Ninja - Champion on Fire


‘Das letzte Duell unsterblicher Ninja-Kämpfer’


Originaltitel: Ninja Avengers (1987)
Regie: Godfrey Ho Drehbuch: Nee Du
Darsteller: Richard Harrison, Stuart Smith, Stefan Bernhard FSK: 16


Aus unserer Reihe:
’Meister Gordon erzählt Geschichten’

Kennt ihr den? Kommt’n Ninja aus ner Hütte, an der ein Schild mit der Aufschrift ’JAIL’ hängt!

“Wisst ihr, wer mich verpfiffen hat?
“Ja, es war Antonio. Dieser schleimige Mistkerl hat es für Geld gemacht!“
“Elender Bastard. Er ist Schuld daran, dass ich fünf Jahre im Knast war. Er wird fünf Tode sterben. Für jedes Jahr einen. Wisst ihr wo er steckt?“
“Im Norden Chinas. Er arbeitet dort für die Japaner.“
“Die Japaner? Was machen die da?“
“Die machen dasselbe, was wir hier tun. Töten und Plündern.“
“Gut, also auf nach Norden.“

Und schon sind wir in China. Natürlich nicht mit den Gweilo-Nasen aus Szene eins, sondern im 2. Handlungsstrang, der (wie so üblich bei Ninja-Schnetzeleien aus Hongkong) absolut nix mit Handlunhg eins (der Ninja-Handlung) zu tun hat.

Gott vergibt - Ninja nie
In der Synchro wurde das natürlich ’professionell’ aufeinander abgestimmt, so dass der Protagonist aus Handlung B, ein katholischer Wander-Mönch mit riesigem Holzkreuz auf dem Buckel, als Antonio (eben jener Ninja-Veräter aus dem Dialog von vorhin) verkauft werden kann. Zwar spielt Handlung B ganz offensichtlich im Zeitraum von 1900 bis 1930 (grob geschätzt) und Handlung A in den 80ern, aber künstlerische Freiheit wurde bei IDF-Films und Regisseur/Produzent Joseph Lai ja schon immer groß geschrieben.
Während Antonio auf seinem Jakobsweg von chinesischen Gangstern angemacht wird und sich schließlich mit der Kung Fu-Brezel Dragon anfreundet, sehen wir in Handlung A unseren alten Freund, den Ninja-Meister Gordon (Richard Harrsion, wer sonst) auf einem Berg hocken und sein Schwert polieren. Als er Nachricht von den Racheplänen des Ex-Knastis aus Szene eins erhält, will er Antonio (der zufälligerweise sein Bruder ist) vor den fiesen Ninjas beschützen und macht sich auf in die Zeitmaschine…

Also schön, das mit der Zeitmaschine habe ich mir eben ausgedacht, aber ich schwöre, der Rest passiert ganz genau so in ’Ninja - Champion on Fire’!
Beim Wühlen in seinen alten Schubladen im Archiv-Keller stieß Joseph Lai eines Tages tatsächlich auf so etwas wie einen Spaghetti Eastern, komplett mit Gweilo-Hauptdarsteller, der im Stil von Django ein mit speziellem Inhalt gefülltes Objekt durch die Landschaft schleppt und unterwegs viele Abenteuer in bester Kung Fu-Tradition, inklusive amüsanter Prügeleien und Chopstick Shoot Outs erlebt.

Ninja-Action at its finest!
’So etwas kann ich ja umöglich einfach ’pur’ auf den Markt schmeißen!’ dachte Lai sicherlich besorgt und klatschte, wie er es schon unzählige Male zuvor getan hatte, einfach neugedrehte Ninja-Footage mit Spezi Richard Harrison ins Geschehen. Dass das sowohl narrativ als auch optisch nur in die Hose gehen konnte, ist klar. Zumal wir es hier mit einem jener seltenen Patchwork-Arbeiten zu tun haben, bei denen (ich glaub kaum selber, dass ich das schreibe) Handlung B tatsächlich die bessere ist. Mit ’besser’ meine ich natürlich nicht ’gut’, aber Kenner solcher Machwerke wissen sicher, worauf ich hinaus will.
Die Ninja-Szenen, meist Fights zwischen zwei Kontrahenten (jeweils böser Ninja 1, böser Ninja 2 und oberböser Ninja - natürlich nacheinander in periodischen Abständen- versus Meister Gordon), die sich auf irgendwelchen Hügelketten die Motten aus der Garderobe dreschen, sind so unmotiviert gefertigt, wie sie unpassend in den Film eingefügt wurden.
Wenn aber mitten im Film Antonio und Gordon tatsächlich ’aufeinander treffen’ (natürlich nie zur selben Zeit im Bild) schwillt das Zwerchfell bei brüderlichen Dialogen wie:

“Wenn du dich wirklich geändert hast, werd ich dir helfen. Ich beschütz dich vor Ringo und seinen Männern.“
“Ja, aber das sind Ninjas geworden. Die sind gefährlich.“
“Ja, Fred wurde durch einen Shuriken getötet.“
“Ist das eine Waffe der Ninjas?“

Ninja-Acting at its finest!

Ich weiss ja, dass sie beinahe ausschließlich zur unheiligen Zelluloid- bzw Videoverschwendung beitragen, aber ich kriege einfach nie genug von den dämlichen Ninja-Streifen aus den Häusern ’IDF’ oder ’Filmark’. ’Ninja - Champion on Fire’ reiht sich in die unfeine Tradition schwachsinnigen Asia-Filmguts ein und darf weniger als Film, denn als Hintergrundbeschallung zum Biergelage konsumiert werden.


Hudson