Merlin und das Schwert



Originaltitel: Arthur the King (1985)
Regie: Clive Donner Drehbuch: David Wyles & John Smith
Darsteller: Malcolm McDowell, Candice Bergen, Edward Woodward FSK: 16


Uuups. Eben noch mit der Reisegruppe in Stonehenge unterwegs, fällt Catherine durch ein Loch im Fußboden und landet in einer Höhle, in der Merlin der Magier und Lucy Guttridge (’Waltraud’ aus ’Top Secret’) in einem Jahrtausende langen Stehschlaf verweilen und sich die Zeit mit Geschwätz verteiben.
Bevor ihr jetzt mit den Augen rollt und denkt: “Nicht schon wieder eine Verwurstung von Twains ’Eine Yankee aus Connecticut an König Arturs Hof’!“; keine Angst! Das hier ist nur eine weitere Verwurstung der Artus-Sage im Allgemeinen, die ja vier Jahre zuvor eigentlich mit ’Excalibur’ schon die bestmögliche Verfilmung erfahren hatte.
Die Catherine aus den Achtziger Jahren ist hier quasi nur ein Teil der Rahmenhandlung, die uns den ganzen Budenzauber als Voice-Over näher bringen soll.

The Good...

König Artus (Malcolm McDowall) kehrt gerade aus dem siegreichen Feldzug gegen die Wikinger nach Camelot heim, da droht schon wieder neues Unheil. Nicht nur, dass sich seine Olle, Lady Guinevere in den schnieken Hof-Schönling Sir Lancelot (Rupert Everett) verliebt, nein, auch sein eigener Sohn Mordred und seine Schwester Morgana (und deren kleiner Sidekick “Gorgo der Zwerg, die Ausgeburt der Hölle“) schmieden Ränke gegen den König und lassen Guinevere von dem üblen Pikten-Fürsten Grak (Liam Neeson) entführen. Während Artus, Lancelot und die anderen Tafelrundis die Schurken verfolgen, übernimmt Mordred des Königs Thron in Camelot. Nun muss sich Artus entscheiden: Rettet er sein Weib, oder seine Krone. Bald schon sind Lancelot und Gawain auf der Suche nach Guinevere und Camelot wird vom echten König zurückerobert. Während er sich um die Belange bei Hofe kümmert begeben sich Lancelot und Gawain auf die weite, beschwerliche Reise durch das ’Geheime Land’, eine Gegend voller schrecklicher Gewitter, wilder Barbaren, aufdringlicher Kemenaten-Nutten und grunzender Schweinenasen-Weiber…

...the Bad...

Liebe Macher dieses Schinkens,
gab es eigentlich einen bestimmten Grund, ’Ritter der Kokosnuss’ ein schmalbrüstiges Remake zu verpassen und es mit Versatzstücken aus ’Excalibur’ zu vermengen? Nö. Gab es nicht.
Und dennoch kommt ihr hier mit dieser bescheuerten Version eurer heiligsten Fantasy-Franchise nach ’Herr der Ringe’.
König Artus und Lancelot sind mit Malcolm McDowall (mit unpassender Manfred Lehmann-Synchro) und Rupert Everett (hager und hochgewachsen wie der lange Lulatsch himself) in den jeweiligen Rollen völlig fehlbesetzt und Liam Neeson bringt die wahrscheinlich mieseste Performance seiner Karriere. Prinzesschin Guinevere (die von den Protagonisten immer mit ’Günniwär’ angesprochen wird) fällt vor allem durch ihr nettes Antlitz und ihre hohlen Sprechblasen auf (“Ich danke euch artig.“) und auch Edward Woodward (’Hot Fuzz’) als Merlin und Candice Bergen (’Ghandi’) als kreischende Morgana versetzen die Zuschauer in jenen Zustand zwischen Kopfschütteln und heiserem Kichern.

... & the Superbad!

Einen Cameo gibt’s von Michael Gough (’Batman’), der später im Film Sir Gawain (der anfangs als “Sir Gawain, Artus’ lustiger Kumpan.“ vorgestellt wird) und Lady Ragnell (eine mit einer Schweinenase verhexten Maid) vor dem Altar traut:
“Und ihr, Lady Ragnell, wollt ihr Sir Gawain zu eurem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen? Wollt ihr das? Wollt ihr zu ihm halten und ihm beistehen, in guten und in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, bis dass der Tod euch scheidet?!“
“Grunz!“

“Dann erkläre ich euch hiermit Kraft meines Amtes zu Mann und Schwein.“
Dank solch herrlicher, wie dämlicher Szenen kann man dem Film dann schon gar nicht mehr wirklich böse sein. Warum zur Tür hineingehen, wenn man sich durch einen schmalen Schacht zwängen, und Gitterstäbe aufbiegen kann? Warum in gute Spezial-FX investieren, wenn im Studio-Keller noch irgendwo die Rohfassung vom ’Jabberwocky’-Drachen herumhängt und nur darauf wartet, auf seinen wabbeligen Gummibeinen durch den Kerker gezerrt zu werden? Warum ein Orchester bestellen, wenn in der Bar um die Ecke ein astreiner Saxophonist abhängt?
Regisseur Clive Donner (der auch für die ’78er Version von ’Der Dieb von Bagdad’ und die Fantasy-Schmonzette ’Abenteuer im Spielzeugland’ verantwortlich war) stellte sich diese Fragen wahrscheinlich erst gar nicht, sondern hörte auf den Troll der Eingebung, der ihm zuflüsterte: Mach einfach mal!

“Ich muss meine leibliche Hülle verlassen und meinen Astral-Köper benutzen.“

Jaha, echte Profis tanken bei Astral!

Wie ich jetzt diesen Blödsinn bewerten soll, weiß ich echt nicht…
Zum Heulen schlecht und zum Jaulen gut. Keineswegs langweilig, aber doof, wie Brot im Tümpel der Herrin des Sees. Ehrlich, ich schau sowas gerne, aber empfehlen kann ich den Mumpitz wohl kaum. Mein Tipp für Fantasy-Freaks und Trash-Adepten: Macht einfach mal! Aber dass mir später keine Klagen kommen…


Hudson