Mördersaurier


‘Today's most astounding adventure...
that started a million years ago!’


Originaltitel: Dinosaurus! (1960) Regie: Irvin S. Yeaworth Jr.
Drehbuch: Jack H. Harris, Dan E. Weisburd & Jean Yeaworth
Darsteller: Ward Ramsey, Paul Lukather, Kristina Hanson FSK: 12


Look what the tide dragged in!

Es war einmal, vor vielen, vielen Jahren, weit, weit entfernt, im Pazifik… *
Auf einer Insel, die höchstwahrscheinlich zu kapitalistischen Tourismus-Zwecken von US-amerikanischen Unternehmern ausgebaut werden soll, entsteht eine Hafenanlage, bei deren Errichtung man auf zwei perfekt erhaltene Dinosaurier (T-Rex & B-Ronto) und einen Höhlenmenschen im Frostzustand stößt. Als die drei Viecher vom Blitz getroffen werden erwachen sie zu neuem Leben und machen sich auf, das Inselparadies zu erkunden. Während der T-Rex Hafenarbeiter verknuspert, freunden sich Bronto und Urmensch mit dem Jungen Julio und der blonden Betty an. Aber der gierige Widerling Hacker versucht mit seinen Handlangern Profit aus der Situation zu schlagen und verschlimmert die Lage nur noch...

Uh oh...

“He’s here! Sound the alarm! Dinosaurus!“

Jaaa, bimmelt herbei die Massen! Die müssen sich diesen hochgradig käsigen Schund selbst anschauen, um ihn zu glauben. ’Mördersaurier’ ist Hohlbirnen-Vintage-Trash wie er im Buche steht, schön cheesy inszeniert und mit dem Charme einer 20 Jahre alten Schuhsohle versehen, die der Hausköter zwischen die Zähne bekommt. Und wir kucken verblüfft zu.
Ich verlasse an dieser Stelle, dem Film huldigend, die kohärente Textform und mache euch den Showmaster (denkt euch die quirlige Walter Freiwald-Gedächtnis-Mucke jetzt bitte selbst dazu!).

Sehr geehrtes Publikum, darf ich ihnen vorstellen:

Der Urmensch:

Hohe Stirn, geschwellte Brust, primitve Mode, Abneigung gegen Wachsobst. Er blüht erst so richtig auf, wenn er einem feindlich gesinnten Übeltäter eine Torte ins Gesicht hauen kann oder im Geräteschuppen eine Axt und in der Damengarderobe ein Kleidchen findet (das er sich natürlich unverzüglich überstreift). Trotz aggressivem Gebahren ein netter Zeitgenossen, wenn man sich auf sein Uga Uga-Niveau herabgelassen hat.

Die Dinos:
(Die tatsächlichen Kreaturen können geringfügig von der Abbildung abweichen)

Für ihr Design war Marcel Delgado verantwortlich. Dessen Vita liest sich zwar wie ein Referenz-Verzeichnis voller Genrefilm-Klassiker (’The lost world’ 1925, ’Graf Zaroff’, ’King Kong’ 1933, ’Das zauberhafte Land’, ’Mary Poppins’, ’20.000 Meilen unter dem Meer’, ’Die Phantastische Reise’ say, what?!), doch die von ihm hier kreierten Geschöpfe erinnern eher an krude Mollförmchen-Tests aus dem Sandkasten. Stop Motion sah selten unbeeindruckender aus. Und manchmal haut das noch nicht einmal mit dem Motion-Part hin. Da wird einfach die Gummirübe gegen den Felsen gedroschen. Man lacht, doch man weiß, es hätte besser laufen können (laut imdb hatte Delgado trotz zugesicherter 6 Wochen, nur 14 Tage Zeit, um die Viecher zu fertigen).

Attaboy Julio:

Der Grund dafür, dass der Film ab 12 Jahren freigegeben und familientauglich ist. Pack so einen Nutellafratz in deinen Streifen, lass ihn einem Höhlenmenschen das Essen mit Besteck beibringen und auf einem Brontosaurier reiten und du hast die Massen in der Tasche. Die Kinder können ihrer Fantasie frönen, Mami schaut sich am Uga-Uga satt und Papi glotzt auf den Ausschnitt der Heldin.

Die Heldin:
(Montage out of context. Please don't sue.)

Sie ist nett und blond. Als der Urmensch ihr einen Stock mit Fleisch vor die Nase hält, fragt sie instinktiv “You want me to cook it?“. Hauptbeschäftigung in Gegenwart von Raubsauriern: Kreischen und Wegrennen. (Sie schafft es sogar, bei der ersten Begegnung mit dem T-Rex UNTER WASSER in Ohnmacht zu fallen!) Zugegeben, letzteres würde auch in mein Verhaltensschema passen, aber die hier verantwortlichen Herren hätten wenigstens versuchen können, ihren Chauvinismus zu verstecken. Brünett hätte schon gereicht.

Der Bösewicht:

Ist zu dämlich, einer Flasche den Boden wegzuhauen, um mit dem Rest sein Gegenüber rockermäßig zu bedrohen. Hat trotz amerikanisch klingendem Namen einen merkwürdigen Akzent, was entweder auf Rassissmus seitens der Macher oder einen weiteren Fauxpas schließen lässt. Zuzutrauen wäre der Produktion beides.

Der Held/Die Helden (?):

Leute, hier verlassen sie mich. Ich kann mich an eine handvoll heldenhaft dreinblickende Squarejaws erinnern. Einer kämpft im Finale sogar im Bagger gegen Kollege T-Rex. Aber ganz im Ernst: Hängen bleiben kann keiner der Herrschaften. Für die Hauptrolle war ursprünglich Steve McQueen vorgesehen (erneuter Dank an die Trivia Sektion der International Movie Database), aber der hatte sich mittlerweile zur Diva entwickelt. Also holte man sich eine handvoll No Names ins Boot. Qué será, será.

'Mördersaurier':

Kommt bei der Kritik (Fanboys und Profis gleichermaßen) fast ausnahmslos schlecht weg. Nur unverbesserliche Trash-Nostalgiker wie unser Spooner halten den Streifen in hohen Ehren. Ich selber erkenne den Reiz an diesem Streifen. Das ist eine rein mathematische Sache: Hahnebüchene Effekte + lächerliche Story – Budget / Potential + Quark² = Funtrash für unverbesserlich unbedarfte Sülznasen und Flausköpfe.
Aber ich war schon immer eine Niete in Mathe und einige Komponenten dieser Gleichung könnten entweder falsch oder einfach falsch sortiert sein. Nagelt mich also nicht drauf fest, sondern nagelt lieber die Kronkorken von den Flaschen und lacht euch eins. Oder zwei. Höchstens drei.


* Es sei denn, ihr wohnt im Pazifik. Dann ist es natürlich nur ein Katzensprung.


Hudson