My Name Is Bruce


‘Kick some Ash’


Originaltitel: My Name Is Bruce (2007)
Regie: Bruce Campbell Drehbuch: Mark Verheiden
Darsteller: Bruce Campbell, Adam Boyd, Ted Raimi FSK: unbekannt


Der eine oder andere mag seinen Namen nicht kennen (shame on you), aber sein Gesicht dürfte jedem Filmfreund hier oder da mal schon einmal aufgefallen sein.
Sei es in Nebenrollen diverser Kino-Blockbuster (immer mit unterschiedlicher Synchronstimme), als Hauptdarsteller in zu Unrecht gefloppten Serien (Stichwort: ’Brisco County Jr’, die kultigste Western-Show aller Zeiten!), sogar in ’Old Spice’-Commercials und natürlich in unzähligen B-Schinken a la ’Sundown’, ’Bubba-Ho-Tep’ oder ’Brain Slasher’. Der durch die ’Tanz der Teufel’-Reihe zu obskurem Ruhm gekommene (zumindest bei Genre-Fans, Hollywood-Figuren fassen den King grundsätzlich nur mit der Kneifzange an) Bruce Campbell ist ein Held der B-Film-Szene und endlich bekommt er die Chance, seinen Status als Kultfigur einmal ordentlich auf die Schippe zu nehmen und zwar unter eigenener Regie.
Grund genug für uns, den fertigen Film bei der erstbesten Möglichkeit zu begutachten. Eine Möglichkeit die sich, Glückes Geschick, gestern in einem großen Berliner Kinosaal im Rahmen des diesjährigen FantasyFilmFests (’08, that is) bot.

Beware: Bruce on the Loose

Wer hätte gedacht, dass Bruce Campbell im wahren Leben ein echtes Arschloch ist? Ich nicht! Schon gar nicht nach der Pflichtlektüre ’If Chins Could Kill - Confessions of a B-Movie-Actor’.
In ’My Name Is Bruce’ erfahren wir jedoch endlich die ganze Wahrheit: Unser Held ist ein versoffenes, chauvinistisches Ekel, das seine Kollegen schikaniert (“Hey, light me, don’t fight me!“), seine Fans mit der ’Get a life!’-Masche behandelt (selbst bei Rollstuhlfahrern kennt er keine Gnade) und dessen Karriere am Ende ist – und zwar bei den billigsten aller C-Movies, Filmen mit Titeln wie ’Cave Alien 2’ (wanna see!), die ihm sein schmieriger Agent (herrlich: Ted Raimi) seit Jahren unterjubelt. Von der Muse verlassen, von Hollywood missachtet und von der Ex-Frau (Look kids, it’s Ellen Sandweiss!) geschasst, findet sich Da Bruce allabendlich sturzbesoffen in seinem Trailer, neben seinem Hund Pooch wieder.
Doch noch größeres Unheil schwebt über dem Haupte des wahren Bruce Almighty. Denn im unweit entfernten Kuhkaff Goldlick machen sich vier liebestolle Teenager an einer alten chinesischen Grabstätte zu schaffen und erwecken dummerweise den Dämonen Guan Di, eine Art Deadite-Version von Pai Mai, aus dessen jahrhundertelangem Schlaf. Nur einer der vier Kids überlebt das folgende Gemetzel. Doch der weiß Rat. Als weltgrößter Bruce Campbell-Fan gibt es sowieso nur eines, was man in dieser Situation tun kann:
Nur sein Idol kann Goldlick vor dem fiesen Dämon retten!

