Die Frau mit der 45er Magnum


‘It will never happen again!’


Originaltitel: Ms. 45 (1981)
Regie: Abel Ferrara Drehbuch: Nicholas St. John
Darsteller: Zoë Lund, Albert Sinkys, Darlene Stuto FSK: ungeprüft


’Die Frau mit der 45er Magnum’ wird seinerzeit nicht gerade als Werbefilm für die Tourismuswirksamkeit New Yorks gegolten haben. Dass sich in den Straßen und Gossen dieses Hexenkessels der übelste Abschaum herumtreibt, wußte schon unser Freund Travis Bickle.

Schreien kann Thana nicht..
Entsetzliche Erfahrungen ganz anderer Art als der berühmteste Taxifahrer aller Zeiten, macht die stumme Thana, die zwar für einen einen exzentrischen Modedesigner arbeitet, jedoch einsam und zurückgezogen in einem Apartment lebt. Eines Tages wird sie auf dem Weg nach Hause vergewaltigt. Völlig verstört und am Boden schleppt sie sich nach Hause, wo sie direkt in die Arme eines Einbrechers fällt, der sie das gleiche Gewalt-Martyrium erneut durchleben lässt. Doch diesmal hat Thana die Gelegenheit, sich zu wehren, was für ihren Peiniger tödlich endet. Die Leiche wird in die Badewanne gepackt und mit einer Säge zerstückelt. Nun müssen nur noch die Einzelteile entsorgt werden. Doch auf der Suche nach geeigneten Entsorgungsplätzen, bei der Arbeit und überall sonst, bekommt sie immer wieder verdeutlicht, dass sie zum ’schwachen Geschlecht’ gehört.
Aber Thana hat jetzt eine Waffe und sieht nicht mehr ein, das hinzunehmen. Sie zieht auf einen ebenso gnadenlosen, wie ausweglosen Rachefeldzug gegen die Bestie Mann…

Eigentlich bin ich kein Freund des sogenannten ’Rape ’n’ Revenge’ Sub-Genres. Bei einem Regisseur wie Abel Ferrara kann man allerdings sicher sein, dass mehr dahinter steckt, als die blanke Sensationssucht des Exploitations-Gedanken.

...doch nutzt sie die
Waffen der Frauen...
Zwar ist auch sein New York voll mit widerlichem, menschlichem Abschaum, pöbelnden Pennern, brutalen Zuhältern, dreisten Stelzböcken und ruchlosen Banden-Mitgliedern, die geradezu darum betteln, eine Kugel zwischen die Augen verpasst zu bekommen, doch geht Ferrara viel weiter, als nur die Rache seiner Protagonistin zu zelebrieren. Diese wirkt sowieso nur kurzzeitig befriedigend, ahnt man doch schon von Beginn an, dass Thana niemals echte Gerechtigkeit widerfahren wird und ihr Seelenfrieden nicht wiederhergestellt werden kann (wenn ihre Seele überhaupt jemals wahren Frieden kannte). Immer mehr steigert sie sich in ihre Rolle der ultimativen Femme Fatale hinein, bis ihre Vergeltung bizarre Ausmaße annimmt und immer näher kommt Thana dadurch ihrem eigenen Verderben.
Dass solch ein Film nur mit einer guten Hauptdarstellerin funktionieren kann, ist selbstverständlich. Zoë Lund für diese Rolle zu verpflichten war ein cleverer Zug. Die Frau besitzt eine natürliche Ausstrahlung, die Verletzbarkeit, Traurigkeit und Unschuld vereint, um welche sie einige ihrer Kolleginnen beneiden dürften. Für die Rolle der ’Ms. 45’ ist diese Ausstrahlung Gold wert. Ihre Wandlung vom schüchternen Mädchen zur verführerischen Mordmaschine vollzieht sie nahezu perfekt. Es ist den Machern hoch anzurechnen, dass sich die Handlung komplett auf die Titelrolle konzentriert und nicht etwa noch einen ermittelnden Polizisten oder ähnliches in den Mix wirft.

..und ihre 45er!

Abel Ferrara ist mit ’Ms 45’ ein kleines Meisterwerk gelungen. Der Film hat den künstlerischen, wie inhaltlichen Anspruch und die Bildkraft von der andere Schocker dieser eher verabscheuungswürdigen Genre-Nische nur träumen können. Absolute Empfehlung nicht nur für Hardcore-Feministinnen!


Hudson