Nachtschicht


‘Stephen King took you to the edge with The Shining and Pet Sematary. This time......he pushes you over.’


Originaltitel: Graveyard Shift (1990)
Regie: Ralph S. Singleton Drehbuch: Stephen King & John Esposito
Darsteller: David Andrews, Kelly Wolf, Stephen Macht FSK: 16


Es begann ohne Vorwarnung und Stephen Kings Leser wurden desöfteren zu Kindern des Zorn, denn sie kamen nicht manchmal, sondern immer wieder: Verfilmungen von Kurzgeschichten des Meisters aller fünfzehnjährigen Horror-Fans (no offense! I’m one of you!).

"Talkin' to me?"
Genau damit haben wir es auch bei ’Nachtschicht’ zu tun. Die Vorlage stammte aus der gleichnamigen Short Story-Anthologie und handelte von einer finsteren Wollspinnerei, in der R.V.A.G.s (Ratten von außergewöhnlicher Größe) die Arbeiter anfielen.
Dass ’Spätschicht’ schlappe 20 Seiten lang war und von vornherein nicht unbedingt das Potential hatte, einen bahnbrechenden Horror-Film auszuspucken, störte die Macher nicht, solange sie den Namen King vorne mit drauf pinseln konnten.

Auch im Film dreht es sich um eine Spinnerei, heimgesucht von einer gewaltigen Rattenplage, gegen die nicht einmal der dauerangestellte Kammerjäger (witzig: Brad Dourif) etwas ausrichten kann. Als der schweigsame Tramp John Hall (David Andrews, ’T3’) hier Arbeit sucht, wird er von Spinnerei-Boss Warwick (Stephen Macht, ’Trancers 3-4’) für die Nachtschicht eingeteilt. Der letzte Mitarbeiter der Halls Job verrichtete wurde von etwas Ungeheuerlichem in die Woll-Zerkleinerungs-Anlage gestoßen, was aber niemand jemals erwähnt. Als die unterirdische Anlage der Spinnerei geräumt und gesäubert werden soll, engagiert Warwick ein paar Mitarbeiter (u.a. Andres Divoff, ’Wishmaster’) für eine handvoll Dollar, um den dreckigen Job zu verrichten. Doch das Ungeheuerliche lauert genau dort unten und es sind nicht die Ratten…

Ratten greifen Menschen an!

“Sie kannten keine Furcht, genau wie der Vietcong. Und glauben sie ja nicht, dass ich einer dieser übergeschnappten Kiffer bin, wie sie damals in dem Film ’Platoon’ rumgelaufen sind.“

Ja, kuck! Das war doch gar nicht sooo übel.
Klar macht die Story nicht viel her und wurde mittels unbrauchbar eingefädelter Liebesgeschichte und aufgesetztem ’Stranger-in-a-strange-town’-Stress von 20 Buchseiten auf 90 Minuten Filmlänge gestreckt. Aber ’Nachtschicht’ bleibt auf Kurs und kommt im letzten Drittel richtig in die Gänge.

Menschen schlagen zrück!
An den Schauspielern gibt es kaum etwas zu bemängeln. Hauptdarsteller Andrews schaut zwar etwas zu verdutzt aus der Wäsche, dafür haut aber Stephen Macht (der hier aussieht wie der Gewinner eines ’Fred Ward-Doppelgänger-Wettbewerbs’) gewaltig in die Schurken-Kerbe und deckt vom schmierigen Ekel bis zum manischen Bastard alles ab. Andrew Divoff und Brad Dourif halten ihre erfreulich unverkennbaren Visagen für zwei Nebenrollen hin und vor allem Dourif zeigt auf seine schräge Art, was er drauf hat.
Das Monster ist nicht unbedingt von berauschender Qualität, sein unappetitliches Design und die blutigen Resultate seines Schaffens dürften Ekelfreaks aber durchaus zusagen.
Wunderbar schäbig gestaltet ist auch die Spinnerei mit ihren diversen Etagen. Überall dampft und knarrt es. Jede Ecke ist ein potentielles Verstck für Ratten und schlimmere Dinge. Auch die triefenden Schächte ganz unten, bis hin zur ’Skelett-Höhle’ wurden atmospärisch in Szene gesetzt und bieten ein adäquates Setting für die relativ spannende Monster-Hatz. Selbst wenn mal wieder bei ’Alien’ geklaut wurde und auch der übliche Horror-Quatsch seinen Weg in die unterirdische Gruselstätte gefunden hat (Dunkles Loch in der Felswand? Da greif ich glatt mal rein! …So ’ne Scheiße, wo ist jetzt mein Arm?!).

Ratten holen Verstärkung!

Ein bahnbrechender Horror-Film ist ’Nachtschicht’ nicht. Ein unterhaltsames Tiermonster-Movie aber allemal. Dank stimmiger Sets, guten Darstellern und einem spannenden letzten Drittel dürften Fans von solchen Affairen sicher ihren Spaß haben. Ich hatte ihn.


Hudson