Missing in Action


‘The war's not over until the last man comes home.’


Originaltitel: Missing in Action (1984) Regie: Joseph Zito FSK: 16
Drehbuch: Steve Bing, James Bruner, John Crowther, Lance Hool, Larry Levinson & Arthur Silver Darsteller: Chuck Norris, M. Emmet Walsh, Lenore Kasdorf


’Missing in Action’, ein Film-Titel, der in den 80er Jahren die Herzen der Action-Fans höher schlagen ließ und Chuck Norris in die Liga der außergewöhllichen Action-Knackis erhob.

M.I.A. in Bildern
Schon in Szene eins schleust der tapfere Dschungel-Kämpfer seine Kameraden direkt an Charlie vorbei, aus der grünen Hölle Vietnams. Doch was ist das? Eine Falle! Vom Vietcong umzingelt und dann Peng!
Alles nur ein Traum, Norris liegt im Bett, wie Captain Willard persönlich, tritt dann aber gleich in den Fernseher, weil der Anchorman nur Dünnschiss labert. Seine Figur, Colonel Jim Braddock, ein hoch dekorierter Kriegsheld und Kriegsgefangener, wird von einer amerikanischen Delegation gebeten, sie zu begleiten, um eventuelle Kriegsgefangene ausfindig zu machen (fragt nicht!).
Natürlich hocken Braddock die Dämonen der Vergangenheit im Nacken, so ist er bei der Ankunft nicht einmal gewillt, dem vietnamesischen Begrüßungs-General (James Hong, ’Auf der Suche nach dem goldenen Kind’) die Flosse zu reichen. Wie es der Zufall (also das weniger zufällige Script) will, sitzt auch Braddocks alter Lager-Schinder im Aufsichtsrat. Der Colonel selbst wird, kaum angekommen, von den vietnameischen Offiziellen mit schweren Vorwürfen belastet:
“Unschuldige Frauen, Kinder und alte Männer wurden seine Opfer!“
Aber sowas würde Chuckie doch niemlas tun? Richtig, ist auch alles eine Farce, die armen Bauern sind nämlich dazu gezwungen worden, sich hier in Reih und Glied aufzustellen, um einen Meineid abzulegen. Es dauert nicht lange, da juckts dem Braddock im linken Zeh und er schleicht sich ninja-mäßig aus dem Hotel, schnurstracks zur Casa del Hong, wo er dem General ein Messerchen an die Kehle setzt und ihm den Standort des Gefangenenlagers herauskitzelt.
Ständig verfolgt von den Häschern des vietnamesischen Militärs, bereitet er sich im großen Stil auf seine Mission vor. Nichts kann ihn stoppen, der Dschungel wartet und die Jungs müssen raus!

“Darf ich mal fragen, was das darstellen soll?“
“Ich zieh mich aus, Kindchen. Läuft ihnen schon das Wasser im Mund zusammen oder wie?“

Chuckie to the Rescue!
’Missing in Action’, als Ehrenbezeugung an seinen in Vietnam gefallenen Bruder gedacht, wurde einer von Chuck Norris’ größten Hits. Cineastische Abrechnungen mit dem Vietnamkrieg erfreuten sich damals ohnehin größter Beliebtheit. Und da der Chuckster und sein Regisseur Joseph Zito (’Red Scorpion’) den Film bar jeder Selbstzweifel a la ’Apocalypse Now’ inszenierten, kam der Film auch bei der breiten Masse an. Kurz gesagt: Wir haben es hier mit filmgewordener Schwarz-Weiß-Malerei zu tun, die unzählige ’OH, BITTE!’-Momente parat hält.
Wie gesagt steht Action hier an erster Stelle.Und das nicht zu knapp. Verfolgungsjagden geben sich mit Schießereien und Prügeleien die Klinke in die Hand. Zu Land, zu Wasser und in der Luft, der Braddock macht das schon. Über die Jahre ist das Ganze zwar etwas… sagen wir ’drollig’ geraten, aber fetzen tut’s immer noch.
In Sachen Schauspiel darf man natürlich keine Wunder erwarten. Chuck Norris ist eben kein Schauspieler, sondern in kickboxender Stuntman, dem man einen Bart aufgeklebt hat.
Sympathie wird ihm vor allem in der deutschen Fassung durch die Synchronstimme von Thomas Danneberg verliehen. M. Emmet Walsh sorgt für passablen Comic-Relief, der Rest ist Kanonenfutter (hier soll übrigens irgendwo Jean Claude Van Damme als Stuntman rumturnen).
Kurioserweise handelte es sich hierbei ursprünglich um den zweiten Teil eines back-to-back gedrehten Zweiteilers. Da die Produzenten Teil zwei für den besseren hielten, schoben sie ihn nach vorn und der ursprüngliche Erstling wurde später als Sequel verkauft.
That’s filmbiz, folks!

That's the way, aha, aha, I like it!

Kurzweilig, knackig und (trotz riesigem Autoren-Verschleiß) bloß nicht zu clever. ’Missing in Action’ ist POW-Power-PUR aber auch unfassbar peinlich. Ich mag den Film sehr, aber ich mag auch ausgedehnte Sumpfspaziergänge in voller Gefechts-Montur und Sonntags den alten Unimog waschen. Für alte Action-Zausel, die schon in den 80ern mit Stirnband und Army-Kleidung auf dem Sofa saßen, ist dies sicher einer der Filme schlechthin!

Nool