Ninja - Grandmaster of Death
aka
Die Rache des Ninja



Originaltitel: Wang ming ren zhe (1983)
Regie: Tso Nam Lee Drehbuch: Chang Hsin Yee & On Sito
Darsteller: Yasuaki Kurata, Kuan Tai Chen, Hung Lieh Chen FSK: 18


“Ninjitsu ist eine alte japanische Kampfkunst, die den Männern und Frauen, die sie erlernten, den Ninjas, ihre äußersten psychischen und physischen Kräfte abverlangte.“

Spricht’s im Vorspann und schlägt somit eine direkte Brücke zum Zuschauer. Denn auch meine Erfahrung sagt, dass sich Körper und Geist beim Konsum von Ninja-Movies verdammt nochmal zusammenreißen müssen, um die notwendigen Funktionen im Lot zu halten. Schauen und hören wir also weiter:

Der Ninja-Minister warnt:
Kunstnebel gefährdet ihre Gesundheit

“Die Ninjas waren und sind eine der gefürchtetsten Geheimorganisationen, die es auf der Welt gibt.“ heißt es weiter und irgendwie wundere ich mich schon, was das mit dem Frauen-Schlammcatchen zu tun hat, das mir hier irgendwie unpassend zum Text präsentiert wird. Doch dann sehen wir sie endlich in Action: Ninjas! Oh Junge!
Die schwatten Knaben schießen mit kleinen Messern Tauben vom Himmel und machen Zielübungen an beweglichen Riesensmileys. Dann geht’s auch schon weiter im Text:

“Obwohl die Ninja seit hundert Jahren verboten sind, glauben manche, dass sie immer noch existieren.“

Das beweist auch folgende Szene. Ein Meister taucht in einer unterirdischen Höhle aus einer riesigen rosa Wolke auf und ist im Begriff, die Aufnahmeprüfung zweier Neulinge abzusegnen. Die besteht größtenteils daraus, dass man sich in den Finger schnitzt, ein bisschen in eine Tasse Tee hineinblutet und das Zeug dann austrinkt. Fertig. Schon ist man Ninja!

Männer in Röcken känpfen mit Stöcken

Storytechnisch (ja ich weiß, albernes Wort in dem Zusammenhang) geht es um eine Reihe von Mordfällen. Angestellte und Mitglieder einer wohlhabenden Unternehmer-Familie werden von Ninjas per Auftragskill ins Jenseits geschickt. Die Verbrechen müssen nun aufgekärt und weitere Attentate verhindert werden. Und wie macht man das besser, als mit… na? Genau! Anderen Ninjas! Und um nochmal zu verdeutlichen, was die Jungs und Mädels alles auf dem Kasten haben, bekommen wir gleich herrliche Beschreibungen einzelner Ninja-Skills. Lest selbst:

“Die Bedeutung des Wortes Ninja ist geheim. Jedes Körperteil erhält in der Ausbildung eine besondere Funktion. Sie sind so schnell, dass sie jederzeit Auftauchen…“ Wir sehen, wie ein Ninja aus einem Busch springt und drei Männer angreift. “…und nach Belieben wieder verschwinden.“ Wir sehen, wie der Ninja zurück ins Gebüsch rollt.
“Sie benutzen Nebelschwaden, um ihre Flucht in einem nebulösen Durcheinander zu decken.“ Wir sehen, wie der Ninja ein Rauchgranate rausholt und auf den Boden pfeffert, woraufhin alle tot umfallen.
“Unter ihrem Spezialumhang verbergen sie ein Dutzend verschiedener, tödlicher Waffen. Einige Ninja-Frauen benutzen sogar ihren Körper als Waffe. Sie lenken ihre Feinde ab und töten sie dann hinterhältig.
Wir sehen eine Ninjafrau (wahrscheinlich die Schlammcatcherin aus Szene 1, aber ohne Ninja-Haube), die ihre Bluse fallen lässt und die dumm draufglotzenden Kerle niedersäbelt. “Außerdem sind sie noch Meister der Hypnose und können andere zwingen zu tun, was sie sagen. Sie können andere sogar dazu bringen, sie zu töten.“
“Das hört sich für mich alles sehr unwahrscheinlich an.“
“Aber das ist leider die Wahrheit.“

Man vs Machine

Das Traurige an ’Ninja - Grandmasters of Death’ ist (mal abgesehen von den langweiligen Labereien, die viel zu oft die Ninja-Action aufhalten), dass die Macher offensichtlich unter der Wahnvorstellung litten, hier einen ernstzunehmenden ’Wir erzählen euch mal, wie das mit den Ninjas wirklich war!’-Actionfilm zu machen. Dank doofer Story, unbrauchbarer Akteure und abwegiger Exploiter-Einschübe verbockten sie sich diesen Ansatz aber kräftig. Deshalb Anspruch beiseite und her mit den Ninjas, die neben Schwertkämpfen, Prügeleien, Shuriken-Schleuderei und Ninja-Raketen noch ganz andere Geschütze auffahren. Denn Schlangenattentate, Nagelattacken in die Stirn und Eiszapfen-Kills sind ebenso an der Tagesordnung, wie exotische ’Verführ den Mann, kratz ihm beim Sex den Rücken auf und träufle giftiges Pulver aus deinem Klappring in die Wunde’-Manöver.

“Ich geb ihnen einen guten Rat. Sollten sie einem Ninja begegnen: Laufen sie weg!“

Besser als die meisten Cut&Paste-Flicks aus dem Hause ’IDF’ oder ’Filmark’ ist diese taiwanesische Produktion allemal. Zwar gibt’s hier keinen Richard Harrison, aber man muss auch mal auf ihn verzichten können. Bleibt ein stellenweise zähes und dialoglastiges Machwerk, das seine Schwachstellen aber mit genügend absurder Action verkitten kann. Für Ninja-Fans absolut geeignet, alle anderen suchen sich … ein Buch, ein Blumenbeet oder einen Tanzpartner.

Machine vs Ninja

Achso, einen hab ich noch:

“Meister, lasst mich in Ehren sterben.“
Wir sehen die Ninja-Killerin vor dem Ninja-Chef im Temple des Todes knien. Er gewährt ihr ihren letzten Wunsch und wirft ein Gifthäppchen in ihren weit aufgesperrten Rachen. Sie stirbt.

Mann, diese Ninjas... tolle Kerle!


Hudson