Mortal Kombat


’Nothing In This World Has Prepared You For This.’


Originaltitel: Mortal Kombat (1995)
Regie: Pail W. S. Anderson Drehhbuch: Kevin Droney
Darsteller: Robin Shou, Bridgette Wilson, Christopher Lambert FSK: 16


„MORTAL KOMBAT!“ schrie es uns damals aus dem Kinolautsprecher entgegen. Ich erinnere mich noch, als ob es gestern wär. Vor, Vor, Zurück, Feuer!

Auf den Hut gekommen:
Donnergott Raiden
Als Fan der Spielreihe musste ich den Film natürlich sehen. Was ich damals davon hielt, weiss ich heute nicht mehr. Aber der Film ist in meiner Achtung über die Jahre stark gefallen. Dabei ist das ’Story’ des Spiels denkbar simple und ebenso funktionstüchtig, wurde es von seinen Schöpfern anno ’92 doch vom Bruce Lee Klassiker ’Enter the Dragon’ inspiriert.
Alle Jubeljahre, lädt der finstere ’Outworld’ Zauberer Shang Tsung die besten Kämpfer der Erde auf seine geheimnisvolle Insel ein. Neun mal hat er das ’Mortal Kombat’ Turnier schon gewonnen. Beim zehnten Mal, soll ihm und seinem Herrscher die Welt gehören.
Das kann Menschenfreund und Donnergott Rayden (Christopher ’Silberblick’ Lambert) natürlich nicht zulassen. So trommelt er den Shaolin Mönch Liu Kang (Robin Shou), der aufgrund des Todes seines Bruders mit Buddha gebrochen hat; die hartgekochte Polizistin Sonya Blade (Bridgette Wilson), die sich mit ihrer dicken Shotgun gerne mal durch Discos peitscht und auf alles schiesst, was verdächtig aussieht; und den erfolgreichen Martial Arts Star Johnny Cage (Linden Ashby), der nur Ärger mit Komparsen und der Presse hat, zusammen.
Sie checken auf einer gespenstigen Barke ein, in der wir auch gleich die erste MK-Verwurstung 3er Ikonen der Spiele miterleben müssen: 1. Der Acid Pool, im Rumpf des Schiffes, ohne Acid…sehr sinnvoll. 2. und 3. Sub Zero und Scorpion. Die beiden Nasen sind laut MK-Lore Todfeinde, arbeiten hier aber zusammen (unfassbar und, nein, die knappe Erklärung von Tsung tut garnix zur Sache).
Auf der Insel angekommen geht es dann gleich zur Sache. Die Kämfe sind weder gut choreographiert, noch besonders ’mortal’. Der rote Lebenssaft, der die Games so berühmt/berüchtigt machte, wurde komplett weggelassen. PG-13 nennt man das in den Staaten,damit auch alle Kiddies was von dem Film haben (das Spiel selbst hatte ein M-Rating -ab 17- nur zur Info).

Messer-Jocke Kano
ist auch dabei.
Nee, das war wirklich nix, Mr. Anderson. Der Videospielverwurster hat eines der legendärsten Games genommen, das auch noch eine wirklich brauchbare Lore mit interessanten Charakteren (für den Game-Bereich) aufweisen konnte und es zur Schnecke gemacht.
Weder die Schauspieler, noch die Action kann ich hier loben. So ist Linden Ashby wahrlich kein Fighter und der gute alte Cary-Hiroyuki Tagawa gibt die x-te Version seines Fiesel&Bösel-Alter Egos zum besten (Shang Tsung war im 1. Spiel eh ein alter Zausel). Lambert als Rayden zu besetzen hielt Anderson wohl für einen besonders genialen Streich, dem ist aber nicht so...Fehlbesetzung pur!
Wenn ich daran denke, dass eigentlich Brandon Lee (der ja bekanntlich vorher umkam) den Johnny Cage und Cameron Diaz (dies sich ’nen Knöchel verstauchte) Sonya Blade spielen sollten, kann ich nur traurig mit dem Flauskopp schütteln.
Auch die CGI Effekte sind sehr dürftig, der animatronische Prinz Goro hingegen sehr anständig animiert. Die Sets reichen vom schicken paradiesischen Strand (wo war der gleich im düsteren MK?) bis zu Scorpions ’NetherRealm’, der sich hier in einer alten, rotausgeleuchteten Turnhalle befindet und mit billigen Schädelattrappen gepolstert wurde. Das (im englischen) ein paarmal ausgesprochene ’Finish Him’ von Shang Tsung klingt so langweilig dahergesagt, dass spätestens jetzt alle Fans abschalten
Dialoge sind zwar dem B-Movie Charakter des Spiels angepasst, aber das ewige: „Du musst dich deiner Angst stellen.“ geht schon bald auf den Mortal Keks.
Die Inkonsequenz in der Darstellung der Charaktere ist ebenso nicht zu fassen: Erst spielt Sonya Blade die Harte, die alles, aber auch alles einsteckt und am Ende heult und schreit sie rum, nur weil Shang Tsung ihr an den Haaren zieht.
Ein Hammer sind auch die beiden Bodybuilder, die bei jedem Fight am Rand stehen, wild rumbrüllen und sich dabei in die Augen stieren…sweet!
Auf der Habensseite: Der Ballbreaker-Trademark von Johnny Cage, Liu King vs Reptile (inklusive Bicycle Kick, aber leider ohne typischen Hühnchenschrei) und die sehr passende Technomucke mit ’Test your Might’ Geflüster und ’MORTAL KOMBAT’ Schreien (echt jetzt, die fetzt :). Setzt mal orchestrale Musik ein, ist diese auch recht stimmig, das muss man dem Film schon lassen.

"Wer hatte toten Kung Fu Mann bestellt?"

Schade, die Spiele und deren ’Lore’ gaben einiges her. Paul W(elches) S(cript?) Anderson hat somit seinen Genre-Einstieg gründlich vermasselt. Aus dem Stoff hätte echt was werden können. Für den Fan eine Schande, für Otto Normalzuschauer ok. Aber der leidet dann wahrscheinlich unter der westlichen Krankheit, die schon der Shaolin Opi vom Anfang ansprach: „Zu viel Fernsehen!“ … Flawless Victory? Nö!

Nool