Milly... und sowas nennt sich seine Mutter


‘Mommy's home and she's steaming mad!’


Originaltitel: Murder in Law (1990)
Regie: Tony Jiti Gill Drehbuch: Stephen Carter & Tony Jiti Gill
Darsteller: Marilyn Adams, Joe Estevez, Sandy Snyder FSK: 18


Mütter sind schon was tolles.

In Millys Hand wird auch
ein Besenstil zur Mordwaffe
Sie sind stets besorgt um das Wohlbefinden ihrer Kinder und kümmern sich um alles, ob sie nun sollen oder nicht. Milly ist so eine Frau. Leider sitzt sie seit einigen Jahren in der Klapse ein und das zurecht. Die Alte hat sie nicht mehr alle, ist schizophren, gehässig und gewalttätig obendrein. Als sie keine Lust mehr auf die Geschlossene hat, packt sie ihre Koffer und nimmt Reißaus. Der lästige Anstalts-Fuzzi, der sie daran hindern will, bekommt einfach einen angespitzten Besenstiel zwischen die Rippen und gut ist.
In der Villa des wohlhabenden Sohnemanns angekommen, muss die Ausrede “Ich war 10 Jahre lang in Frankreich!“ herhalten, das reicht, um den treudoofen Spross zufriedenzustellen. Dessen Frau ist wenig begeistert von der Situation und auch Schwiegermutti hat nichts als Abscheu für die Gefährtin ihres geliebten Jungen übrig. Die beiden Kinder haben vorerst keine Meinung zum neuen Familienmitglied, doch schon bald bricht die Xanthippe einen Psycho-Krieg vom Zaun, durchwühlt die Zimmer, tötet die Katze und bearbeitet das Hausmädchen mit dem Bügeleisen…

Grandma Death
Anfangs dachte ich noch: So sehr ist mir lange kein Film mehr auf den Sack gegangen. Dürftige Optik, zweitklassige Schauspieler (unter der Führung von Joe ’Mache alles mit!’ Estevez), ermüdendes Synthie-Geleier und die olle Home-Invasion-Thematik kam mir auch schon reichlich bekannt vor. Doch siehe da: Wunder geschehen und das Konzept des Films ging tatsächlich auch auf dem Bildschirm auf. Zwar blieben die Darstellungen auf unterdurchschnittlichem Niveau, doch wenn sich die Ereignisse erst einmal zuspitzen, hat man keine Zeit mehr, an Schauspiel, Musik und Beleuchtung herumzumäkeln. Zumal es bei ’Milly’ auch einiges zu Lachen gibt (mal abgesehen von den pinkfarbenen Hosen, die Joe Estevez hier aufträgt). In einer Szene zB. begegnet der Sohn nach einem Schäferstündchen mit der feschen Haushälterin seiner Mutter und es kommt zu folgendem Dialog: “Todd, ist Carmen gekommen?“ “WAS?“ “Ist Carmen heute zur Arbeit gekommen.“ “Achso.“
Da kann es inmitten einer spannungsgeladenen Katz & Maus-Slasher-Jagd durch’s Haus auch schonmal dazu kommen, dass eine Cremetorte im Gesicht der irren Mama landet und im nächsten Moment dem Boyfriend der Enkelin der Waschbrettbauch ausgeweidet wird.

Jetzt gib ihr schon das Alpecin!

Fazit: ’Milly’ ist recht spannender Schabracken-Terror der preisgünstigen Art und ein C-Film, der was draus macht. Ist man erst einmal durch die wenig kostspielige Oberfläche gebrochen, steht dem handfesten Thriller-Vergnügen nichts mehr im Wege.


Hudson