Merlin and the Book of Beasts



Originaltitel: Merlin and the Book of Beasts (2009)
Regie: Warren P. Sonoda Drehbuch: Brook Durham
Darsteller: James Callis, Laura Harris, Donald Adams FSK: unbekannt


‘A SyFy-Channel Original’, das heißt soviel wie “Die Ideen/Figuren/Themen haben wir woanders her, aber produziert haben wir den Quark mit unserer Kohle, also kommt uns nicht blöde!”

Aufhänger der vorliegenden Version des generischen Fantasy-Traras, wie es uns in der letzten Dekade von TV-Sendern und fragwürdigen Produktionsfirmen Jahr für Jahr auf den Bildschirm geeimert wird, ist ein magisches Buch, das lokale Unwesen (“…beasts of legend and lore…”) zu neuem Leben erwecken kann und dies gleich eindrucksvoll beweist. So sind die Viecher, die zu Beginn das obligatorische Mittelalter-Set angreifen nicht etwa Drachen, Gargoyles, Geier oder Krähen, nein, es sind Schmetterlinge.

Now run and cry for your mommy!

Die herbei eilenden Nachkommen der Tafelrunden-Ritter (Camelot liegt brach, in rauchenden Ruinen) und alle Zuschauer, die vor zwanzig Jahren das 5. Klasse Englischbuch von Cornelsen lesen mussten, sind sich einig: Bei solch einem faulen Zauber kann nur Merlin the Magician helfen. Selbiger hängt schon seit einer halben Ewigkeit in einem finsteren Zauberwald herum, wo er nichts besseres zu tun hatte, als halbseidene Fallen zu basteln und sich einen Rauschebart wachsen zu lassen. Zunächst spielt er seinen Besuchern zwar den ‘reluctant hero’™ vor, willigt jedoch bald ein, sie zu begleiten und dem grausamen Treiben (Schmetterlinge), hinter dem kein anderer als Mordred steckt, ein Ende zu bereiten. Dazu muss natürlich das alte Zauberschwert Excalibur aus einem steinernen Sockel gezogen und sich (dem Titel gerecht) einigen Scheußligkeiten, wie Zombies, Medusen und Drachensoldaten gestellt werden.

By the Rule of Britannia!
Wenn man sich die Charakternamen durchliest, klingt das zunächst nach einem kunterbunten Mischmasch: Merlin, Sir Galahad,Tristan, Medusa, the Arkadian, Minerva, Avlynn, Simon, Theodore. (Okay, streicht die letzten beiden.) Der Dreh an der Sache: Hierbei handelt es sich um eine Weiterführung der Artus-Sage. Avlynn ist die Tochter von Artus und Guineviere, Tristan ist der Sohn von Tristan und Isolde und the Arkadian ist möglicherweise ein entfernter Nachkomme des Scorpion Kings oder zumindest von dem glatzköpfigen Töpfer-Zivi aus ’300’. Ich konnte aber keine Quellen finden, die das belegen.
Der Film kann mit sympathischen Helden und einem widerlichen Schurken punkten, der auf Teufel komm raus mit seiner Halbschwester in die Federn will. Highlights der Besetzung sind James Callis (’Battlestar Galactica’) als knuffig grummliger Zauberer mit Grunzstimme (im Original) und die aus ’Severance’ und ’The Faculty’ bekannte Laura Harris als … naja, als niedliche Blondine, die mit Nasenbluten ein gewaltiges Schwert aus einem Pappmaché-Felsen stämmt. Nennt mich verwirrt, aber solche Anblicke erfreuen mein Herz.
Effekttechnisch gibt’s nicht viel zu lachen. Will sagen: Weder allzu schauerliche Abnormitäten, noch allzu gelungenes Handwerk und leider vorwiegend aus dem PC.
Das Pulver des ’Book of Beasts’ wird zudem etwas früh verschossen. Man hätte sich die Schmetterlinge vielleicht einfach für den Schluss aufheben sollen.

Zitat: “What does kill you makes you legend.“

Legendär ist der Streifen beileibe nicht, aber ich will gerne zugeben, dass ich hier besser unterhalten wurde als bei den üblichen Fantasy-Auswürfen der letzten Jahre. Wenn auch geringfügig. Also heißt’s erneut: Im (unfairen) Vergleich zu den wirklich guten Filmen des Genres ein Witz, im (fairen) Vergleich zum restlichen Schund erfreulich goutierbar.


Hudson