Midnight Chronicles


‘The Shadow will fall.’


Originaltitel: Midnight Chronicles (2008) Regie: Christian T. Petersen
Drehbuch: Greg Benage & Christian T. Petersen
Darsteller: Charles Hubbell, Matt Amendt, Steve Sweere FSK: 16


“Yes, this fairy tale notion of some pathetic hero rising against us. It’s really quite childish.”

Uh oh. Wenn Filme wie ’Midnight Chronicles’ es schon nötig haben, in ihren eigenen Dialogen auf Unzulänglichkeiten des Plots hinzuweisen, liegt der Karren meist so tief im Dreck, dass ihn nicht einmal ein ganzes Heer von Gummi-Orks dort wieder herausziehen könnte.

Und ich dachte, die dritten Programme
hätten ’Straße der Lieder’ abgesetzt
Die Welt von Aryth ist ein Ort, in dem die Kacke gewaltig am Dampfen ist. Man stelle sich Mittelerde in einer alternativen Realität vor, in der genau das passiert wäre, wovor Gandalf, die Elben und die Stimme aus dem Trailer die ganze Zeit gewarnt hatten. Sauron hat alle freien Völker versklavt, die Spitzohren vertrieben, die Zwerge ebenfalls. Die Orks herrschen mit grüner Hand und grunzender Schnute über die Menschen, in Ketten laufen Hobbits durch geschrottete Fachwerksets. Okay, Sauron heißt hier Izrador, für Hobbits und Zwerge reichte das Budget nicht und die Elben sieht man auch nur gelegentlich. (Zu Beginn starrt ein Elbenweib sehnsüchtigen Blickes aus ihrem Pavillon in Bruchtal.) Alles scheint verloren. Da wird Mag Kiln vom Klerus Izradors (jaha, der hat sogar ’ne Kirche) beauftragt, das Verschwinden eines Priesters in der Stadt Blackweir aufzuklären. Dort angekommen dauert es nicht lange, bis er einem Geheimnis auf die Spur kommt, welches das Machtgefüge Aryths für immer verändern könnte… oder zumindest, bis der nächste dunkle Lord vom Himmel fällt.

Hmmmm, wo hab ich das schon mal gesehen?!
Ach, stimmt: Bei all den anderen ’Herr der Ringe’ Rip Offs.

“My talents are wasted here.“
“What talents? Pissing from a saddle?”

Selbst rudimentäres Talent muss man den Beteiligten von ’Minight Chronicles - Die Chroniken der Umnachteten’ (vorläufiger deutscher Titel) absprechen. Das Ärgerlichste ist, dass man trotz der dürftigen Kulissen, der schnöden DV-Optik, der improvisierten Ausstattung, den unterprivilegierten Effekten, den schlechten Masken und ausdruckslosen Schauspielern hier durchaus etwas Brauchbares hätte anfertigen können, wenn (und ich weiß gar nicht, wie oft ich den folgenden Satz schon auskotzen musste) ja wenn denn wenigstens etwas Originalität im Spiel gewesen wäre und man sich nicht auf die ewig gleichen, ausgelutschten Fantasy-Klischees verlassen hätte. Erschwerend hinzu kommt, dass der Film seine Geschichte allein durch Exposition, nicht etwa durch Geschehen oder Action erzählen will.

Was ist das jetzt hier? MTV?
Da ist ständig von “It is written that the earth…”, “The air is heavy tonight…”, “Ancient rumors…”, “Some power wards this door…”, “The harvenger shall come into the lair of the beast…” und einem Schatten im Norden die Rede (anstatt dem üblichen Schatten im Osten oder dem Hirnschatten). Es wird mehr hochgestelztes Fantasy-Sprech gelabert, als irgendein Supernerd mit ’D&D’-Unterwäsche ertragen könnte.
’Midnight Chronicles’ basiert auf einem gleichnamigen Rollenspiel, dessen Erfinder Christian T. Petersen der Meinung war, er könne auch einen Film nach eigenem Drehbuch daraus machen. Der Film war als Pilot für eine epische Serie angedacht, die rechtzeitig gecancelt wurde, bevor etwas wirklich Schlimmes passieren konnte.
In Anbetracht der hier gezeigten Dreistigkeit, sowohl im Szenario, als auch im Garderobe-Bereich und einigen CGI-Landmarks, muss ich mich bei anderen Vertretern der Post-’HdR’-Fantasyskunst beinahe entschuldigen, ihnen allzu derbes Klauen bei Peter Jacksons Trilogie vorgeworfen zu haben. Das hier ist der Film, der mich die Worte “Uwe Bolls Dungeon Siege war im Vergleich gar nicht sooo beschissen“ sagen lässt.

Ich weiß, was ihr denkt: "Sieht doch eigentlich ganz witzig aus." Oh ihr Narren...


Die Grenze zum schlechten Film ist schon in den ersten fünf Minuten überschritten, das erreichte Ziel ist die Peinlichkeit, Spannung und Spaß bleiben dabei völlig auf der Strecke. ’Midnight Chronicles’ ist Müll, aber vielleicht der ideale Streifen, um ihn von armen Irren mit zu viel Zeit oder Hobby-Alkoholikern neusynchronisieren zu lassen.


Hudson