Nemesis


‘In the future... it pays to be more than human.’


Originaltitel: Nemesis (1993)
Regie: Albert Pyun Drehbuch: Rebecca Charles
Darsteller: Olivier Gruner, Tim Thomerson, Cary-Hiroyuki Tagawa FSK: 18


2027, A.D. Die Welt nach dem Dritten Weltkrieg. Konzerne regieren die Welt. Die Menschheit wurde durch künstliche Wesen, Cyborgs, ergänzt.
Dass die Menschen und ihre kybernetischen Gegenstücke nicht unbedingt nett miteinander umgehen, beweisen schon die ersten Minuten von Albert Pyuns ’Nemesis’.
Protagonist Alex Rain (Kampfsport-Mini-Mime Oliver Gruner) sprengt nach einem kurzen Saxophon-umspielten Têt-a-tét seiner terroristisch veranlagten K.I.-Begleiterin erst die halbe, dann die ganze Rübe weg. ’Keine halben Sachen’ ist das Motto des L.A.P.D. Bullen, der gegen Subjekte (jeder Herkunft) hart durchgreift.

Der Apltraum schlechthin:
Nachprüfung beim Sport &
der Lehrer hat ’nen Kater.
Der darauffolgende Shoot Out mit den Komplizen der zerlegten Techno-Biene zeigt, dass sich Pyun weder in Sachen Action, noch bei der Darstellung unschöner Demolierung künstlicher Kanaillien zurückhält.
Gleich zu Beginn wird auf jedwede Art aus allen Rohren gefeuert, wobei Alex auch mehr als genug abbekommt, was schlimmer klingt, als es ist, der Typ ist nämlich selbst eine Art Cyborg (“Zu 86,5% habe ich menschliche Anteile“). Leider bekommt er kurz darauf die ’Peter Weller wird zu RoboCop’-Spezialbehandlung und muss generalüberholt werden. (“Als die Techniker mit seinem Körper fertig waren, schickten sie ihn zur Rehabilitation in die Wüste.“)
Als zwei Cyborg-Damen (denn kybernetische Applikationen gibt’s in dieser Zukunft für umme) ihn zurück in den Dienst einer großen Firma (denn großen Firmen herrschen in dieser Zukunft) holen wollen, machen diese den Fehler und erschießen seinen Kumpel, einen Hund. Jetzt ist Alex bockig, lässt sich die Haare wachsen und versucht anderweitig Fuß zu fassen. Da macht sein alter Arbeitgeber aber nicht mit. Erneut wird Alex per Geschoss auseinandergenommen und erneut montiert, um für den Commissioner (Tim ’Trancers’ Thomerson) einen Anführer der ’Hammerhead-Rebellen’ auszuschalten. Doch Alex hat immer noch keine Lust, den Bullen-Hampel zu spielen. Bis der Satz “Denken sie an die Bombe in ihrem Herzen!“ fällt. Doch so einfach lässt sich Alex nicht unterkriegen. Drei Tage, eine starre Miene und ein Sack voller Waffen bleiben ihm, um die Fronten zu klären…

Brust raus, Bauch weg!
Ja, den hat der Pyun tatsächlich hinbekommen! Nach dem absolut unwürdigen Van-Damme-Vehikel ’Cyborg’ lief der hawaiianische Regisseur noch einmal zur Hochform auf (nun gut, immerhin zu ’pyunscher’ Hochform). Sein von Twists & Turns durchzogener Cyberpunk-Actioner bedient sich stilistisch beim Hong Kong-Dauerfeuer eines John Woo oder Ringo Lam und besticht durch genre-untypische Location-Vielfalt.
Da verschmerzt man es auch, dass die Story in die mittlerweile völlig verbeulte ’Man vs Machine’-Kerbe haut. Besetzungstechnisch hat man vor allem bei den Nebendarstellern ein sicheres Händchen bewiesen. Neben dem beliebten ’Trancer’-Jäger Tim Thomerson (der beweist, dass er auch als Bösewicht funktioniert), sind auch Genre-Bulldog Brion ‘Blade Runner’ James und Hollywoods 1A B-Bösewicht Cary-Hiroyuki Tagawa (’Mortal Kombat’) mit von der Partie.
Hauptdarsteller Gruner stapft im schweren Mantel (diverse Schusswaffen als Innenfutter, versteht sich) oder auch halb nackt über den Schirm und fegt wortkarg alles weg, was sich ihm entgegenstellt. Eine Leistung, die zwar zur Figur passt, ihm danach aber nur noch Unterschlupf in drittklassigen Schund-Krachern gewährte.
Außer dem recht drastischen Cyborg-Verschleiß, heißer Shoot ’em Up-Action und einem urigen Stop-Motion-Finale, wird der Zuschauer auch mit recht bizarren Anflügen von Humor angefüttert. So gibt es neben einer grandiosen Szene, in der Sven-Ole Thorsen (’Conan’) als gemeiner Cyborg-Bulle von einer Oma abgeknallt wird (Kommentar Gruner: “Der graue Panther schlägt zurück.“) amüsante Seitenhiebe auf das Science-Fiction-Genre (’Teminator’, ’Aliens’), genauso wie ’als Seitenhiebe verkleideten Ideenklau’ (’RoboCop’, ’Predator’ & ’Blade Runner’) und einen Kurzauftritt von Thomas ’The Punisher’ Janes Hintern!

“Wir sind nicht die bösen, Alex. Wir wollen nur, dass die Menschen uns nicht wie Objekte behandeln. Sie weigern sich, zu begreifen, dass auch wir denken und fühlen. Es ist nicht unserer Schuld, dass es uns gibt.“

Terror in der Packstation!
Der Packroboter packt zu!

Dank unterhaltsamer Non-Stop-Action, gelungener Ausstattung und gut aufgelegten Darstellern, verdient sich ’Nemesis’ (neben ’Talon im Kampf gegen das Imperium’) das Prädikat, der beste Film des Schrottfabrikanten Albert Pyun zu sein. Danach ging es leider nur noch bergab.


Hudson