Der Mörder-Alligator



Originaltitel: Killer Crocodile (1989)
Regie: Fabrizio De Angelis Drehbuch: Fabrizio De Angelis & Dardano Sacchetti
Darsteller: Richard Anthony Crenna, Ann Douglas, Ennio Girolami FSK: 16


Stellt euch mal folgendes Szenario vor:

Ein kleines Mädchen spielt sorglos mit ihrem roten Ball auf einem Steg. Plötzlich (jedoch nicht ganz unerwartet, denn dies ist ein Tier-Horror-Film mit einem Mörder-Alligator) taucht besagtes Krokodil unter dem Steg auf, knabbert die Stelzen ab und lässt so die Sektion, auf dem bis eben noch Mädchen und Ball hüpften, schräg ins Wasser gleiten. Am oberen Ende der Schräge hängt nun das arme Ding und versucht sich verzweifelt, vom schnappenden Mörder-Alligator fernzuhalten.
Nun will es der Zufall, dass ihr gerade in der Nähe seid. Wie würdet ihr handeln?

Falsch gewählt!
a.) Zu Hilfe eilen und das Mädchen von einer (einigermaßen) sicheren Position auf dem noch intakten Teil des Steges nach oben ziehen?
b.) In einer naheliegenden Kneipe sitzen und rufen “Da muss doch was passiert sein!“
c.) Euch direkt neben das Mädchen an das poröse, halb abgebrochene Brett hängen und versuchen es hochzuschieben?
d.) Ins Wasser springen und mit einem Stock auf das Krokodiel einschlagen?

Okay, versuchen wir mal für einen Moment ernst zu bleiben und lassen der Vernunft einen kleinen Vorsprung vor den Flausen: Ihr würdet natürlich Option a.) wählen, da dies die einzige ist, die nicht völlig bescheurt ist. Muss ich extra erwähnen, dass Option a.) die einzige ist, die im Film ’Der Mörder-Alligator’ NICHT zur Verfügung steht?

Dat Rambomesser nutzt nix!
Wen wundert’s, ist dieser Film doch voll von Schwachsinnigkeiten, den urschleimigsten Genre- Klischees und Charakteren, denen man ein Praktikum als Kroko-Dentist mehr als wünscht. Die Story hier ausschweifend zu erläutern, wäre eine Verschwendung meiner und eurer kostbaren Zeit. Es sei gesagt, dass ein (durch radioaktive Abfälle mutiertes) Krokodil einen Sumpf unsicher macht, in dem Menschen eigentlich sowieso nix zu suchen hätten. Mit Ausnahme von den obligatorischen Tier-Horror Figuren, nämlich dem Umweltverschmutzer selbst, einem hartärschigen Croc-Hunter mit Schnurrbart und Panama-Hut und (Kotz the Magic Dragon) die Umweltschützer, die mit der Idee vom Riesenkrokodil, das in irgendeiner Ecke irgendeines beschissenen Sumpfes heranwachsen könnte, geradezu verheiratet sind.
Was man sucht, findet man auch irgendwann. Hier ist es eine gigantische KrokoAtrappe mit schickem Riffel-Karo-Muster, das Menschen frisst und gelegentlich (beinhahe einem Delphin gleich) nur auf dem Schwanz durch’s Wasser juckelt. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, wie das Ding es fertig brachte, ein 4 Meter hohes Boot zu begatten.

Let’s do the Math:
Below-Surface-Level-Einstellungen: En Masse!
’Jaws’-RipOff-Score: Tatsächlich!
Nervige Greenpeace-Sprüche: Ooooooh ja! (“Wir wollen nicht, dass sie es töten.“ “Es ist das einizige seiner Art.“ “Für die Wissenschaft ist das von unschätzbarem Wert.“)
Klischee Tierhorror-Ende mit Ei, aus dem ein neues Biest für Teil 2 schlüpft: Und ob!

Themenpark-Testperson ist ein gefährlicher Job, voller Herausforderungen.

Fazit: Befremdlich, dass ein Alligator einen ’Mörder’ Titel verpasst bekommt, sei er noch so wild. Denn Mord ist per Definition ja vorsetzlich. Und das kann man nicht dem Tier, möglicherweise aber den Machern im direkten Bezug auf diese Grütze von einem Tierhorror-Exemplar andichten.


Hudson