Ninja Hunt


‘Sie werden zu todesverachtenden Kampfmaschinen’


Originaltitel: Ninja Hunt (1986) Regie & Drehbuch: Joseph Lai & Godfrey Ho
Darsteller: Richard Harrison, Stuart Smith, Geoffrey Brown FSK: 18


"Sag deinem Boss, ich fordere ihn zu einem Duell heraus. Wenn er ein Ninja ist, so treffe ich ihn morgen im Tal des Todes."
"Warum sollte er sich darauf einlassen?"
"Weil kein Ninja die Herausforderung eines anderen Ninja ignorieren kann."

Da hat Meister Gordon wohl keine Wahl.

Immer die gleiche Masche bei Joseph Lai und seinen Pappkameraden von der IDF (idioti de facto).
Man nehme irgendeinen x-beliebigen Hong Kong Gammelstreifen, möglichst reißerischer Art (Sex, Gewalt und Lederjacken) und schneide eine später nachgedrehte Ninja-"Handlung" samt ein paar Gweilos (für den westlichen Appeal) mitten rein. Das ist quasi das Gegenteil von "Aus dem Zusammenhang gerissen", nämlich "In den Zusammenhang geknüppelt". Kann sein, dass ich dieses Verfahren schon mal erläutert habe. (Achtung Ironie!).

"Kennst du ihn, Brian?"
"Das ist Gordon Anderson. Er ist auch ein Ninja. Ein Ninja Jäger."

This time it's drama!
Aufmerksame Leser dieser Seite oder benachbarter Brüderblogs und Lexika des internationalen Schwachsinns kennen den Gordon. Er spielt in so ziemlich jedem zweiten dieser Cut & Paste-Ninjafilme eine, wenn auch untergeordnete Rolle. Meist als eine Art Commander von Pickelfressen oder Botschafter für schlecht geschnittene Nylonhemden. Ich sag’s euch gleich: Bei ’Ninja Hunt’ wird’s dramatischer. Viel dramatischer.
Es fing alles an, als Meister Gordon seinen Schüler/Untergebenen/Stiefelknecht Aaron nach Hong Kong schickte, wo er den Verbleib einer Videokassette aufdecken sollte, die von Ninjas auf Grund ihres wertvollen Inhalts (nein, nicht ’Ninja Terminator’, sondern eine Geheimformel namens Dat 10) gestohlen wurde. Aaron muss sich allmählich in Hong Kongs Unterwelt einarbeiten und beginnt eine Karriere als Taxi Fahrer. Hier lernt er den kleinen Billy kennen, der von allen mit Respekt behandelt wird, da sein Stiefvater der mächtige Gangsterboss Campbell ist. So weit, so typisch Archiv-Gangsterquatsch. Jetzt kommt aber Gordon in die Story, denn der ist niemand anderes als Billys Vater. Das erfahren wir, als er nach langer, langer Zeit bei dessen Mutter auftaucht und fragt "Wie geht es unserem Sohn. Er müsste jetzt elf sein."
Die gute Dame, die sich übrigens aus Scham für Billys Tante ausgibt, will nichts mehr von Gordon wissen, der zwar beteuert, dass er sich nicht von ihr trennen wollte (es ging aber nicht anders), allerdings auch seine Ex ausnutzen will, da diese mit Gangsterboss Campbell liiert ist. Mindbending, isn‘t it?
Währenddessen sieht man Billy selbst schluchzend auf seinem Zimmer: "Mama… wo bist du hingegangen? Mama… warum hast du mich verlassen? *Schnüff*"

"Und falls einer fragt: Ich muss mich nicht rechtfertigen, dieses Foto zu besitzen!"

Ja, wir sind immer noch bei den ’Ninjas’. Das Ganze hat halt einen sehr dramatischen Dreh genommen und dafür sollten wir Produzent und Regisseur Joseph Lai vielleicht sogar dankbar sein. Er brachte das Drama zurück in den Ninja Film. So muss sich Ninjameister Gordon (hier mit ’Richard Raupe’ Synchro) endlich seiner eigenen Vergangenheit stellen und gerät dabei in die Untiefen gefühlsmäßiger Oppression.
Freilich gibt es auch ein paar schlecht kostümierte Hampelmänner, die sich zwischendurch mit allerlei fernöstlichem Kriegsgerät beharken. Aber schlussendlich verschwinden sie alle im Dunst einer rosaroten Rauchbombe und zurück bleibt nur die emotionale Hilflosigkeit des Helden.

"Ich hab was versprochen. Keine Zigaretten mehr und keine krummen Geschäfte mehr. Und außerdem geh ich in Zukunft zur Schule."
"Hey, das sind ja hervorragende Nachrichten. Das ist echt gut für dich! Darauf müssen wir einen trinken."

Das "Highlight" eines jeden Ho/Lai/Tang-Ninjastreifen: Die letzten zwei Minuten.

’Ninja Hunt’ ist purer Blödsinn, nicht sonderlich unterhaltsam, aber zuweilen brodelnd doof. Worüber ich persönlich meist jedoch minutenlang abgrüble, nachdem der "berühmte" rote ’The End’ Bildschirm an mir vorbeigeflackert ist: Was haben die Leute gedacht, die damals (also zur Veröffentlichung des Films auf VHS, Video 2000 oder Langspielplatte) ’Ninja Hunt’ gekauft oder ausgeliehen haben? Es gab eindeutig Alternativen zu diesem Tinnef. Wie konnten derartig viele Ninja-Machwerke gefertigt werden? Waren die tatsächlichen "Produktions"kosten so gering und die Toleranz für geschnittene Scheiße beim Publikum zu hoch? Oder wurden diese Magnetbandverschwender schon damals im Dutzend billiger unters Volk geschoben, vielleicht in Kombination mit einem richtigen Film? Wenn jemand eine Antwort weiß… ich wäre wirklich interessiert.


Hudson