Sternenkrieg im Weltall


‘Where Fantasies are Real & Reality is Fantastic.’


Originaltitel: Uchu kara no messeji (1978) Regie: Kinji Fukasaku
Drehbuch: Kinji Fukasaku, Shotaro Ishinomori, Hirô Matsuda & Masahiro Noda
Darsteller: Vic Morrow, Etsuko Shihomi, Sonny Chiba FSK: 12


“Es war einmal in vielen 1000 Jahren…“

Wenn ein Film schon mit einer solch schlüssigen Botschaft beginnt, dann ist klar, dass der Erzähler entweder 1.) in der Schule bei den Zeitformen nicht aufgepasst hat oder 2.) im Jahr zuvor ’Krieg der Sterne’ gesehen hat.

Die bösen Hut-Wesen
vom Helmet-System
Auf dem Planeten Illucia, in einem benachbarten Sonnensystem der Erde, tief im Andromeda-Nebel lebte eine “…kulturell hochentwickelte Rasse in Frieden und Wohlstand…“. Schön und gut aber für ein waschechtes Science-Fiction-Märchen muss genau jetzt der Haken kommen und richtig: Es folgt eine Invasion, der feindlichen Gawaner vom Nachbar-Stern. Deren Zerstörungswut bringt Illucia den Genozid und die komplette Verwüstung. Der gesamte Planet wird zur Festung des Feindes umfunktioniert.
Ein paar Illucia-Hoschis, die sich in den Bergen verschanzt haben, proben den Aufstand. “Nach vielen Fehlschlägen ist es unseren letzten Wissenschaftlern endlich gelungen, diese heiligen Nüsse mit konzentrierter Energie unserer Muttersonne aufzuladen. Sie sollen wandern durch Zeit und Raum und ein Volk finden, dass uns von der Tyrannei der Gawaner befreien kann.“ Kaum sprach’s der alte Zausel, schon fliegen die Früchte gen Weltraum. Seine Enkelin Esmeralida (die aussieht wie Prinzessin Leia mit Schleier und Lorbeer-Kranz) soll in einem Sternen-Schiff (das aussieht wie eine Segelbarke, die durch die Sterne schifft) der “Spur der Nüsse“ folgen. Das bekommen auch bald die Gawaner spitz (die aussehen wie Borgs in schicken Rüstungen und riesigen Zangen-Helmen) und ihre Abwehr beschießt Esmeralidas Schiff aus allen Rohren.
Derweil nahe Alpha 2, ein von der Menschheit besiedelter Stern und Mitglied der galaktischen Föderation:

Prinzesschin Leia war
unser Steuermann
Der abgehalfterte General Garuda hat sich soeben mit dem Oberkommando angelegt, da er für seinen verstorbenen Freund ein Begräbnis der besonderen Art veranlasst hat (lange Geschichte, kurz gefasst: Der Verblichene wollte in der Umlaufbahn seine letzte Ruhe finden und so schickt der General mal eben eine unerlaubte Rakete mit dessen Leiche in den Orbit. Hey, that’s what friends are for!). Als er beim Leichenschmaus eine Nuss in seinem Drink findet, ist er baff, der Zuschauer weiß natürlich bescheid. Gemeinsam mit seinem vorlauten Roboter Beba trifft er schließlich auf Esmeralida und ihr Gefolge. Diese hat mittlerweile Bekanntschaft mit einigen Space-Hot Shots, einer Geschäftsfrau und einem fiesen Nachtclub-Besitzer gemacht, die während eines Spaziergangs im Weltrall (sie suchten Feuersteine… ähm, wieder ’ne lange Geschichte) ebenfalls ein paar Nüsse gefunden haben. Dieser verwegene Haufen soll nun den Illusianern helfen, ihre Welt zu retten, worauf die Herrschaften allerdings überhaupt keine Lust haben. (“Die können doch nicht einfach hier reinkommen und sagen: Kämpft jetzt für uns. Die sollen sich ihre Nuss in die Haare schmieren.“) Auch die Gawaner waren in der Zwischenzeit nicht untätig. Durch Gedanken-Schlonz-Technik, die sie bei einer gefangenen Erden-Hexe anwenden (lange, lange Geschicht) haben sie die Erde entdeckt. Einen solch fruchtbaren Planeten müssen sie unterwerfen.

