Minotaurus


‘Curse the god. Slay the beast.’


Originaltitel: Minotaur (2006) Regie: Jonathan English
Drehbuch: Nick Green & Stephen McDool
Darsteller: Tom Hardy, Michelle Van Der Water, Tony Todd FSK: unbekannt


Es war einmal, vor langer, langer Zeit, auf der Insel Kreta.

Heut wird angegrillt.
Trotzdem die Epoche im Bronzeschein schimmerte, fehlte den Menschen einfach das gewisse Etwas. Um dies zu ändern, ließen sie den Gott der Hörner und Paarhufer eine Dame edlen Geblüts schwängern. Nach 13 Monaten war es soweit: Der Abkömmling dieses göttlichen aber unheiligen Aktes wurde der Muter aus dem Körper geschnitten. Das Kind war ein Mischwesen aus Mensch und Kuh, genannt Minotaurus, und ihm wurde eine sehr schöne Heimstatt unterhalb des königlichen Palastet errichtet. Ein Labyrinth aus Kerkern und Stollen, schick verziert, mit allerlei Kram, auf den schnell heranwachsende Monster-Babies wohl abfahren. Das Kind kam ganz nach dem Vater und entwickelte bald einen Geschmack für Menschen-Opfer. Um seinen Blutdurst zu stillen, ruderten die Männer Kretas alle Jubeljahre übers Meer zu einem kleinen Dorf, aus deren Reihen acht Jugendliche gerissen wurden. Als einziger verschont von dieser Lotterie war Theo, der Sohn des Dorfältesten, der später selbst zum Anführer aufsteigen sollte. Alle anderen teilten regelmäßig das Los in der Futterkrippe des Biestes. So auch Theos Angetraute, was den Guten sehr, sehr traurig machte. Als eines Tages, es war kurz vor der nächsten Entreißung durch die Horden Kretas, eine alte Leprakranke Theo zu sich rief, um ihm mitzuteilen, seine Geliebte sei noch am Leben, fasste der junge Mann einen Plan. Er würde sich mit nach Kreta entführen lassen, um den Dingen auf den Grund zu gehen, und wenn möglich das Biest töten und seine Herzdame retten…

Um den Stier zu bezwingen
muss man selbst stieren!
Die Legende um den berühmten Minotauraus, der von König Minos auf Kreta im unterirdischen Labyrinth versteckt und mit Jungfrauen gefüttert wurde, ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Also, zuerst einmal: Es mussten gar keine Jungfrauen sein! Bereits begattete Damen oder sogar Herren jüngeren Alters taten es auch.
Zweitens: Die Kretaner (? Kretins?) waren keine stolzen Griechen, sondern dunkelhäutige, maskierte Heiden, die nicht etwa unter König Minos, sondern unter dem hedonistischen Hohepreister Deucalion (Tony ’Candyman’ Todd), einem Gas-aus-Stierschädel-schnüffelnden Megalomaniac, wirkten und lebten.
Drittens: Papa Bull-Gotts Gene waren einfach zu stark, um der Kreatur ein Stückchen Menschlichkeit zu gestatten. Der vierbeinige, sabbernde Kampfkoloss (der trotz seines riesigen Leibes blitzschnell durch die eigentlich viel zu kleinen Gänge huschte), war nur auf Blut aus, ohne wahrscheinlich zu wissem, warum.
Und schließlich war Theseus, der Held der Geschichte, kein edler Prinz, sondern ein Bauer namens Theo, Sohn des Stammesführers (Rutger Hauer), der sich äußerlich an den späten Waldläufern Mittelerdes orientiert, jedoch weder deren Mut noch Einfallsreichtum besaß. In einer finsteren Welt, die eher an das hyborianische Zeitalter eines ’Conan’, als die schicke griechische Antike erinnerte, wurden im Fackelschein Dörfer geplündert, durch Paläste scharwenzelt und modrige Höhlen nach einem Monster durchforstet.

Unsere Moderatoren wurden
ausgestattet von Kobra Khan.
Man könnte ’Minotaur’ auch als ’Erik der Drachentöter schleicht durchs Todesjäger Universum’ bezeichnen. Im Herzen ist der Film ganz klar ein Barbaren-Schinken. Da aber Tony Todd hier der einzige ist, der mit freiem Oberkörper duch die Gemäuer schleicht und kein einziges Dorf abgefackelt wird, will ich ihm dieses Prädikat nicht ohne weiteres zugestehen. Zumal hier auch mit Versatzstücken aus ’Herr der Ringe’, den ’Alien’-Filmen und den Teenie-Slashern der letzten Dekade herumgespielt wird.
Der Film konnte meine Aufmerksamkeit durch schöne Musik, stimmungsvolle Bilder und erstaunlicherweise exzellente Effekte (vor allem bei der Titel-Figur, welche zu gleichen Teilen mittels praktischer Effekte und CGI zum Leben erweckt wurde) halten, bis dann die (allzu klischeehaften) ’Opfer’ in die Grube des Grauens versenkt waren und der Film für eine lange Zeit zur x-ten Ausführung der ’Leute werden von Monster durch Flure gejagt’-Thematik wechselte. Da sich der Film zudem leider viel zu ernst nimmt und mit dem Titelmonster und (was beinahe noch ärgerlicher ist) mit dem recht lieblos wirkenden Labyrinth einfach zu wenig angestellt wird, kann man dieses eher lahme Drittel auch nicht einfach außer Acht lassen. Schade eigentlich, denn die Zeichen standen durchaus für den Film.

"Muuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuh..."

’Minotaur’ kann sich, trotz durchsetzbarem Unterhaltungswert und schicker Optik, nicht der Klischee-Ketten entledigen und verweißt sich damit selbst in die Reihen des Genre-Durchschnitts. Monster- und Fantasy-Fans dürften sich daran nicht unbedingt stören. Einmal anschauen ist durchaus gestattet!

Hudson