:
Nancy lässt von einem zwielichtigen Untergebenen mit Pornobrille und Disco-Anzug Killer anheuern, die Marilyn aus dem Weg schaffen sollen. Als erstes soll es ein Mann namens ’Tiger’ versuchen. Letzterer ist der fette Dauerschwitzer vom Dödel-Dojo und haut dort gerade fünf gestapelte Eisblöcke auf einmal kaputt. Offensichtlich der richtige Mann für den Job!
Schnitt. Nächste Szene:
Marilyn läuft irgendeine Gasse Hong Kongs entlang, da sehen wir auch schon den lässig bis unauffälligen Tiger (immer noch mit Dojo-Trainungsanzug bekleidet) ganz zufällig genau in der gleichen Gasse heranrollen. Kaum hat sich ihr Weg gekreuzt folgt die Attacke!

"Bürger, würden sie bitte
das Fenster öffnen?! Ich
müsste mal austreten."
Was hiernach auch noch folgt, sind Sprung-Duelle mit fahrenden Autos, Kloppereien auf der Ölfass-Lagerhalde (wo ist Bolo Yeung, wenn man ihn braucht?!) und romantische Dialoge (“Ich kann dich einfach nicht einordnen. Du wirkst irgendwie geheimnisvoll auf mich. […] Nach dem College arbeitete ich in einem Kaufhaus. Ich bin extrovertiert, aber kein Frauenhasser.“), bis Marilyn schließlich zurückschlägt und die Ninja-Keule auspackt. Das Ganze ist zwar furchtbar dilettantrisch in Szene gesetzt worden, allerdings auch mit amüsant trashiger Action, ’random sex scenes’ und ein paar netten Ninja-Kills versehen. Schwierig wird’s, wenn man die Motivationen und Intentionen der Figuren folgen will. Ein Typ stellt sich beispielsweise lediglich mit folgenden Worten vor: “Ich bin ein berühmter Popstar. Man kennt mich.“. Zu dumm das der Darsteller genau so aussieht und exakt so gekleidet ist, wie ein Polizist, der ihm immer wieder über den Weg läuft und in die Suppe spucken will. Irgendwann weiß man hier einfach nicht mehr, wer was von wem eigentlich wollte. Und warum.
Das Schauspiel ist unter aller Kajüte, hat jedoch den ungemein großen Vorteil, launige Zuschauer zu schwallartigem Lachen zu bringen. Vor allem der ’Willy’-Darsteller mit seinem schmalziges “Oh bitte, Marilyn, was soll ich denn davon halten?!“-Geplänkel und derber Overacting-Dressur haut den Lachsalven-Lukas durch die Oberkante.
Sieht man von eigens komponierten Pop & Porno-Rhytmen ab (Mundharmonika und Saxophon Einsatz galore!), ist der Soundtrack beinahe komplett bei internationalen Streifen geklaut und zwar auf die fiese Art und Weise, die jeden Genre-kundige Filmonauten in die Grübelei zwingt (“Woher kenn’ ich das jetzt? Ist das Fulci? Carpenter? VERDAMMT!“).

“Wieso hast du das getan? Warum hast du das alles getan.“
“Wenn ich es nicht getan hätte, wären wir doch arm, Willy. Wir wären ohne eine Sicherheit!“

Ich sach ja: Muss man gesehen haben!

Das ist doch auch mal ’ne Art und Weise, seine schurkischen Machenschaften zu rechtfertigen oder? ’Ninja – Die Kampfmaschine’ ist ein Trash-Action-Drama der doofen Art und auf seine Art und Weise wirklich ein Fall für sich. Fast hätte ich gesagt: Gar nicht schlecht. Unter ’Ninja’-Filmen immerhin eine Perle. Aber wer Ninja-Filme kennt, weiß, dass das gar nichts zu bedeuten hat.


Hudson