Aha. Die Erde in 1000 Jahren: Fruchtbar. Ja klar und der Kopf von Roger Corman ist Präsident!

Sinnlos im Weltraum
Junge, Junge. Es war wirklich nicht einfach, dem Plot von ’Sternenkrieg im Weltall’ zu folgen, was nicht unbedingt an dessen Kompliziertheit lag, sondern eher an dessen Inkohärenz und der hypnotisch-verwirrenden Wirkung der chaotischen und effektüberladenen Bilder. Regisseur Kinji Fukasaku (’Battle Royale’), dem hier angeblich das bis dahin dickste Budget des japanischen Kinos zur Verfügung gestellt wurde, versuchte sein (ganz offensichtliches) ’Star Wars’-Rip Off mit eigenen Ideen zu würzen. Leider gelang ihm das nur bedingt. Vergessen wir jetzt mal die Dialoge, die zwischen epischer Ohnmacht (“Du bist ziemlich gerissen und hast Erfahrung mit Außerirdischen.“) und purer Blödheit (“Aaron, deine Nuss spielt verrückt!“) schwanken und konzentrieren uns auf die Aufmachung.
Hier sieht man nämlich, dass tatsächlich jede Menge Schotter in den Film gepumpt wurde. Von Space-Dogfights, über Massen-Schlachten und die Zerstörung ganzer Planeten, bis zu pompösen Sets und aufwändigen Kostümen, ist hier für’s Auge von vorne bis hinten gesorgt. Dies geschieht natürlich im technischen Rahmen der späten Siebziger und kann, nicht zuletzt auch dank deutlicher Überzeichnung aller Elemente, einen eindeutigen Trash-Touch nicht verbergen. Die visuellen Effekte sind nämlich teilweise so grell, dass sie sogar über den Bildrand plumpsen. Wenn man bedenkt, mit welchem Budget es George Lucas gelang, seinen ’Sternenkrieg’ auf die Leinwand zu zaubern… aber lassen wir das.

Hattori Hanzo mit Helm
Weitere Pluspunkte sammelt ’Message from Space’ in Sachen Action.
Schauspielerisch ist hier nicht viel zu erwarten. Zwar versuchte Fukasaku (der damals vor allem für seine grantigen Yakuza-Filme bekannt war), seine Charaktere abseits der gängigen Klischees anzusiedeln, jedoch zeichnen sich die Darstellungen am ehesten durch das (dem asiatischen Genre-Kino nicht fremde) Over-Acting aus.
Neben Vic Morrow (der bei den Dreharbeiten zu ‘Unheimliche Schattenlichter‘ ums Leben kam) sind auch Etsuko Shihomi (’Sister Streetfighter’) und ‘The Streetfighter’ himself, Sonny Chiba zu sehen. Letzterer wurde in ein derart albernes Kostüm gepackt (Stichwort: Motarradhelm mit Hörnern), dass der ihm sonst eigene Charme völlig abgeht. Seinen Co-Stars ergeht es ähnlich.
Natürlich ist ’Message from Space’ auch (was heißt ’auch’… wahrscheinlich ’vor allem’!) ein Film, der bei Trash-Fans für Begeisterung sorgen dürfte und mit einer Wagenladung Film-(Un)Logik daherkommt. So ist die Wissenschaft in den (anfangs erwähnten) 1000 Jahren soweit gekommen, den Weltraum ’menschensicher’ zu machen. Will sagen: Man braucht da draußen nur noch eine Atem-Maske. Helm und versiegelter Raumanzug sind passé. Und wenn mitten in der Szene, die eigentlich in finsterster Nacht spielt, plötzlich das Licht angeht und die Sonne scheint und kurz darauf eine summende Laser-Peitsche von einem riesigen Plaste-Monster geschwungen wird, dann zeigt sich, dass ’Sternenkrieg im Weltall’ genau das ist, wonach es sich anhört.

Joa... warum nicht.

Zuallererst ein recht dreister ’Krieg der Sterne’-Ableger, der einen Großteil der Ideen, Ereignisse und Figuren bei George Lucas’ Weltraum-Oper klaut (dass der Schorch sich das nicht alles selber ausgedacht hat, ist auch bekannt) und darüber hinaus ein unterhaltsamer Science-Fantasy-Streifen, den B-Movie-Jünger lieben werden, der aber mehr hätte sein können.

Hudson