Metropolis 2000


‘Dealers in death... exterminators of the 21st century...’


Originaltitel: I nuovi barbari (1982) Regie: Enzo G. Castellari
Drehbuch: Tito Carpi, Enzo G. Castellari & Antonio Visone
Darsteller: Giancarlo Prete, Fred Williamson, George Eastman FSK: 16


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Ich hab’ ja schon immer geahnt, dass die guten alten Barbaren und die Raiders aus der Endzeit auf eine gewissen Art und Weise verwandt sind. Beide wurde nach der Geburt im englischsprachigen Raum von Italienern großgezogen, beide feiern traditionsgemäß ihren Einstand in Filmen durch das Niederreiten/ridern einer beinahe wehrlosen Zivil-Konklave und beide veranstalten von jeher gerne Tohuwabohu in Kiesgruben.
Enzo Castellari, der schon die ollen ’Riffs’ durch die halbzerstörte Welt jagte, machte beim vorliegenden Streifen Nägel mit Köpfen, ließ die Endzeit einläuten, schickte in bester ’Mad Max’-Manier verrückte Raiders und einen einsamen Helden durch den Staub und nannte das ganze ’I Nuovi Barbari’ (auf deutsch ’Die neuen Barbaren’).

Life anno P.A. isnt easy

Im Jahre 2019 ist die Erde ein verwüsteter Ort. Einzelne Gruppen Überlebender sammeln sich im Schutze provisorisch errichteter Wagenburgen, doch niemand ist sicher vor den Templern. Diese gnadenlosen Knechte der Postapokalypse haben sich die komplette Ausrottung der Menschheit auf die weißen Wimpel geschrieben und sie kennen kein Erbarmen.

Sie kennen auch kein Erbarmen, was Hairstyle und Fashion angeht.

Einzelgänger Scorpion erwährt sich der Angriffe bislang tapfer und wird den Templern ein echter Dorn im Auge, als er die schöne Alma aus ihren Fängen befreit. Mit Alma im Schlepptau und in Begleitung des coolen Bogenschützen Nadir stellt sich Scorpion dem fanatischen Templeranführer One und seiner Höllenbrut entgegen…

“Here lies the great Scorpion. In pain. Victim of the big bad queers, the templers!”

George Eastman - Wer sonst?!

Castellaris ’Metropolis 2000’ war 1982 neben Joe D’Amatos ’2020: Texas Gladiators’ der erste Trittbrettfahrer der postapokalyptischen Exploitation-Welle, die von George Millers legendärem ’Road Warrior’ losgetreten wurde. Während D’Amatos Film, sowie dutzende spätere Einträge (aus Italien, den USA, von den Philippinen etc.) es sich einfach machten, das Thema aufs Schundigste verwursteten und in die Einfallslosigkeit trieben, schmückte Castellari die ’New Barbarians’ mit allerlei abwechslungsreichem und reichlich hanebüchenem Rambazamba, die den Film für Freunde des übertriebenen B-Movie-Vergnügen zum Sonderspaß machen.
Die Story lässt Endzeit-gemäß zwar jegliche Originalität vermissen, doch es ist ein Heidenspaß, den überzogenen Figuren beim alltäglichen P.A.-Wahnsinn zuzuschauen. Der Held ist ein wortkarger Asskicker ohne Plan, sein Sidekick ein Sprüche klopfender Ladykiller mit güldenen Arm-Schienen. Die Schurken tragen absurde Frisuren über den exorbitanten Schulterpolstern und kommunizieren nur durch hitziges Geschrei und lächerliche Führer-Gesten.

"Hey, I'm pimpin' here. You dig?"
Dabei geht Castellari nicht zimperlich zur Sache. Abgetrennte Gliedmaßen, explodierende Körper und rollende Köpfe sind keine Seltenheit und wollen dank der tuffigen Ausstattung und belustigender Effekte zuweilen gar nicht recht ins Bild passen. Maschinengewehrfeuer klingt nach Strahlenpistolen-Swoosh und ein Schuss aus der Zwille hört sich an, als würde Dirty Harry aus der Magnum ballern.
Auch klassische Endzeit-Klischees, die in keinem späteren Streifen dieser Art fehlen durften, werden hier manifestiert. Neben den hilflosen Siedlern, den fiesen Raidern und dem maulfaulen Helden, der natürlich irgendwann von den Templern gefangen und gefoltert wird, nur um schließlich fliehen zu können und sich vollkommen der süßen Rache zu widmen, gibt es ’Road Warrior’ typische Straßenrennen und in Mullbinden gewickelte Mutanten, die durch die brennenden Reste der Raids wühlen.
Hauptdarsteller Giancarlo Prete (’Tag des Falken’) bleibt leider nur ein blasses Abziehbild des archetypischen Endzeit-Lone Riders, dafür legt sich George Eastman (’Fireflash’) mächtig ins Zeug, zerreißt eine Bibel mit bloßen Händen, lässt sich von keinem dazwischen quatschen (“Punish those clowns! It’s against the rule to interrupt me!“) und regiert mit eiserner Faust und rollenden Augen. Die Show stiehlt hier allerdings Fred Williamson, sei es als Machismo-Trainer für den geschundenen Helden oder als Mack, dem die Frauen vertrauen (und ihre Brüste in seinen Händen verstauen).

“You look like a healthy guy. You’re lucky.”
“You can be sure. I’m healthy.”

Endzeit Essentials!

Neben Joe D’Amatoes ‘Endgame’ und Sergio Martinos ‘Fireflash’ gehört ’Metropolis 2000’ zu den heißesten Endzeit-Krachern seit Erfindung der einärmeligen Lederjacke von Max Rockatansky. Schnallt euch die Schulterpolster um, kramt die paar heilig aufbewahrten Bierdosen aus besseren Tagen hervor, grapscht euch ein paar Freunde und zieht’s – euch – rein!


Hudson