Ninja Dragon


‘The ninja's way is the only way to survive’


Originaltitel: Ninja Dragon (1986)
Regie: Godfrey Ho Drehbuch: Un Known
Darsteller: Richard Harrison, Paulo Tocha, Melvin Pitcher FSK: 18


Herzlich Willkommen in der Welt der Ninjas!
Einer Welt, in der Physik, Mode, Logik und Kohärrenz meist Pause haben, die aber an Absurditäten und Albernheiten reich ist. So auch in ’Ninja Dragon’, einem der etlichen Hong Kong-Trasher, in die der frühere Italo-’Star’ Richard Harrison verbannt wurde.

Warum zeigt man uns Deutsche
immer als fette Suffköppe?
Da sitzen schon in Szene eins eine Handvoll Unterwelt-Boss-Deppen mit schmieriger Synchro und schlechten Anzügen um die als Konferenz-Tisch getarnte Kaffee-Tafel (vor jedem steht ein kleines Fähnchen, das wohl sein Land repräsentieren soll) und klagen sich ihr Leid.
Gordon (Richard Harrison), ein Mitglied dieser Runde, scheint ihnen besonders am Herzen zu liegen. Der Mann zockt sie nicht nur beim Pokern ab, ihm gehört auch eine große Bank in der Gegend (ähm Hong Kong?). Das weckt Neid und schon sind die ersten Killer auf Gordon und seinen Partner Ronald gehetzt. Letzterem wird kurz darauf von seinem pummeligen Barbier die Kehle durchgeschnitten, allerdings scheint diese Szene einem ganz anderen Film entnommen worden zu sein …

“Ich bringe euch Frieden!“
Und hier sind wir wieder bei der kotzigsten Eigenart asiatischer Ninja-Trasher: Regisseur Godfrey Ho (in den Credits: ’Screenplay & Director’) und Produzent Joseph Lai, unter Ninja-Fans keine unbeschriebenen Blätter, haben wieder tief ins Archiv gegriffen und einen x-beliebigen Gangster-Schinken rausgekramt, der eigentlich wohlweislich von allen Beteiligten der Verdammnis und dem ewigen Staub überlassen wurde. Dieser Film, in dem unzählige asiatische Schauspiel-Furunkel in schwarzen Anzügen und Hüten durch die faden Kulissen eines Triaden-Plots schwurbeln, wurde einfach durch ein paar Szenen mit hust*Star*hust Richard Harrison ergänzt, der sich für das Archiv-Verbrechen an seinem Freund Ronald (dem er ja nie begegnet ist) an den Knallchargen aus Szene eins rächt (die ja rein filmtechnisch überhaupt nix damit zu tun haben).

Mit dem Schwert nach Hong
Kong. Sag warum Richard?
Das Ganze wurde dann mit einer ’erklärenden’ Synchro versehen, die dem ohnehin einfältigen Kappes einen Sinn geben sollte. Aber schön, vergessen wir die Handlung und konzentrieren uns auf den Unterhaltungswert: Silliness aplenty, folks! Neben zahlreichen Shoot-Outs mit Plaste-Uzis, den Übungen des geschminkten Camouflage-Ninjas Harrison und einer Beerdigung mit der Andacht: “Nehmt eure Hüte ab! Verbeugt euch das erste Mal, verbeugt euch das zweite Mal, verbeugt euch das dritte Mal!“, gibt es eine Szene, in der ein gescheiterter Attentäter sich das Leben nimmt, indem er seinen Kopf fünfmal auf die Bordsteinkante haut. Kommentar eines Protagonisten: “Das ist das Leben eines Revolver-Helden.“
Das klingt nach ’ner ganzen Menge Spaß? Nö! Denn die wirre Handlung und das Gelaber bremsen die Freude beim Zuschauen gewaltig, auch wenn hier mitunter die Simpsons-Synchron-Stammbelegschaft am Mikro stand (Milhouse-Alarm!) Zu allem Übel wird auch ein Schwung Hollywood-Tunes (sicher ohne Autorisierung) eingespielt, so ist u.a. Morricones ’The Thing’-Score zu hören. Weiha!

“Du wirst für alles bezahlen, was du mir angetan hast!“
“Oder du wirst sterben wie ein Ninja!“
“Oookay!“

Ja, auch Ninjas legen im Urlaub ein Handtuch über den Stuhl,
aber erst, nachdem sie ihre Uzi damit geschrubbt haben.

Fazit: Der Editor des Films heißt Nicky Au. Muss ich wirklich mehr sagen?



PS: Wenn ihr der englischen Sprache mächtig seid und euch für die Praktiken der Hong Kong Ninja-Verwurstung a la Godfrey Ho, Joseph Lai & Tomas Tang interessiert, empfehle ich euch dieses Interview mit Richard Harrison (ab Seite 4 wird’s interessant).

Hudson