Rabbits


‘How many eyes does horror have?
How many times will terror strike?’


Originaltitel: Night of the Lepus (1972) Regie: William F. Claxton
Drehbuch: Russell Braddon, Don Holliday & Gene R. Kearney
Darsteller: Stuart Whitman, Janet Leigh, DeForest Kelley FSK: 16


Ratet mal, wer zum Essen kommt!

Wenn es zum Thema Tierhorror kommt, kann ich mit Fug und Recht behaupten, wirklich schon viel gesehen zu haben. Wahrscheinlich zu viel. Schlangen, Ratten, Haie, Spinnen, Löwen, auch Affen und Fledermäuse, sogar Würmer, Frösche und wer erinnert sich nicht an die ’MacGuyver’-Episode mit den Killer-Ameisen? Aber alles, das wissen selbst die gierigsten Film-Konsumenten, hat irgendwo eine Grenze und die Grenze zum Thema Tierhorror wurde mit folgendem Film mehr als eindeutig überschritten… Ach was, sie wurde platt gehoppelt!

“Ow!“
“What happened?“
“A rabbit bit me, that’s what happened!“

Koks! So läuft der Hase!
Tatsächlich. Kaninchen sind das Problem von Großgrundbesitzer Cole Hillman. Die Biester haben sich in rauhen Mengen vermehrt (es heißt ja nicht umsonst: Wie die Karnickel!) und fressen seinen Rindern die Möhren aus dem Acker und das Gras von der Weide. So geht’s nicht, denkt sich Hillman und leitet erste Gegenmaßnahmen ein. Nachdem die Bunnybusters aber abgesagt haben und ein Einsatz von Gift nicht in Frage kommt, müssen Genetik-Hoschi Roy Bennett (Stuart Whitman) und seine Frau Gerry (Janet Leigh) helfen. Sie züchten im Nu hormonbehandelte Impotenz-Kaninchen heran, doch gelingt einem speziell geimpften Riesenkarnickel mithilfe Bennets kleiner Tochter (“Mommy, I like rabbits, mommy!“) die Flucht und das fröhliche Rammeln mit Todesfolge für die menschliche Population kann beginnen. Nachdem die Viecher in einer Mine aufgespürt und der Stollen mit TNT in die Luft gesprengt wurde, glaubt man, Ruhe vor den gigantischen Häschen zu haben. Doch die Damen und Herren rechnen nicht mit der buddelflinken Grabsamkeit der Kaninchen. Was folgt ist unglaublich…
Und hab ich schon erwähnt, dass Dr. McCoy vom ’Raumschiff Enterprise’ auch vor Ort ist?

Basierend auf dem Roman ‘The Year of the Angry Rabbit’ (ich glaub mein Hase muckelt), verfilmte TV-Regisseur William F. Claxton eine ernstgemeinte Nonsens-Charade, wie es sie im Genre kein zweites Mal zu sehen gab.
Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals schreiben würde, aber…

"Jim, KANINCHEN GREIFEN MENSCHEN AN!"

Was auch immer sich die Macher dabei dachten, sie gingen mit dem unnötigen Ernst und der fachmännischen Solidität ans Werk. Leider sind sie der irrigen Annahme, sie könnten die knuddligen Kaninchen mittels Vergrößerung (man lässt sie über ’Miniatur’-Sets laufen oder steckt auch schon mal einen Menschen oder einen Schäferhund in ein Hasenkostüm), Extrem-Close Ups auf ihre Knopfäuglein, blutbeschmiertem Wuschelfell und dem Dauereinsatz von Zeitlupe (selbst wenn sie sich den roten Lebenssaft gierig von ihren Schnuffelnäschen lecken) zu radikal gefährlichen, furchteinflößenden Monstern machen.

“Rabbits as big and as ferocious as wolves? It isn’t concievable!”

Ja, kein Scheiß, Sherlock.

NOT FOR THE FAINT OF HEART!
Aber dennoch. Es ist da, schwarz auf weiß… äh Flauschifluff auf Zelluloid. Und die Hasis nehmen sich kein bisschen zurück. Sie fresssen Menschen, Pferde und Tomaten und wann immer sie in Herden über die weite Flur rasen, ertönt ein Geräusch, das sich anhört, als würde jemand in einer Regentonne ertrinken. Verrückt. Flammenwerfer, Elektroshocks, Maschinengewehrfeuer, ’Pille’ McCoy; alles muss gegen die ’Raving Rabbits’ aufgefahren werden, damit der Menschheit eine Chance zum Überleben bleibt. Und selbst wenn Stuart Whitman (’Die Abenteur des Brisco County Jr.’), Janet ’Psycho’ Leigh und DeForest Kelley (hier mit Schnauzbart) sich alle Mühe geben, niemand beachtet sie, wenn riesenhafte, mordlustige Kaninchen im Bild sind.
Der Film wird automatisch mit jeder vergangenen Minute, in denen wieder ein Protagonist über riesenhafte Killerkarnickel schwadroniert, während eben jenen anderswo die Menschen unter die Hasentatzen geraten, absurder.
Das absurdeste an der ganzen Chose ist aber, dass ’Night of the Lepus’ noch vor der durch den ’Weißen Hai’ losgetretenen Tierhorror-Welle erschien und somit schon fast als originell beschrieben werden muss.

“Ladies and Gentleman, Reports from Headquarters confirm, that a horde of Killerrabbits is getting closer to town.”

Ich.. ähm ... achscheissdrauf!

Wer einmal im Leben eine Stampede aus Riesenkarnickeln sehen will, über jeden Schwachsinn erhaben ist oder sich vielleicht Gedanken über die Zucht eines stattlichen Rammlers macht, der ist bei ’Night of the Lepus’ genau richtig.
Dass wir es hier mit dem ungekrönten Gaga-König aller Tierhorror-Streifen zu tun haben, dürfte außer Frage stehen. Oder um es mit den Worten der unsterblichen Daisy Steiner zu sagen: Rabbits, Rabbits, Rabbits, Rabbits, Rabbits, Rabbits, Rabbits, Rabbits, Rabbits…


Hudson