Evil Zausel of Doom
Bruce hält das Angebot, dass ihm der junge Mann des Nachts vor seiner Trailertür unterbreitet zunächst für einen schlechten Versuch angehender Trash-Filmer, ihn für ihren Schmarren zu gewinnen und reagiert recht grob auf den Knaben. Dieser lässt sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen. Er kidnapped den King kurzerhand und schleppt ihn im eigenen Oldsmobile (the classic!) nach Goldlick, wo ihn die gesamte Gemeinde schon freudig erwartet. Guan Di hat inzwischen nämlich ganze Arbeit geleistet und die Bevölkerung des kleinen Nestes um weitere Einwohner per chinesischen Klingen-Kahlschlags schrumpfen lassen.
Nachdem Bruce aus dem Katerschlaf der Gerechten erwacht ist, hält er das Ganze zunächst für eine gemeine Entführung der hiesigen Hillbillies (“You know, for a short time I thought I was in the sequel to ’Deliverance’ and someone was about to say ’Squeal like a pig!’“). Schließlich überzeugt sich Mr. Campbell irgendwie selbst, dass dies wohl wirklich ein weiterer schlechter Film sein muss, den sein vermaledeiter Agent ihm als Geburtstagsbonus eingebrockt hat und willigt im Angesicht der attraktiven Mutter seines Entführers und in völliger Ignoranz der echten Gefahr schließlich ein, den Rednecks bei ihrem ’Problem’ zu helfen.
Was folgt ist eines der witzigsten, bescheuertsten und Bruce-tastischsten Kuddelmuddels, die uns der Gott der B-Filme hat vermachen können…

“Mr. Campbell makes soup. My name is Bruce!“

Es ist schön, Bruce Campbell mal wieder im Kino zu sehen. Und damit meine ich nicht launige Cameos bei den ’Spidermännchen’ oder eine schreiende Visage in ’Congo’, sondern Bruce pur. Full fledged. Bruce-centric. The real deal, eben.
’My Name Is Bruce’ ist ein Fest für all jene Campbell-Fanboys, die folgendem Zitat des Filmes: “Bruce Campbell is the greatest actor of his generation!”, Bruce-patriotisch HUZZAH zurufen. Zu diesen Leuten gehöre auch ich. Bruce can do no wrong. Die Idee kann noch so bescheuert sein (’Alien Apocalypse’), das Drehbuch noch so lausig (’Tornado’), die Effekte noch so billig (‘Terminal Invasion’), der Film noch so beschissen (’Moon Trap’ … na schön, ok, ok, bei ’Moon Trap’ konnte auch Da Bruce nix mehr retten); Campbells Performance zieht den Karren meist doch noch aus dem tiefsten Dreck.
Na gut, die Idee zu ’My Name Is Bruce’ ist nicht mehr ganz taufrisch. Das kennen wir schon so ähnlich aus dem kunterbunten SciFi-(you hear them crickets makin’ love?)-Ulk ’Galaxy Quest’. Aber hey, wer von uns hätte nicht lieber Bruce Campbell an Tim Allens Stelle beim Hemd ausziehen zugesehen? (Ähm, streicht letzteres!)
’Battlestar Galactica’ und ’TimeCop’-Autor Mark Verheiden bastelte dennoch ein funktionierendes Script daraus, dass zwar an Überraschungen eher arm ist und nach dem zweiten Drittel die Dinge ein wenig arg holprig in die Wege leitet, aber die Lacher (vor allem für die Fans) kontinuierlich kommen lässt.

