Metalstorm - Die Vernichtung des Jared-Syn


"It's High Noon at the end of the Universe."


Originaltitel: Metalstorm: The Destruction of Jared-Syn (1983)
Regie: Charles Band Drehhbuch: Alan J. Adler
Darsteller: Jeffrey Byron, Michael Preston, Kelly Preston FSK:16


‘Metalstorm - The Destruction of Jared-Syn’ stürmt uns als Titel in Prall-Metall-Lettern während des Vorspanns entgegen, begleitet von den Klängen eines gewaltigen Orchesters.
Doch was ist das? Ein bislang verschollens Kapitel der ’Mad Max’ Saga?

Grimmige Tanten...
Nein! Der Mann in dem futuristischen Wüstenvehikel ist nicht der postapokylyptische Straßenfeger Rockatansky, sondern Ranger Dogen (Jeffrey Byron), auch wenn der eine exakte Kopie von Mel Gibsons Kluft aus George Millers Wüstenheulern trägt.
Gleich zu Beginn wird Dogen von einem Fluggleiter angegriffen und der Zuschauer bekommt eine der wenigen Stärken des Fims präsentiert; nämlich Action bis die Schwarte kracht!
Natürlich ist Dogen nicht der einzige harte Kerl in dieser von grindigen Typen überschwemmten Welt. Da ist z.B. der Bösewicht des Films, Jared Syn (Michael Preston, der noch zwei Jahre zuvor in 'Mad Max 2' den noblen Campleiter Papagallo spielte). Unter jenem Jared (dem -laut einem seiner Schergen- ’Meister der Dimensionen’ … aha) herrschen verstreute Nomadenstämme über Lumeria, einem Wüstenplaneten, dem es an illustren Lokalitäten nicht mangelt (Friedhöfe der Zyklopen, Die verlorene Stadt etc.)
Nachdem er und seine Büttel einen Schürfer umbringen, schwört dessen Tochter Dhyana (Kelly Preston, heute Frau von J. Travolta) Rache. Die junge Dame verbündet sich mit Dogen und beide begeben sich auf die Suche nach Jared.
Als sie sich dann auch noch verlieben, ahnt der Zuschauer bereits, dass das Mädel der Action sicher nur im Weg sein wird. Das gleiche dachte wahrscheinlich auch der Drehbuchautor und lässt sie durch Telekinese (a.k.a. rote Zeichentrick-Effekte) von Jared entführen. Also muss nun Dogen sich auf den Weg machen, Dhyana zuretten, die den Tod ihres Vaters an Jared-Syn rächen will, der auch noch dessen und viele andere Seelen in einem Kristall gefangen hält.

Puh, was für ein dramatisches Plotkonstrukt. Selbst Shakespeares Ohren hätten hier geklingelt. Doch keine Angst, viel ’komplizierter’ wird’s nicht mehr!

...grimmige Mutanten...
Statt einer ausgereiften Story gibt es nämlich haufenweise vermummte Gestalten, Mutanten, Nomaden, mutierte Nomaden, Wüstenvehikel, Sandwürmer und Zyklopen (die gewisse Ähnlichkeit zu einem berühmten Hunnenkönig aufweisen und deren rechte Augenpartie aus unerfindlichen Gründen fugenlos mit dem Gesicht verschmolzen ist). Auch für reichlich Action ist gesorgt. Diese kommt größtenteils in Form von waghalsigen Verfolgungsjagden a la ’Road Warrior’ daher, welche durchaus zu gefallen wissen. Vor allem die halsbrecherischen Stunts sind handwerklich einwandfrei inszeniert und sehen teilweise wirklich sehr gefährlich aus. Außerdem knallt und explodiert es im Film oft genug, dass auch Pyrophile auf auf ihre Kosten kommen. Und auch die finale ’Luftschlacht’ ist trotz offensichtlich beschränkter Mittel (sieht nach Archiv-Material der Air Foce aus) recht spannend.

Allerdings wird der Film immer wieder von den typischen Symptomen einer B-Produktion unterwandert. Ob bei der Action (während eines spektakulären Absturzes von einer Klippe explodiert der Wagen knappe fünfzig Meter vor dem Aufprall), den Dialogen („Bin zweimal Sölner gewesen, Minenarbeiter, Barkeeper und jetzt bin ich Säufer!“) oder bei den mystischen Elementen des Filmes (Mit Hilfe einer Maske nimmt Dogen Verbindung zu Jared auf, was in seltsam surreale Szenen ausartet, die einen Fan des Genres eher verwirren als begeistern dürften.).

und ein Kajal-Schuft
mit Schwell-Sternum!
Eher unfreiwillig komisch ist auch die Verwendung von Slow Motion in einer Action-Szene, in der die angeschwollene Halsschlagader des Protagonisten in den Fokus der Kamera geriet. Jeffrey Byron (’Herrscher der Hölle’) selbst scheint weder mit Spass noch Ernst bei der Sache zu sein, und liefert in der Hauptrolle eine eher unterdurchschnittliche Leistung ab.
Um einiges charismatischer ist da Michael Preston, der als Jared Syn nicht nur rote Strahlen aus dem Finger schießen, sondern mit seiner Gestik und Mimik gegebenenfalls auch locker die Grenzen des Over Acting sprengen kann. Ein guter Chef muss sich halt präsentieren können.
Das Ende allerdings war einfach nicht zu fassen. Und zwar sowohl technisch (was möglicherweise am Video von Marketing lag) als auch inhaltlich. Eine amateurhafte Ausblendung (ich dachte schon, jetzt kommt die Werbung) und dann war Schluss.
Auf die Credits hätte ich verzichten können, nicht jedoch auf ein befriedigendes Ende. Denn zum Schluss ist nichts gelöst. Und was bei Produktionen mit höherem Budget ein spannender Cliffhanger hätte sein können, wirkt bei einem Film wie ’Metalstorm’ einfach nur enttäuschend. (Die Produzenten werden doch nicht ernsthaft an ein Franchise gedacht haben?)
Jedenfalls hinterlässt das Ende und die Nichteinhaltung des titelgebenden Versprechens einen faden Beigeschmack und drückt die Wertung merklich.

'Heiho, Heiho, wir schaun dir auf den Po!'

Amüsanterweise entstand im selben Jahr der viel besserere Sci-Fi-Trasher ’Spacehunter’, der in punkto Plot und Charakteren fast identisch mit ’Metalstorm’ ist, dem allerdings ein höheres Budget und nahmhafte Schauspieler zur Verfügung standen.
Der trotz Genre-Hokus Pokus banal wirkende und tempoarme ’Metalstorm’ ist für all jene unter euch, die gerne Metallschrott explodieren sehen und denen ’Mad Max’ zu anspruchsvoll oder ’Spacehunter’ nicht trashig genug war.

Hudson