Night Warning

aka

Mrs. Lynch


‘She was lonely. He was all she had. No-one would take him from her - and live...’


Originaltitel: Night Warning (1983) Regie: William Asher
Drehbuch: Stephen F. Breimer, Boon Collins & Alan Jay Glueckman
Darsteller: Jimmy McNichol, Susan Tyrrell & Bo Svenson FSK: 18


Gut' Nacht Kuss für Ödipus
Schon dumm, wenn die Bremsen ausgerechnet bei der Abfahrt auf einer Serpentinenstraße versagen. Das kostet Billys Eltern das Leben. Von nun an wohnt der kleine bei seiner Tante Cheryl und die vernarrt sich so sehr in den Jungen, dass sie ihn auch nach vierzehn Jahren nicht mehr gehen lassen kann/will/darf. So ganz ist Billy damit natürlich nicht einverstanden, schließlich hat der Knabe gute Aussichten auf ein Universitäts-Stipendium und will auch mal an die heißen College-Miezen ran. Tante Cheryl nimmt diese Neuigkeiten schlecht auf und versucht ein einziges Mal ebenfalls einem Mann Avancen zu machen, ausgerechnet dem schwulen Klempner. Dieser weist sie jedoch ab und verhöhnt sie, was Cheryl noch schlechter aufnimmt und ihm kurzerhand das dickste Küchenmesser in den Rücken wemst. In diesem Moment steht auch schon Billy auf der Matte, dem Cheryl nun vorjammert, Super Mario hätte versucht sie zu vergewaltigen. Schnell wird eine Notwehr-Story für die Bullen einstudiert, die den beiden jedoch nicht wirklich glauben. Während Cop Carlson mit unlauteren Methoden in der Nachbarschaft herumschnüffelt, findet Billy mehr und mehr über die Vergangenheit seiner Tante heraus…

“Dann wollte er wissen, wie oft wir zwei uns geliebt haben.“
“Deine Antwort?“
“Das geht nur uns beide an.“
“Gut.“
“Und wieso treiben wir beide es nicht öfter. Billy liegt etwas an?“

"Go ahead, make my gay day."
’Mrs. Lynch’ heißt zwar gar nicht Mrs. Lynch, sondern Mrs. Roberts, doch das tut dem genauso spannenden wie psychopathischen und sich nach und nach aufrollenden Mysterium um Tante Cheryl keinen wirklichen Abbruch.
Hauptdarstellerin Susan Tyrell, die ihr Talent bereits in ’Fleisch + Blut’ unter Beweis stellte, zeigt auch hier wieder hysterische Psycho-Qualität und schlittert mit gekonnter Präzision immer genau an der Grenze zum Over-Acting vorbei.
Ein Highlight der fragwürdigen Art ist Bo Svensons (’Wizards of the Lost Kingdom’) Darstellung des homophoben, straighten ’No Bullshit’-Cops, der mit so viel Rotz auf der Zunge und Abscheu in den Augen daher kommt, dass das eher unlogische Ende dadurch fast schon gerechtfertigt wird.
Zudem punktet ’Night Warning’ mit einem Kurzauftritt von Bill Paxton (’Aliens’) als Basketball-Bully, ein paar fiesen Kills (die dank Scherenarbeit in der deutschen Version verschwunden sind) und einem subtilen Score auf, der fast an klassische Suspense-Schinken und B-Filme der Fünfziger Jahre erinnert.

“Das Opfer war schwul, der Trainer ist schwul und der Junge ist es auch. Er ist ohne Vater aufgewachsen. Nur Weiber drumherum. Der klassische Fall.“

She's one sick mutha

Yeah, right. Trotz all dem verpeilt-homophoben Gequatsche ist ’Night Warning’ ein verquerter, aber nicht verkehrter Psycho-Horror irgendwo zwischen einem Slasher, ’Serial Mom’ und einer ’Columbo’-Folge, in der Columbo im Urlaub ist und durch einen miesen Schwulenhasser ersetzt wird. Fans von solcherlei Geschichten können sich das gut und gerne ansehen.


Hudson