Hooray for Ted Raimi!
Im Zentrum der Posse steht freilich unser Held und der zeigt sich von seiner besten Seite. Bruce spielt quasi eine (nur gaaanz lose) auf der Realität basierende Version seines Ash-Charakters aus ’Army of Darkness’, gemischt mit der Spruchlastigkeit seines ’Jack of all Trades’ und einer gewaltigen Prise (freilich völlig frei hinzu erfundener!) Arschlöchrigkeit. Letztere kommt u.a. dann zum Vorschein, wenn er der reizenden Dorfdame an die Wäsche will (“A young mother, huh?” “Well, it’s a country thing.” “A MILF is a Milf, eh?!”) oder auch wenn er (in einer der lustigsten Szenen des Films) zum Rückzug bläst und später selbst nicht davor zurück schreckt, einer Oma das Auto unter dem Arsch wegzuklauen. Sowas lässt man wirklich nur einem durchgehen. Und der spielt hier mit sichtlichem Spaß an der Sache.
An Sprüchen ist ’My Name Is Bruce’ nicht arm. Leinwand-Campbell schießt gegen alles und jeden. Sei es Erfolg-Einbuße dank C-Film-Hölle (“Check the orbituaries. You’ll find my career there!“), das Internet (“The customer reviews on amazon were great!“ “Yeah, the ones you put in.”), Expositions-Dampfhämmer (“Well hello, Mr. Plotpoint”) oder die Widrigkeiten eines globetrottenden B-Moviestars (“You ready for this, Bruce?” “I made a movie in Bulgaria. I’m ready for anything!”). Ein Brüller folgt dem nächsten. Freilich sind das nicht nur Seitenhiebe, sondern oft auch Frontaltreffer, aber für zarte Gemüter ist der Film ohnehin nicht gedacht, auch wenn sich die dargestellte Gewalt in Grenzen hält. Teuer war ’My Name Is Bruce’ sicher nicht. Abgesehen von einigen Enthauptungen und charmanten Gore-Gags, ist nicht allzu viel aus der Blutsuppe geschöpft worden. Vor allem aber gilt es, dem völligen Abhandensein diverser CGI-Spielereien zu applaudieren. No CGI, all rubber!
Letzteres vor allem in der eher bewegungslosen Visage des Bösewichtes (der übrigens durch den Film hindurch von zwei Gitarre-spielenden Hillbillie-Sängern in bester ’Cat Ballou’-Manier vorgestellt wird - ’Guan You, Guan Me, Guan Di’ - köstlich!). Dem antiken Zausel-Fiesling könnte der eine oder andere Spießgeselle vorwerfen, etwas unspektatkulär zu sein (ja mei, er köpft halt nur einen Haufen Backwood-People), mir gefiel der alte Knabe, seine rotleuchtenden Gummi-Augen und seine Säbel-Lanze jedoch wirklich sehr. (Und gebt’s schon zu, die ’Mumie’ ist auch nicht der Grund dafür, dass ihr ’Bubba-Ho-Tep’ so geil findet!).
Anspielungen auf letztgenannten und ähnliche Einträge, gut wie schlecht, aus der Vita des Bruce findet man hier wie Sand am Meer. Ob Schleimspritzen á la ’Alien Apocalypse’, das alte ’Brisco’-Kostüm, eine Kettensäge namens ’BC 5000’ oder wie schon erwähnt, Campbell-Companion Ted Raimi in einer Dreifach-Rolle als Agent, französischer Dorfmaler und chinesischer Wirrkopf-Fuzzie. Und wer hätte gedacht, dass Hillbillie Jake aus ’Evil Dead 2’ und der Stiernacken-Schmied aus ’Army of Darkness’ auf homoerotische Art und Weise zueinander finden und einen Gunstore im Outback eröffnen würden?

Give him some sugar, baby!

“Hey, Mr. Campbell. When you were in that pit in ’Army of Darkness’, how did you get your Shotgun back?”
“Ask the writer!”

’My Name Is Bruce’ ist Abrechnung, Hommage und fabelhaftes B-Movie zugleich. Soviel Spaß an schonungsloser Selbstironie täte auch manchem Akteur aus der höheren Preisliga ganz gut. Neben einer ulkigen Idee, amüsanten Szene-Cameos und großartigem Genre-Humor wird der Film vor allem von einem getragen:
Bruce Campbell.
Wenn auch ihr the Bruce verehrt, Fan von Genre-Filmen der spöttischen Art seid und euch nicht an Humor südlich der Gürtelschnalle stört, stimmt mit ein:
It ain’t nothin’ but the KING, baby!


Hudson