Million Dollar Baby


Beyond his silence, there is a past. Beyond her dreams,
there is a feeling.
Beyond hope, there is a memory. Beyond their journey, there is a love.


Originaltitel: Million Dollar Baby (2004) Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: F.X. Toole, Paul Haggis
Darsteller: Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman FSK: 12


Die Oscarverleihung 2005… Clint Eastwoods Drama ’Million Dollar Baby’ konnte in den wichtigen Kategorien ’beste Hauptdarstellerin’, ’beste Regie’, ’bester Nebendarsteller’ und ’bester Film’ das Rennen um den begehrten Goldjungen für sich entscheiden und setzte sich damit gegen Konkurrenten wie Martin Scorceses ’Aviator’ und Taylor Hackfords ’Ray’ durch.

Vom Schatten...

Na wenn das kein Grund ist, den Streifen mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Fangen wir gleich bei der Hauptdarstellerin an. Hillary Swank (’Boys don’t cry’) spielt die junge Kellnerin Maggie Fitzgerald, die vom Leben bisher nichts geschenkt bekommen hat. Ihr größter Traum ist es, eines Tages eine erfolgreiche Boxerin zu sein und sie ist fest davon überzeugt, dass Frankie Dunn (Clint Eastwood, ’Die Brücken am Fluss’), der Besitzer des Boxcenters ’Hit Pit’, ihr dabei behilflich sein kann. Frankie weigert sich anfangs, eine Frau zu trainieren, aber bald siegt Maggies Hartnäckigkeit und zwischen den beiden Einzelgängern entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung.
Hillary Swank hatte gerade mal 3 Monate Zeit, um sich auf ihre Rolle in ’Million Dollar Baby’ vorzubereiten. Sie trainierte hart und stämmte Gewichte, um die nötige Muskelmasse aufzubauen. Mit Erfolg. In ihrer Rolle als leidenschaftliche Boxerin ist sie sehr überzeugend und Clint Eastwood berichtet stolz, dass für keine ihrer Boxszenen ein Double benötigt wurde. Aber nicht nur als Kämpferin macht sie eine gute Figur, auch die Rolle des armen Mädchens, das ein großes Ziel verfolgt und verzweifelt nach Anerkennung und Geborgenheit sucht, verkörpert sie voll Hingabe.
Weiterhin zu nennen ist natürlich Morgan Freeman (’Robin Hood: König der Diebe’) in der Rolle des halbblinden Ex-Boxers Scrap. Er putzt im Hit Pit und ist schon seit vielen Jahren mit Frankie eng befreundet. Er ist es auch, der als erster Maggies Talent erkennt und ihr von Anfang an immer wieder Mut zuspricht. Scrap verlor bei seinem letzten Kampf ein Auge, weil er nicht aufgeben wollte. Das unterscheidet ihn von Frankie, der immer darauf bedacht ist, auf Nummer sicher zu gehen. Im Boxen genauso wie im wirklichen Leben.
Morgan Freeman gibt den alten schrulligen Hausmeister mit viel Gefühl und dem ihm eigenen verschmitzten Humor und trägt durch seine ganze Art sehr viel zur Atmosphäre des Films bei.
Ja… die Athmosphäre… Das hat Clint Eastwood wirklich drauf. Gemeinsam mit seinem Produktionsdesigner, Oscar-Preisträger Henry Bumstead (’Der Clou’, ’Wer die Nachtigall stört’) kreiert er eine trostlose, heruntergekommene und schäbige Umgebung, die dem Zuschauer unvermeidlich einen Hauch Turnhallenmief in die Nase steigen lässt. Auch außerhalb des Boxcenters bleibt dieser Eindruck und er unterstreicht gekonnt die gedrückte Stimmung des Dramas.

...in Frankies illuminierte Obhut.

Die Story, die ’Million Dollar Baby’ erzählt, ist nicht neu. Ein junger Mensch mit einem Talent, dem niemand etwas zutraut findet jemanden, der ihm hilft und nach und nach anfängt, an ihn zu glauben. Das ist ja an sich nicht schlimm, hat ja bei Rocky funktioniert und bei Billy Elliot und bei vielen anderen auch, was wirklich störend ist, ist die teilweise stark übertriebene Dramatik. So wird zum Beispiel Maggies Familie als so skrupellos und egoistisch dargestellt, dass es schon nicht mehr glaubwürdig ist. Als Maggie ihrer Mutter ein Haus schenkt, bekommt sie dafür keinen Dank, sondern nur Vorwürfe, weil diese nun Angst hat, keine Sozialhilfe mehr zu bekommen.
Ganz besonders dick kommt es im letzten Drittel des Films. Da wird wirklich so stark auf die Tränendrüse gedrückt, dass man Angst haben muss, davon blaue Flecke zu bekommen. Es ist wirklich schade, die Darsteller und die ganze Aufmachung des Film sind hevorragend, alles ist mit so viel Liebe für’s Detail in Szene gesetzt und dann diese übertrieben herzergreifende Story. Was dem Zuschauer da an Tragik, Dramatik und Traurigkeit geboten wird würde locker für drei Lady Di Beerdigungen reichen.Und wenn man anfangs noch freiwillig bereit ist, Mitgefühl für die verschiedenen Charaktere zu empfinden, so wird das im weiteren Verlauf so aufdringlich eingefordert, dass man fast zwangsläufig beginnt, abzustumpfen.

Leone