Max Headroom


‘20 Minutes Into the Future’


Originaltitel: Max Headroom (1986) Regie: Annabel Jankel & Rocky Morton
Drehbuch: Annabel Jankel, Rocky Morton, Steve Roberts & Colin Wilson
Darsteller: Matt Frewer, Nickolas Grace, Hilary Tindall FSK: 12


This review is presented by Cyber Bangers!

Achtung: Nostalgisches Geschwafel voraus! Bei allergischen Reaktionen den ersten Absatz überspringen.

Gerne denk ich zurück an die frühen Neunziger. Kunterbunte Hemden im Parker Lewis-Style, Hubba Bubba aus Eimern und im Fernsehen Shows, die das Achtziger Flair gerade ausklingen ließen. Da wabert der Nebel aus den Gullideckeln bis an die Skyline, rudimentäre Computergrafiken zeichnen architektonische Future Noir-Wunder nach, neon glänzt die Nacht und fiese Killer haben Tommy-Pieper-Synchro.

Ja, auch Matt Frewer war mal jung.
Hin und wieder muss man dem Verlangen nach der damaligen Stimmung etwas zu beißen geben und da kommen die Tapes aus der vor Jahren entsorgten VHS-Kiste des Schwagers sehr gelegen. Da angelt man mit dem Zufallsfaden und heraus kommt: Tada - ’Max Headroom - The Movie’.

20 Minuten in der düsteren Zukunft (Nebel, Neon, Netzhautscanner): Reporter Edison Carter, Star-Recherchologe des Erfolgskanals Network 23, ist einer industriellen Superstory auf der Spur. Hinter den Kulissen planen die Programmchefs mit Hilfe eines minderjährigen Computergenies die totale Kontrolle der Zuschauer. Das Dumme ist nur, dass die Vermeidung des Zappings durch spezielle Strahlen (’Blipberts’ genannt) bei besonders faulen Couchpotatoes zu spontaner Explosion führt. Als Carter seine Nase zu tief in die Angelegenheit steckt, wird ein Unfall inszeniert, der ihn zunächst von der Bildfläche verschwinden lässt und die Sendechefs dazu animiert, den hauseigenen Nerd eine digitalisierte Version ihres Starreporters anfertigen zu lassen. Doch Ma-Ma-Max Headroom (so die nach der letzten von Carter aufgenommenen Information - Max Headroom 3,20 m = maximale Durchfahrtshöhe 3,20 m - benannte Stotter-Animation) entwickelt schnell ein Eigenleben, kommt beim Publikum riesig an und schmeißt die Fernsehlandschaft aus dem Gleichgewicht…

"Du meine Güte, dieses Phänomen ist hin und wieder in der gesamten Geschichte aufgetreten. Es gibt Leute die einfach so in die Luft fliegen. Selbstentzündung oder so was. Na sie wissen schon!"
"Nein, das weiß ich nicht. Hören wir eine kompetentere Stimme zu dem Thema."

Die Jungs vom Aufsichtsrat
führen nix Gutes im Schilde.
Die eingangs erwähnte brodelnde Atmosphäre einer nicht allzu fernen Zukunft mit all ihren visuellen Eigenheiten fängt der ’Max Headroom’-Pilotfilm für TV-Verhältnisse hervorragend ein. Zwar läuft der Streifen gerade mal eine schlappe Stunde und bietet lediglich den Startschuss für die Serie, doch die straff gehaltene Handlung verschwendet nicht viel Zeit mit Nebensächlichkeiten, lässt aber dennoch Platz für Details und ansprechende Charaktere.
Matt Frewer (bekannt als Trashcan-Man aus ’The Stand’ und Moloch aus ’Watchmen’) überzeugt gleichermaßen als gewitzter Reporter und animierter Stotterkopf. Und neben ’Robin of Sherwood’-Sheriff Nickolas Grace glänzt hier vor allem Hollywood-Altholz William Morgan Shephard (’The Prestige’) in einer für ihn eher ungewöhnlichen Rolle als uriger Punk-Opi.

"Hier ist Max Headroom in Big Time Television. Und ich würde gerne wissen, ob die Eskimos nicht irgendwann ihren Wetterbericht satt haben."

Hier wird die New Economy prophezeit:
Nerd vs Exec

’Max Headroom - The Movie’ (der übrigens für die erste reguläre Folge der Show komplett neu gedreht wurde) unabhängig von der Serie zu beurteilen ist weder einfach, noch allzu sinnvoll. Trotzdem ist es mir ein Bedürfnis, noch einmal an diesen persönlichen Favoriten aus einer längst vergessenen Zeit irgendwo zwischen den Achtzigern und Neunzigern zu erinnern. Leider hilft uns Teutonen das kein Stückchen weiter, denn bisher hat sich kein Verleiher bequemt, die Show hier auf adäquate Weise herauszubringen. Jetzt ziert euch nicht so! Ihr veröffentlicht doch sonst jeden Käse.


Hudson