Monster aus der Tiefe


‘Buried in the mud of countless centuries - something has begun to grow...’


Originaltitel: Monster (1979)
Regie: Kenneth Hartford & Herbert L. Strock Drehbuch: Kenneth Hartford, Herbert L. Strock, Walter Roeber Schmidt & Garland Scott
Darsteller: James Mitchum, John Carradine, Anthony Eisley FSK: ungeprüft


“Die Geschichte diees Films basiert auf Tatsachen. Der Vorfall ereignete sich im Juni 1871 in Kolumbien.“

Man muss schon zugeben, dass dies eine gewagte Behauptung ist, bedenkt man den Titel des vorliegenden Films und sein Cover (ja, schaut’s euch ruhig nochmal an).
Bei ’Monster der Tiefe’ geht’s um folgendes:

Der eine lässt's
über sich ergehen...
Ein US-amerikanisches Zementwerk in Kolumbien steht in der Schusslinie. Einheimische Umweltschützer beschuldigen die Macher der Verschmutzung lokaler Gewässer, die Medien, in Form einer neugieren Reporterin steigen ein und berichten “Das Verschmutzungsproblem nimmt internationale Formen an.“ (whatever that means!?). Werkleiter Travis brennt die Mütze. Schnüffler Pete, auch der örtliche Stecher aus Leidenschaft, soll die Vorgänge untersuchen und hat nebenbei noch mit der Sage um ein Monster zu tun, das sich im See herumtreibt und vor Jahren den Mann einer ansässigen Hexe verspeist hat. Diese Hexe (die gar keine ist, ich entschuldige mich für die Verwirrung) wird übrigens in einem völlig überflüssigen Sub-Plot von einem wilden Mob mit Fackeln und Frankenstein-Mistgabeln/Rechen/Harken/Hacken/Dreschflegeln gejagt und von John Carradine exorziert. Plötzlich gibt es wieder eine schrecklich zugerichtete Tote, ausgerechnet Petes blonde Ex-Ische wird zerkaut am Strand gefunden. Die Schuld wird erst einmal in Richtung ’Radikaler Umweltschützer’ geschoben, aber das geht nicht lange gut, da die dentalen Befunde einfach nicht übereinstimmen dürften. Wir wissen natürlich längst, dass es tatsächlich ein Monster gibt (siehe Titel und Cover), doch bevor das auch die Protagonisten raffen müssen nch einige Menschen sterben…

Bloß gut. Hier gibt es nämlich viel zu viel davon.

Der andere lässt's raus...
Im Ernst. Schon in den ersten 10 Minuten werden unzählige Figuren vorgestellt, die einfach nix zu tun haben und wenn doch, dem Film damit in keiner Weise dienen. Sie reden, streunern herum, geben Interviews, streiten, und lauschen kolumbianischer Volksmusik, während hin und wieder das Monster kurz auftaucht und uns zum Lachen bringt. So macht man doch kein Monster-Movie Leute!
Es passiert einfach nix. Wenn das Biest sich mal bliccken lässt, schaut es beim Angreifen seiner Opfer aus, wie das Krümelmonster beim Kekse fischen. Ich habe auch das böse Gefühl, dass die paar ansehnlichen Szenen, die es gab, in der deutschen Fassung (mit einer unglaublichen Freigabe ab 18) herausgeschnitten wurden. Dafür ist aber die deutsche Synchro stellenweise sehr unterhaltsam. Vor allem, wenn es ans Übersetzen kolumbianischer Handlanger geht (“Das kannsu deina Grrrroßmudderrr errrzählen!“)
James Mitchum hat zwar die Hälfte des Gesicht-Profils seines Vater geerbt, kaum aber dessen Talent. John Carradine macht sich einmal mehr zum Deppen und alle anderen sowieso. Zum unspektakulären Finale springt er vom Hubi in den See und taucht nach einer Stange Dynamit (während sein Kumpel, ein kolumbianischer Polizist mit Riesenschnäuzer) das Ungeheuer mit einem Beiboot umkreist, das Ruder auf das Vieh richtet und immer wieder “Arrrrh! Arrrrh!“ schreit. Es wirkt: Die übrig gebliebenen Protagonisten, die am Ufer versammelt stehen, klatschen und jubeln.

“Es war wie ein breiter Rücken eines mächtigen Tieres. Vielleicht wie der Rücken eines ausgewachsenen Elefanten. Keine Ahnung was es war, aber ich hab’s gesehn. […] Sie glauben mir nicht, nicht wahr?“
“Tja, wer glaubt schon so einfach Geschichten von Haien und Monstern und Elefanten in Seen.“

"Aber wir alle denken dasselbe: Was für'n Scheiss!"

Na jedenfalls die Macher dieses Filmes, der schließlich auf Tatsachen basiert. Was ich übrigens immer noch bezweifle, nicht etwa, weil ich nicht an riesige Trash-Monster glaube, die gern Jungfrauen vom Badetuch naschen, sondern weil sogar ’wahre Tatsachen’ selten so langweilig sind wie dieser Streifen. Hier passiert einfach nix, das 80 Minuten Durchhalten rechtfertigen würde. Als Alternative empfehle ich also einen Spaziergang zum See in eurer Nähe oder den weitaus unterhaltsameren Wassermonster-Trasher ’Hydra’.


Hudson