Mutant City


‘Das Ende der Zulunft hat begonnen’


Originaltitel: Yao shou du shi (1992)
Regie: Tai Kit Mak Drehbuch: Roy Szeto & Hark Tsui
Darsteller: Jacky Cheung, Roy Cheung, Leon Lai FSK: 16


“Du bist ein ekelhafter Perverser, der nicht fähig ist, Sex zu haben! Sowas wie du gehört ausgerottet!“
“Ausgerottet? Du bist ein Monster, ich werde dich vernichten!“

'Zottel-Kopf-Füßer mit dentaler Akne'

Die späten Neunziger: (Jedenfals laut Backcover!)
Hong Kong, die Perle Asiens, Herd von Verbrechen aller Art und Produktions-Stätte reichlich cooler Action-Streifen soll in Kürze an China zurückgegeben werden. Bis dahin wollen die sogenannten Reptoiden, bizarre Mutanten mit formwandlerischen Fähigkeiten die Stadt übernommen haben. Ken (Jacky Cheung, ’Bullett in the Head’) und Taki (Leon Lai, ’City Hunter’), Mitarbeiter des ’Anti-Repoid-Instituts’, sind den illegalen Aktivitäten dieser Wesen auf der Spur. Ken selbst ist zur Hälfte Reptoid und hat mit dem Misstrauen seiner Kollegen ein ganz eigenes Päckchen zu tragen (laut eigener Aussage ist er aber: “Uuuuunschuuuldiiig, verdammt!“) Als sich auch Taki in eine Reptoidin verliebt, beginnt ein Kampf gegen die Dämonen im Inneren, die Dämonen auf den Straßen, die Reptoid-Droge ’Happiness’, einen Maulwurf in den eigenen Reihen, ein Komplott zwischen scheinbar etlichen Fraktionen und nicht zuletzt die beinahe obszönen Farbfilter, die diesesm Werk beiliegen…

“Du willst also alles an dich reißen?“
“Ja, ich bin auf dem besten Weg dazu, Ihr habt alle von meiner Killer-Bowle getrunken!“

Basierend auf dem populären Manga ’Wicked City’, kommt ’Mutant City’ dann auch wie ein fleischgewordener Comic daher. Und wenn ich ’Fleisch’ sagen, dann meine ich auch ’Fleisch’!

Join the Joyride
Meterlange, groteske Extremitäten schießen über den Schirm, im Minuten-Takt verwandeln sich Menschen, Suppen und sogar Flipper-Automaten in absurde Monstrate, wie zum Besipiel in ein menschliches Motorrad, auf dem einer der Schurken am Ende des Filme dann tasächlich seine eigene wahnsinnige Stuntshow vollführt. Es gibt sogar einen Reptoid-Blob und ein Flugzeug, das (bis dahin natürlich mit einem Reptoid verwachsen) auf eine Wolkenkratzer bruchlandet.
Visuelle Spielereien bestimmten das Bild, Zeitlupen verlangsamen das Geschehen ununterbrochen, pyrotechnische Absurditäten, Video-Projektionen, groteske Verwandlungen und tausend Posen vermischen sich zu einem spektakulären Wahnwitz, während neon-farbene Tentakel im Schwarzlicht dazu im Takt schnippen.
Der Wind weht sogar in geschlossenen Räumen durch’s Haar der Protagonisten, die den Soundtrack (klimpernde Piano-Musik zu dramatisch säuselnden Pop-Stimmen) im eigenen Ohr zu hören scheinen. Schade nur, dass gerade der Sinn bei dieser Explosion der Sinne zurückbleibt und die sich redlich bemühenden Darsteller hoffnungslos in einem Wust von Grimassen und Akrobatik versinken.
Dies alles ist Trademark von Hong Kongs Erfolgs-Produzent und Regisseur Tsui Hark. Und Freunde dessen ’Chinese Ghost Story’-Trilogie könnten durchaus auch ihren Spaß an dieser hektischen Future-Noir-Variante finden.

Ergreifend

’Mutant City’ schöpft sowohl kinetisch (Martial Arts, Shoot-Ous mit Heroic-Bloodshed-Anleihen plus die diversen Mostrositäten), als auch emotional (Betrug, Verrat, Hass, Tod und Liebesszenen im strömenden Regen) aus den Vollen.
Wer hier allerdings begreifen will, was tatsächlich vor sich geht, müsste sich diese furiose Farce schon dreimal hintereinander anschauen, um sich erst einmal Stück für Stück gegen den visuellen Overkill zu immunisieren. Viel Glück.

Hudson