Insel der neuen Monster 2



Originaltitel: Regina degli uomini pesce, La (1995)
Regie: Sergio Martino Drehbuch: Sergio Martino & Sauro Scavolini
Darsteller: Giuliano Gensini, Michael Velez, Natascia Castrignano FSK: 16


’Öh, häh?’ war meine erste Reaktion auf ’Insel der neuen Monster 2’
Dachte ich doch, der Film wäre eine Fortsetzung zu ’Insel der neuen Monster 1’, worauf der Titel ja auch in ein, zwei Silben sachte hinweist.
Aber nein, stattdessen bekomme ich zur Begrüßung gleich mal ein paar postapokalyptische Archivaufnahmen aus dem ollen Endzeit-Reißer ’Fireflash’ zu sehen.
Nach zehn Minuten war mir klar, was Regisseur Sergio Martino hier verzapft hat. Im Englischen würde man sagen: “He pulled a Corman!“

Endzeit an der Adria
Ganz recht, er packte einfach die ’besten’ Szenen seines PA-Krachers in das erste Drittel dieses Filmes von 1995 und wickelte eine Rahmenhandlung um zwei Jugendliche aus dem New Yorker Untergrund drum herum. Da gibt es sogar Platz für einen Cameo von ’Rattenfresser’ Al Yamanouchi. Eigentlich clever, denn außer ein paar Trash-Hasen dürfte niemand diesen Film jemals bemerkt haben.
Wie man so etwas macht? Ganz einfach: Martino versteckt seine beiden Protagobratzen hinter Mauern ähnlicher Kulissen, zeigt sie nie mit den ridernden Reiterhorden aus dem Urfilm auf einem Bildschrim oder packt sie beim ’Fireflash’-Autocross-Fight einfach in den Kofferraum. Diese Schnitt/Gegenschnitte Montage funktionierte nicht nur bei Corman-Hauern wie ’Barbarian Queen’ und ’Phantastic Adventure’, sondern auch bei Hong Kongs Erzschurke Godfrey Ho (’Ninja dies’, ’Ninja das’).
Nach dem ersten Drittel sind unsere Früchtchen dann raus aus der Ruinen-Stadt und freunden sich am Ruinen-Strand mit dem alten Ruinen-Penner Sokrates an. Der seiert etwas von einem Zaubertrank und einer Reise zu einer Insel und schwupps, ein “Ihr hattet gerade noch Glück. Der Big Apple hat sich gerade eben selbst zerstört.“ plus weiteres Archivmaterial später, sind die Kids auf einem klapprigen Hausboot und landen bald darauf auf einer idyllischen Karibik-Insel… ähmähmähm von New York aus!
Von hier an hätte ich eigentlich ausschalten können und mein Leben wäre um eine Stunde schöner gewesen.

Hey Bebop, wo haste
Rocksteady gelassen?
Ihr wisst sicher zu schätzen, was ich euch hier und jetzt erzählen kann.
Auf der Insel herrscht eine grausame Königin mit ’Merman’-Krone und dickem Alufolien-Fischkopp-Zepter über einen debilen Eingeborenen-Stamm . Durch den Dschungel hüpft auch ein schwarzer Junge mit einer Goldenen Maske (fragt nicht warum!) und ein junges Mädchen, das den beiden New Yorker Deppen (und Deppen sind die Zwerge, das könnt ihr mir glauben) hilft, nicht von der Königin erwischt zu werden. Im Wasser vor der Insel schwimmen immer noch die Fischmenschen aus Teil eins herum (und zwar genau dieselben! Natürlich sind das wieder Archivaufnahmen) und bergen alte Käsereste aus der versunkenen Stadt Atlantis (das auch direkt vor der Insel abgesoffen ist).
Gottseidank sind die Monster heuer aber freundliche Wesen (aargh!) und helfen den beiden Big-Apple-Banausen, bei… was auch immer in diesem Film sonst noch vor sich geht.
Was das ist? Nun ja, Amazonen juckeln durch den Tropenforst, ein Eingeborener wird per verzaubertem Apfel in einem Frosch verwandelt, Königin Fischmatratze quietscht Beschwörungen in ihr Zäpfchen-Zepter, Little Miss Jungle quietscht auch und die New Yorker Kids spucken Töne wie “Amerika, noch nie was davon gehört? Rock, Rap, Sylvester Stallone, ‘Rocky 28’?!“ oder “Danke, Bruder Fisch!“ als sie eines der Wesen aus einem Käfig befreit (aargh!).
Achso, am Ende kommt ein Raumschiff mit weiß gekleideten Kindern und holt alle, um zu fremden Welten zu reisen. Ich hatte nur ein Bier, also müsste meine Erinnerung tadellos funtionieren. Ja, ich schätze das ist wirklich passiert.

"Hast du eben über mein Zepter gelacht?"

Fazit: Archivplünderei mit Kiddie-Schund-Faktor über dem Skalenlimit. Harmlos und lahm wie eine Folge ’Disneyclub’. Die Italiener hatten ihren grindigen Genre/Charme in den 90ern einfach verloren.


Hudson