Ninja Invasion


‘A fiery duel between the American government and a secret Ninja organisation’


Originaltitel: Thundering Ninja (1984)
Regie: Joseph Kong Drehbuch: John Barnes
Darsteller: Klaus Mutter, Stuart Smith, Yu Wang FSK: 18


...steht hinten drauf, schaun wir was drin ist:

Und weiter dreht sich das Rad, auf dem schwarz gekleidete Superfighter ihren Reigen der unbedachten Todessehnsucht tänzeln. NINJA(S) aus der ’Filmark’-Schmiede von ’Mr. Double T’, Tomas Tang.

Und nachdem in einem lauschigen Stadtpark im Moloch Hong Kong der 80er-Jahre zwei zwielichtige Männer mit Aktentasche von einem Trupp NINJAS fachgerecht verwemst werden, sehen (und hören) wir auch schon, wie deren Anführer in lustiger ’Shinobi’-Gedächtnis-Verkleidung (zusammenfaltbares Camou-Regen-Cape [wohl von Richard Harrison geborgt] und rotes Kopftuch mit silberner Stern-Paillette) neben der Ikea-Lampe seinem Henchman Fatty (ein China-Gnom mit Hitler-Bärtchen) eine Standpauke hält. Und was er sagt, ist:
“Muahahahaha! Es ist unser Ziel, die Welt zu erobern und zu beherrschen! Und die K-16 Rakete wird unstrittig die Waffe der Zukunft sein!“
Himmel hilf: Ninjas und Treibgeschosse!

“Hol’s Shurikenchen!“
Doch Moment, das Ganze zurück. Der Koffer war leer. Die absolute Kontrolle der Ninjas über die Welt muss warten und vorerst muss ein neuer Mann als Kontakt-Person her (schließlich ist ja Fattys Cover bei der letzten Übergabe geplatzt… andererseits könnte er sich das Hitler-Bärtchen auch einfach abrasieren, und kein Bleichgesicht der Welt hätte ihn wieder erkannt, ah well). Dies ist der Zeitpunkt, an dem die berüchtigte HK-Schnitt-Technik zum Einsatz kommt. Ja, selbstverständlich wurde auch hier Footage aus der Altstoffsammlung wiederverwendet, doch unterscheidet es sich von der Ausschussware, die in den Genre-Brüdern zu sehen ist, durch zwei wichtige Merkmale. Erstens wurde das eingefügte Material bereits unter dem Titel ’The Criminal’ veröffentlicht und zweitens hat es mit Jimmy Wang Yu (’Duell der Giganten’) sogar einen namhaften ’Star’ an Deck.
Wang Yu spielt den neuen Mittelsmann David, welcher der Gangster-Organisation beitritt, die mit den Ninjas verbündet ist (natürlich sind diese dramaturgischen Bande nur durch die Synchro geknüpft, denn Ninjas sind in Wang Yus Szenen nie zu sehen … aber wem erzähl ich das?)

“TORRO, TORRO!“
Zwischendurch sehen wir wiederholt seltsame Einspieler von einem kaukasischen Marathon-Brösel, der Gewichte pumpend über die Magistrale joggt. Kaum nach dem Sinn gefragt, kommt auch schon sein großer Auftritt, der dieser Szene folgt: (bitte bildlich vorstellen) Ein Ninja lehnt an der Brüstung eines x-beliebigen Parkhauses. Herbei kommt ein Fußgänger, will weiter schlendern, sieht aber gerade noch den Ninja, rennt auf ihn zu und fragt:
“Hey, hey was machen sie hier? Ich rede mit ihnen!“
Daraufhin stopft ihm der Ninja das Schwert zwischen Arm und Rippen (das bedeutet in Ninja-Filmen: Er ist tödlich getroffen) und huscht hinfort. Auftritt von Kollege Euro-Trash-Actor im Fitness-Modus: “Was ist passiert. Hast du den Ninja erkannt?“
Nein, hat er leider nicht, aber wir Zuschauer: Es war der schwarze, vermummte Ninja. Dieser rennt übrigens gleich zu seinem Chef, dem Pailletten-Ninja (dieser wird übrigens während des Films tatsächlich fortwährend mit ’Chef’ tituliert), gibt einen knappen Rapport ab und bekommt daraufhin von Paillette das Schwert zwischen den Arm und die Rippen gestoßen. (Der spontane Fußgänger-Kill wurde also tatsächlich gerächt. Seht ihr, wie moralisch dieser Film ist?)
Der Jogging-Fritze entpuppt sich schließlich nicht nur als CIA-Agent, sondern auch als roter Ninja und laut Chefchen Pailletten-Kopp gilt: “Ein roter Ninja ist schwer zu schlagen!“

“Das sind meine Befehle. Erfüllt sie oder sterbt!“

Ja, von wegen! Wenn es hier wenigstens ein wenig Ninja-Action zu sehen gäbe. Stattdessen sehen wir, wie Jimmy Wang Yu in Schlaghosen ein paar Kleinkriminelle verhaut.
Die Story ist wieder mal unglaublich konfus, was natürlich nicht an feinsinniger Komplexität sondern an Plotlöchern von der Größe des Marianengrabens liegt.
Den Gweilo-Dödel gibt hier Stuart Smith, der auch schon in ’Ninja Demon Massacre’, ’Cobra against Ninja’ und ’Bloodfight’ die zweite Geige spielte und der immerhin einen Shuriken mit dem Mund auffangen kann. Weitere Schmankerl sind der Ninja-Chef, der seine Instruktionen durch den zuversichtlichen Spruch unter dem Pic etwas weiter oben ergänzt und ein beinahe ’lohnenswertes’ Ninja-Finale (inklusive unsichtbarer und unterirdischer Ninjas).

Und da der Film sonst nichts zu bieten hat, oftmals schnarchlangweilig ist und kein Ende nehmen will, wir hier aber gerade so schön gemütlich beisammen sind, hau ich ein weiteres Highlight raus, um nochmal klar zu machen, warum ich mir solchen Schund trotzdem immer wieder antue:

Dolph... ?
Ein alter Knilch, der im Film Wang Yus Vater spielt, sitzt mit zurückgelehntem Kopf im Bastkorb und sinniert über die großen Fragen des Lebens:
“Meine Kinder haben mich verlassen, meine Frau ist tot. Warum muss ich dieses schwere Schicksal tragen?“
Schnitt zur Rückblende: Wir sehen eine ältere Dame an einer Hauswand entlang flanieren, als plötzlich ein Ninja hinter einem Baum hervorlukt, schließlich in ihren Weg springt, sein Schwert zückt und ihr eine Trocken-Rasur verpasst. Während die Dame sich gemütlich auf’s Pflaster setzt und stirbt, packt der Ninja ihre Handtasche, wirft sie freudig in die Luft und zischt ab.
Schnitt zurück zu Opa Grübelbacke: “Die Ninja tragen die Verantwortung. Ich werde es ihnen heimzahlen.“
Schnitt zur Rückblende (David und Vater): “David, willkommen zurück zu Hause!“
“Du täuschst dich, Vater.“
“Gibst du mir immer noch die Schuld?“
“Unsere Familie ist zerstört … und deshalb werde ich dieses Haus nie wieder betreten. Aber bevor ich dich wieder verlasse, Vater, gebe ich dir einen guten Rat: Lass die Finger von den Ninja. Sie sind dein Tod!“

Hudson