Ninja : American Warrior



Originaltitel: Ninja: American Warrior (1987) Regie & Drehbuch: Godfrey Ho
Darsteller: Jeff Houston, John Wilford, Peter Davis FSK: 18


Den nun folgenden Film präsentieren wir Ihnen
mit freundlicher Unterstützung von 'Doubles'R'us'

Liebe Flausenfreunde, ich weiß, Ihr habt’s nicht so gern, aber wir hatten schon lange keine Ninjas mehr und ihr wisst, dass wir vertraglich dazu verdammt sind, mindestens einmal im Jahr einen Film von Tomas Tang oder Godfrey Ho zu begutachten. Und dreimal dürft ihr raten; der hier ist von beiden!

„Du bist doch der Ninjakiller von der Vollmondschule. Spiel nicht den Schattenninja! Komm raus!“

Wenn einem so ein Sprüchlein widerfährt, ist das schon einen Double Take wert. Das spitzt die Lauscher, das lässt hoffen, aber nur bis der Initial-Fight zwischen dem Vollmondninja und der sprücheklopfenden Trümmerlotte vorüber ist, danach geht ’Ninja American Warrior’ auch schon den Weg jeden ’Cut & Paste’*-Ninja-Kloppers.

Bevor einer fragt: Das ist Godfrey Hos
übliche Methode, nichtsahnende Gweilos
für seine doofen Filme zu akquirieren.
(*Kenner des grottigen HK-Ninjafilms wissen Bescheid, unbefleckte Glotzganoven schauen bitte in einem der gefühlten 2359834 Ninja-Rezis auf dieser schönen Seite nach einer Erklärung zum Begriff.)

„Ninja Nummer eins ist besiegt. Ich war besser als er! Was ist? Nächster Ninja! Komm schon raus!“

Hier wurde die taiwanesische Thriller-Mauke ’Queen Bee’ mit dem französischen Existenzialismus-Drama ’Bien Que’ verwurstet und ein paar Ninjas über die Spur gelegt. Also schön, das mag nicht ganz stimmen, aber ihr könnt unmöglich von mir erwarten, dass ich einen Film dieses Kalibers mit journalistischer Integrität angehe. Wo kömen wir dönn da hön?
Nein, hier wird auf den Tisch gepackt und angekackt, denn diese Streifen lassen Ninjas in einem schlechten Licht dastehen. Während populärkulturelle Sprüche, alte Videogames oder Filme mit Sho Kohasi die Schattenkämpfer wie die coolsten Hupen diesseits von Dodge City dastehen lassen, sorgen Streifen von Ho, Tang und Lai regelmäßig dafür, dass die Schnauze voll und die Faxen dick sind.

"Your mission, should you accept it, is pretty simple:
Heal the world. Make it a better place!"

Eine stringente Handlung in diesem Labyrinth aus Kreuz&Quer-Schnitten, Montage-Stullen, Subplot-Sandwiches und Archiv-Aufstrich auszumachen, ist nahezu unmöglich. Eine Figur fasst es zu Beginn am Besten zusammen: „Es geht um CIA-Ninja-Triaden und Drogenschmuggel!“
Da ist Amazonia, eine Arschtreterin mit schnieker Frisur und sitzendem Dropkick. Ama will mit Hilfe örtlicher Cops den Kokainschmuggel der Verbrecher-Organisation ’Thugs’R’Us’ unterbinden, erleidet jedoch eine Niederlage nach der anderen. In einem völlig anderen Film, weit entfernt, wird ein Typ mit Schnurrbart von seinem Vorgesetzten gebrieft: „Sie können Ninjitsu und sind somit genau der richtige Mann. […] Sie stehen auf der Seite des Gesetzes. Ich hoffe sie haben nichts dagegen einzuwenden.“
Ähm, ja, nein. Moment… Was? Wieso?

Vietnam-Rückblende... was sonst?
Egal. Schnurri nimmt den Auftrag an und gerät… na ja, es wird impliziert, dass er in die Machenschaften der Triaden aus Plot eins eingreift, aber es sind eher Offscreen-Behauptungen und brutal verkackte Schnitte, die diese These untermauern, nicht etwa handfeste Interaktionen mit jenen Protagonisten oder gar subtextuelle, thematische Implikationen.
Es folgen Verrat im Sägewerk und Kloppe auf dem Industriegelände. Mittendrin explodiert ein VW Polo neben der Kiesgrube und aus seiner Asche erhebt sich ein weißer Ninja (Schnurri im Strampler), der von nun an alles und jeden aufmischt, mittels Flikflaks Gewehrsalven ausweicht und hinter ein schreckliches Geheimnis gerät…
…nämlich dass der blonde Antagonist, der in einem späteren Leben gut und gerne als das Lichtdouble von Peter Stormare hätte durchgehen können, sein alter Vietnam-Atze ist. Das’ schon ’n Ding und dann noch Vietnam.

„Ich bin in Kriegs-Kung-Fu ausgebildet. Mein einziges Ziel ist, reich zu werden.“

Okay, so THIS guy is apparently henching for fashion.

Man addiere Heckenscheren Fu, Disco Fu meist aber Clumsy Fu, Frisur-Folter („Brennt ihr Haar ab!“), Goblins ’Dawn of the Dead’-Soundtrack, eine lächerliche Murmel-Synchro und eine Rückblende zur Figur des Charlie, einem Jackie-Chan-Lookalike, der in Besitz eines für Ninjafilme typischen Tonbands gerät. Was folgt, ist ebenso typisch: Triaden-Henchies kommen vorbei und töten seine Frau. Natürlich war sie schwanger. Mit Zwillingen, schätze ich. Zwillinge, die Jahre später ein Allheilmittel gegen Krebs erfunden hätten. Aber das nur in der Extended Edition.
Charlie erwischt es kurz darauf ebenso. Eine Szene später betrauern ihn seine Kollegen in einem urigen Nachtschuppen, in dem ’In the City’ von den Eagles läuft… womöglich von eben jenem Tonband, das der Auslöser des ganzen Dramas war.

Sollte sich einer von euch an dieser Stelle fragen: „Was zum Teufel hat das mit dem Film zu tun?“ ist das mehr als berechtigt. Lasst es raus! Dieses Gefühl kenne ich nach 90 Minuten Ninja-Cutto-Paste nur zu gut.

Na wenigstens die Jungs haben Spaß...

Aber wenn Triaden Marktpreise diskutieren, quietschende Shuriken den Ton bestimmen und die Heldin ihre Gegner mit einem Klangholz verkloppt, bleibt selbst den abgehärtetsten Action-Allesfressern nur noch die Flucht in die Ablenkung. Selbst bei einem Film, in dem wir profane Lebensweisheiten, wie folgende vom bösartigen Verräterweib aus Szene # 17, offenbart bekommen:
„Du bist als Liebhaber nicht schlecht, doch Juwelen und Gold überzeugen mich noch mehr. Genau wie die Zärtlichen einer starken schönen Frau. Tut mir leid, Ricky. So ist das Leben!“


PS:

Those female undisguised Ninjas are THE WORST!


Hudson