Labyrinth der Monster



Originaltitel: Mazes and Monsters (1982) Regie: Steven Hilliard Stern
Drehbuch: Rona Jaffe & Tom Lazarus
Darsteller: Tom Hanks, Wendy Crewson, David Wallace FSK: 12


Abteilung: Lasst euch nicht vom Titel täuschen!

Die drei College-Nerds Kate, Daniel und Jay Jay vertreiben sich die freie Zeit am liebsten mit dem Brett-Rollenspiel ’Mazes & Monsters’ und sind alle schon auf Stufe 9 (fragt nicht!).
Als der nette Robbie (Tom Hanks, ach wie putzig!) auf dem Campus erscheint und ebenfalls durchblicken lässt, dass er die neunte Stufe längst erreicht hat, kann das lustige Würfel-Treiben zu viert weitergehen. Und das, obwohl der labile Robbie seinen Eltern doch versprochen hatte, das Spielen im monströsen Brett-Labyrinth zukünftig zu unterlassen.

Auch bei Nerds gilt Helmpflicht
Nachdem alle möglichen Szenarien durchgezockt sind, kommt Jay Jay auf die Idee, das Spiel einmal in einer echt ’rollenspieligen’ Location abzuhalten. Also auf in die nahegelegenen Pequod Höhlen, wo Jay Jay schon einige Vorbereitungen getroffen hat (u.a. ein Skelett aus der Uni-Praxis). Als Robbie ein grünes Drachenmonster mit Waschbrettbauch (Jay Jay in Verkleidung) ’besiegt’, macht irgendetwas in seinem Kopf ’knack’.
Von nun an träumt er sich umso mehr durch’s Leben, handelt streng nach den Gesetzen des Spiels, die er von einer Erscheinung namens ’Hall’ aufgetischt bekommt, bis er eines Tages verschwunden ist. Polizeinspektor Martini (Murray Hamilton) weiß natürlich sofort, dass nur das Rollenspiel für Robbies Verschwinden verantwortlich sein kann. Und wer will schon einem Mann mit solchem Namen widersprechen? Jay Jay, Kate und Daniel begeben sich auf die Suche nach ihrem Freund, dessen Spur nach New York führt…

"Rollenspiele sind bööööööööööse!"

Ich hab ja ein Herz für faule Studenten, obsessive Filmfreaks, Videogamer und andere Taugenichts-Randgruppen, zu denen auch ich mich erhobenen Hauptes zählen kann. Aber die Figürchen anmalenden, würfelnden und im Schneidersitz um einen Tisch hockenden Massen, der Rollenspieler waren mir schon immer suspekt. Dementsprechend verhalten näherte ich mich auch ’Mazes & Monsters’, dessen Titel eine eher plumpe Abwandlung des populären ’Dungeons & Dragons’ ist (die Marke durfte wohl nicht genannt werden).

Nettes Gummi-Cameo, doch
der Rest ist nix für Trashfans!
Wie auch heute, waren sich in den Achtzigern diverse Filmemacher nicht zu schade, eine aktuell populäre Thematik aus dem Leben zu greifen und sie zu einem TV-Movie of the Week zu verwursten.
Hier war es das beliebte Rollenspiel, das Jugendliche angeblich vom wahren Leben abhielt, ihre Gemütszustände verwirrte und sie in phantastische Welten ohne Widerkehr flüchten ließ. Also genau der gleiche Scheiß, den man auch schon über Heavy Metal, Videospiele, Rap Musik, Star Wars und irgendwann sicher auch einmal über Bücher sagte. Nicht, dass unsere Protagonisten nicht genügend Gründe zur Flucht hätten. Die Uni ist doof, man ist eher unsicher auf den Füßen, die reichen Eltern verlangen einfach zu viel oder interessieren sich gerade mal gar nicht für den Nachwuchs.
Klingt alles typisch schwachbrüstig dramatisch und genau das ist ’Labyrinth der Monster’: Ein schwachbrüstiges Teenager-Drama, dessen Figuren zweidimensionalen Klischees unterliegen und das heutzutage überhaupt nur noch Erwähnung findet, weil Tom Hanks hier u.a. benommen zu düdeliger Saxophon-Musik durch die Straßen New Yorks wankt wie Travis Bickle persönlich. Zu seinem Starruhm arbeitete sich Hanks halt wie die meisten von ganz unten hinauf und ’Labyrinth der Monster’ ist wirklich nur ganz kurz oberhalb der ersten Sprosse seiner Erfolgsleiter zu lokalisieren.

“Weißt du, ich dachte immer, ich sei wie Mr. Spock vom ’Raumschiff Enterprise’.“

"Ich bin bald Star. Holt mich hier raus!"

Ja, das kommt dabei heraus, wenn man aus den Gefahren der ’Pen & Paper’-Droge einen Film fabriziert. Sich fantastische Szenarien ausdenken, Monster töten, Zauberei und ähnliches… ob nun in der Fantasie oder in echt (Ja doch, letztens hab auch ich in echt ein Vogel-Monster getötet, erst durch meinen 8. Stufe Eiszauber aus der Kühltruhe und dann mithilfe der Level 7 Bratpfanne!), sowas gehört sich einfach nicht, liebe Kinder und wird euch früher oder später nur ins Verderben führen!
Meine persönliche Gleichgültigkeit gegenüber dem albernen Rollenspiel mal beiseite: Die ’Anklage’ die ’Labyrinth der Monster’ auf plumpste Art und Weise erhebt, ist mehr als lächerlich und einfach nur komplett daneben. Sehen sie demnächst: ’Schuhplattler - The Movie: Funny Game or Fetishistic Obsession?!’


Hudson