Phantastische Reise zum Mittelpunkt der Erde


‘Incredible adventures in a fantastic world!’


Originaltitel: Viaje al centro de la Tierra (1977) Regie: Juan Piquer Simón
Drehbuch: Jules Verne, John Melson, Carlos Puerto & Juan Piquer Simón
Darsteller: Kenneth More, Pep Munné, Ivonne Sentis FSK: 12


“Martha, we’re going on a journey. A journey to the center of the earth.“
“In that case I wont need to pack your umbrella.“

Und hey, kaum sind diese Worte ausgesprochen geht’s auch schon los. Diesen Aktionismus lobe ich mir. Kein langes Rumgelaber und Vorgeplänkel, rein in die Hosenträger und ab in die vulkanischen Tiefen Islands. Die Expeditionsteilnehmer auf den Spuren der codierten Botschaften eines gewissen Saknussem sind Prof. Otto Lindenbrock, sein Handlanger Hans, seine Tochter Glauben und ihr Verlobter Axel (enough with the silly kraut names, already!).
Es ist das Jahr 1898, die Technik begeistert noch nicht und es wird nach Vorlage von Jules Verne gehandelt. Nach langwierigem Abstieg gelangt man zunächst in die Gesellschaft des mysteriösen Olsen und schließlich in ein geheimnisvolles Land unter der Erde. Wo das helle Tageslicht in diesen gigantischen Höhlen immer herkommt wird in solchen Filmen entweder gar nicht oder hanebüchen pseudowissenschaftlich (sprich falsch) erklärt. Tut auch nichts zur Sache, hier gibt es Pilzwälder, einen gewaltigen Ozean, den man mittels Floß (Pilzholz?) überquert, gigantische Gummisaurier, Riesenschildkröten, einen Knochenfriedhof und King Kongs kleinen Bruder…

Prince Kong

Regie führte Juan Simon Piquer, der Flausenfreunden bereits als Macher von Extrabreit-Trash wie ’Slugs’, ’Sirene 1’ und dem Slasher ’Pieces’ ein Begriff ist. Schon in Piquers Regiedebüt von 1976 finden sich dessen spätere Trademarks wieder: Knappes Budget, viel Fantasie, wenig Geschick in der Umsetzung.
Charakterbezogene Konflikte sollte man hier ebenso wenig erwarten, wie ambitioniertes Schauspiel oder überzeugende Trickarbeit. Dafür gibt es jede Menge FX-Cheese und gestelztes Dialog-Gedöhns, wie ein tagebuchartiges Voice Over (“From the moment of its launching, the raft had proved that it could sail beautifully. To the great satisfaction of everyone.“) Der Film ist halbwegs unterhaltsam, doch wirkliche Spannung oder echtes Erstaunen kommen bei ’Phantastische Reise zum Mittelpunkt der Erde’ niemals auf.
Wieder einmal ist hier die Entwicklung der weiblichen Protagonistin zu belächeln. Zunächst wird die Dame als taffes, eigenständiges Huhn dargestellt, wie üblich in solchen Filmen, schließlich muss die Olle ja mit auf die gefahrvolle Reise, nur um im weiteren Verlauf zum Küken degradiert zu werden, das mit schwülstigem “Oh Axel!“, unterwürfigem “I promise! I promise!“ und schluchzendem “Onkel Otto! Onkel Otto!“ Feministinnen zur Weißglut treiben wird.

Das Level kenn ich doch aus 'Super Mario Bros 3'!

Die ’Phantastische Reise zum Mittelpunkt der Erde’ beschreibt nicht viel mehr als das Abklappern diverser Wegpunkte und Genre-Klischees durch ihre leidlich sympathischen Protagonisten. Wenn zum Finale die obligatorischen Archivaufnahmen eines Vulkanausbruches über den Schirm sprudeln, können selbst noch so abgebrühte Fantasy-Abenteuer-Aficionados nicht mehr leugnen, dass das Prädikat ’phantastisch’ hier nur im ganz rudimentären Sinne zutrifft.


Hudson