Navy Seals


‘They're America's secret weapon against terrorism.’


Originaltitel: Navy Seals (1990) Regie: Lewis Teague
Drehbuch: Chuck Pfarrer & Gary Goldman
Darsteller: Charlie Sheen, Michael Biehn, Joanne Whalley FSK: 18


’Navy Seals’, das ist die härteste Elite-Einheit der Vereinigten Staaten (von Amerika). Also abgesehen von John Rambo, John Matrix und John McClane.

Two and a Half Hairdos
Seals sind ein recht überschaubares Trüppchen, hartärschiger, aber lebensfroher Individuen. Da gibt es den besonnenen Commander (Michael Biehn), der immer einen kühlen Kopf behält, den hyperaktiven Hot Shot (Charlie Sheen), der auch schon mal auf Landgang einfach so aus einem fahrenden Auto von einer Brücke in einen Fluss springt, den supercoolen Sniper (Bill Paxton!), der mit seiner Wumme sogar durch Wände ballern kann und den lässigen Schwarzen mit Bindungsängsten (Dennis Haysbert), der seine Braut mit den Worten “Ich ruf dich an!“ vor dem Altar stehen lässt. Mit ein paar zusätzlichen Kollegen im Gepäck decken sie so ziemlich jeden Einsatz ab, der das Eingreifen der World Police “erfordert“. Wenn sie nicht gerade in allen Ecken und Enden der Welt terroristische Aktivitäten unterbinden, hauen sie sich auf dem Golfparkour die Bierkannen um die Omme und sinnieren über die simplen Weisheiten des Lebens (“Wie geht’s dir denn?“ “Ich weiß nicht. Ich hab’s Trinken aufgehört und’s Denken angefangen.“).
Als während einer Befreiungsaktion in einem Lager arabischer Terroristen eine Familienpackung Stingerraketen entdeckt wird, die von den Seals jedoch aufgrund der brenzligen Situation nicht entschärft werden kann, müssen die Jungs nach vielem Hickhack und zur Rettung der freien Welt (Huzzah!) kurze Zeit später erneut ins alarmierte Feindesland…

’Navy Seals’ ist das für die Navy, was ’Top Gun’ für die Airforce war: Aalglatte Propaganda-Action, co-finanziert vom US-Militär, um neue frische Rekruten für den Kampf (’the good fight’!) gegen Terroristen, Neonazis und Außerirdische zu gewinnen.

Neulich in Durka-Durkastan
Die Seals schießen, rennen, fliegen, tauchen, springen bei romantischer Morgenröte mit dem Fallschirm ab, reißen Sprüche (“Seid vorsichtig!“ “Wenn ich vorsichtig wär, wär ich bei der Küstenwache!“), saufen nach Kameraden-Verlust eine Bar leer und werden von Hollywoods Klischee-Kriegern verkörpert.
Charlie “Sie wollen mich zwingen nachzudenken, bevor ich rede. Nich wahr?“ Sheen drängelt sich im heiß/kalten Wechsel von Dauergrins-Acting und Betroffenheits-Hundeblick vor den gelassen-blassen Michael Biehn (’Terminator’), der sich zu allem Unglück auch noch mit einem unmotiviert eingeschobenen Love-Intrest, gespielt von Joanne Whalley Kilmer (’Willow’), herumschlagen muss, während Bill Paxton (Hudson, Sir!) mit einer unwichtigen Nebenrolle abgefertigt wird. Das nenn ich mal fahrlässige Verschwendung einer coolen Sau. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Rick ’Slider’ Rossovich aus ’Top Gun’.
Zwar kann sich ’Navy Seals’ mit satter Action selbst über die Laufzeit von 110 Minuten retten, kommt dabei jedoch nicht umhin, sich bei all jenen Mittelchen militaristischen Kinos zu bedienen, die später so herrlich von Charlie Sheen selbst in den ’Hot Shots’-Filmen verarscht wurden: Raushol-Szenen, Quickraids, Pos(t)ershots vor Kriegsgerät, Trainings-Montagen, pompöse ’Drumrolls meet Synthies’-Mucke (kombiniert mit Kuschelrock von Bon Jovi und Mr. Big) und Klischee-Rhabarber (“Es gibt keinen Grund, sich zu bedanken, weil wir gar nicht existieren. Sie haben uns nie gesehen. Das hier ist nie geschehen.“)

Fuck Yeah!

Fazit: Schick fotografierte und slick inszenierte Einsatz-Action mit auf Sparflamme spielenden, aber Dauerfeuer gebenden Genre-Soldaten, fragwürdiger Message und den typischen Genre-Klischees. Für Actionfans und republikanische Militaristen ein gefundenes Fressen.


Hudson