Ninja: Extreme Weapons


‘The day of the Ninja is here!’


Originaltitel: Ninja Extreme Weapons (1988) Regie: Godfrey Ho
Drehbuch: Nou Wai
Darsteller: James Gray, Donald Muir, Donald Sanders FSK: 18


You read it here first. Don't complain later.

Cut & Paste-Ninjafilme: Zwei Streifen, eine Meinung. Zusammengeätzt von Hongkongs Filmmafia der Achtziger Jahre. Ihre Opfer sind unzähling. Es bekennen sich nur wenige. Die Dunkelziffer liegt im Millionenbereich.
Als Zuschauer hat man es spätestens nach dem dritten Mal kapiert, als Rezensent für Genre-Schund aller Coleur hofft man, sie irgendwann geschafft zu haben, aber es krauchen scheinbar täglich neue Streifen dieser Unart des asiatischen Genre-Kinos aus den Kloaken des Filmatismus.

Den Plot von ’Ninja: Extreme Weapon’ auf die Reihe zu kriegen, scheint mir fast unmöglich. Disclaimer: Trotz meines über die Jahre durch Filme dieser Art mitverursachten Aufmerksamkeitsdefizites, versuche ich wirklich mein Bestes, den Stories der selbst wirrsten und stümperhaftesten Streifen zu folgen. In neun von zehn Fällen gelingt es mir. Und der eine Minuspunkt dieser Erfolgsratio knüpft sich meist an eine dieser Ninja-Brezeln der Herren Lai, Tang und Ho.

Diese 'Sifu-im-Rollstuhl'-Nummer haben die
doch voll beim Söldnerkommando geklaut!

Um es mal so zu sagen: Ich hätte dieses Gutachten auch schreiben können, ohne den Film je gesehen zu haben, rein auf der Basis meiner bisherigen Erfahrungen mit Schund aus dieser speziellen Ecke.
Wieder einmal wird ein unverwerteter/unbekannter/unbedeutender Streifen (hier ein Crime-Drama) aus dem Archiv gefischt und mit ein paar absolut hirnrissigen Martial-Arts-Szenen und einer neuen Synchro versetzt, die mit dem inflationären Gebrauch des Wortes ’Ninja’ dem Film einen legit touch verleihen soll. Stichworte wie Heroin-Schmuggel, Mädchenhandel, Kabale und Liebe kitten den Rest.
Protagonisten sind Angela, die nette Nutte, ihr Lude und Co-Fiesel Mr. Brown, ihr Liebster, der Bulle James, Browns Partner, der alte Rollstuhl-Ninja Pierce, sowie die beiden Hench-Ninjas Brian und Claude (aka der rote und der weiße Ninja).

Satz mit X...
Ich weiß nicht, wie’s um euch bestellt ist, aber ein Film, der mir einen Ninja (mit Schnurrbart) namens ’Claude’ auftischt, sollte besser die dicksten Eier seit Klaus & Klaus im Korb haben. Bei ’Ninja: Extreme Weapons’ sind’s jedoch nur Mäuseklöten.

Weißer Ninja: “Boss, Jenny ist vom blauen Ninja umgebracht worden!”
Roter Ninja: “Was?! Vom blauen Ninja?“
Ninja Chef - in Zivil: “Wo ist der Stoff?”
Weißer Ninja: “Den hat der blaue Ninja sich genommen. Ich wollt ihn umlegen, aber dann kam die Polizei.“
Ninja Chef: “Jenny war für mich wie eine Tochter.”

Hmja, aber nicht so wichtig wie der Stoff, wie, oder?

So amateurhaft die beiden Ninjas auch sind (und sie lassen sich ca. viermal hintereinander von dem blauen Ninja verwemsen, nur um mit eingezogenem Schwanz daraufhin bei Boss Pierce Bericht zu erstatten), Cop James und sein Partner Stulle (ich nenn ihn einfach mal so, einen cool klingenden Anglese-Namen hat das Brot einfach nicht verdient) übertreffen deren Inkompetenz um Längen. Sie lassen keine Gelegenheit aus, Schutzbefohlene in Gefahr zu bringen, ihre Ermittlunsmethoden erinnern an die Eleganz von Duckman, ihr Auftreten an zwei Versicherungsvertreter in der Mittagspause und jeder zweite ihrer Freunde/Partner/Affiliates endet im Leichensack...

...ja, sogar die Oma hier.

Bei aller Drögerei, den unzähligen Anschlussfehlern, inszenatorischen wie darstellerischen Unzulänglichkeiten und dem gammeligen Gefühl, dass sich unter der Schädeldecke breit macht, muss man dem Machwerk zwischendurch immerhin einige aberwitzige, weil höllisch absurde Einfälle attestieren. Mittendrin sehen wir eine Schwadron schlecht uniformnierter Guerilla-Witzfiguren durch einen Dschungel trapsen (das alles hat natürlich rein gar nichts mit irgendetwas anderem im Film – weder der “Haupthandlung“, noch der Ninja-Nebenluft zu tun), nur um aus dem hüfthohen Gras von einem Ninja in Chinadrachenkostümierung mit eingebautem Flammenwerfer angegriffen zu werden. Okay, das kann nur Punkte geben oder sagen wir einen Punkt. Aber bei dem bleibt es dann trotz des recht flotten Finales mitsamt hirnerweichendem Wort-Finisher. Aber ich bin mir sicher, dass die plötzliche religiöse Anwandlung des blauen Ninjas in den letzten fünf Sekunden des Filmes die Filmwissenschaftler kommender Generationen um den Schlaf bringen wird.

Welcome to the highlight section. All five seconds of it.

“Wir haben zwar den Überraschungsvorteil auf unserer Seite, aber vergesst nicht, dass wir es hier mit gut ausgebildeten Ninjas zu tun haben.“

Ich mach’s an dieser Stelle kurz, rate einfach blanko jedem ab und verhänge mir selbst für die kommenden drei Jahre ein Ninja-Embargo. Genuch is genuch…



Hudson