Masters of the Universe


’A Battle Fought In The Stars. Now... Comes To Earth.’


Originaltitel: Masters of the Universe (1987)
Regie: Gary Goddard Drehbuch: David Odell
Darsteller: Dolph Lundgren, Frank Langella, Courteney Cox FSK: 12


Die Resultate von Hauruck-Aktionen enden meist in der sprichwörlichen Tonne. Bei ’Masters of the Universe’ handelt es sich um eine solche Aktion, und es umkreist die Tonne wie ein gierige Ratte, schafft es jedoch aus ihr zu naschen, ohne wirklich hinein zu fallen.

"Herr Doktor, ist das Skellet
Anschauungsmaterial?"
"Nein, Kassenpatient!"
Die Nascherei beginnt jedoch gleich zu Anfang, als Skeletor (Frank Langella, ’Die Neun Pforten’) durch die Hallen Grayskulls schlendert, wie Darth Vader himself, vorbei an schwarz bemalten Sturmtruppen. Der fiese Knochenkopp hat die Zauberin (Christina Pickles, ’Friends’) gefangen genommen und wähnt sich seinem Ziel, der ultimativen Unterwerfung Eternias, nahe.
Zur gleichen Zeit befreien He-Man (Dolph Lundgren), Man-at-Arms (John Cypher) und Teela (Chelsea Field) den Zwergen-Wissenschaftler Gwildor (Billy Barty, bekannt aus ’Willow’ und ’UHF’) aus den Händen von Skeletors Fußsoldaten. Gwildor hat einen galaktischen Schlüssel erfunden, der den Benutzer zu jedem Punkt des Universums transportieren kann. Nach einem missglückten Versuch, die Zauberin zu retten führt der Schlüssel die vier Helden auf den Planeten Erde. Dort angekommen geht ihnen das gute Stück verloren und gerät in die Hände des Teenagers Kevin (Robert Duncan MacNeill, ’Lt. Tom Paris’ vom Raumschiff ’Voyager’), welcher ihn für einen Synthesizer hält und fortan darauf herum klimpert, wie es ja in den guten alten 80ern der Brauch war. Dies ruft bald Schauer-Gerippe Skeletor auf den Plan, der gleich seine Monster-Truppen (haben irre geile Namen und noch geilere Frisis) auf die Erde schickt, um das gute Stück zu erbeuten. Sie finden jedoch nur Kevins Freundin Julie (Courtney ’Monica’ Cox). Bloß gut, dass He-Man in der Nähe ist!

"Komm Süße, jetzt vergiss
endlich diesen Chandler!"
Kerle, Kerle, Kerle…
Es ist ein Kreuz! Ich will ja gar nicht leugnen, dass der Film Spass macht und durchaus zu unterhalten weiß. Doch angesichts des ungemeinen Potential, das der Streifen durch die erfolgreiche(n) Comicserie/Actionfiguren mit auf den Weg bekommen hat, kann man hier leider nur von einer Enttäuschung sprechen.
Tja: Ursprünglich sollte das Vehikel originalgetreu auf Eternia spielen, mit allem, was die ’Masters of the Universe’ ausmachte, doch dann fiel den Produzenten plötzlich ein, dass das Budget einfach zu knapp dafür sei und die Haupthandlung auf die Erde verlegt werden müsse. Ein Wort: BULLSHIT!
Nur wer die Figuren und die Comics liebt, wird verstehen was ich meine. Und spätestens wenn He-Man in voller Montur durch die Papptür eines amerikanischen Vorstadthauses kracht und in der Küche nach Bösewichtern Ausschau hält, kapieren es auch alle anderen.
Wie gesagt: Es gibt auch Positives an dem Brett. Und es ist schon fast paradox, dass es gerade die menschlichen Figuren (und deren Humor) sind, die einen großen Teil zur Unterhaltung des Filmes beisteuern.
Da wäre zum Beispiel James Tolkan (’Mr. Strickland’ aus den ’Zurück in die Zukunft’ Filmen) als irrer Polizist, der mit ’Rainer Brandtschen’ Spruch-Granaten nur so um sich wirft („Es handelt sich hier um Anstiftung mit Brandstiftung, der bösen Stiftung!“), der depperte Musik-Laden Besitzer Charlie (Barry Livingston) und Herzchen Courtney Cox, die sich wirklich anstrengen müsste, dass man sie nicht mag.
Unsere Eternia-Helden bleiben hingegen fast farblos. Dolph Lundgren (’Red Scorpion’) als He-Man (sans Alter Ego Prinz Adam) macht einen eher durchwachsenen Eindruck, Man-at-Arms heißt im Deutschen ’Waffenmann’, der aus der Serie beliebte Zauberer Orko wurde aufgrund technischer Mängel durch den Zwerg Gwildor ersetzt, der mal eben ’Pimp my Ride’ erfindet und sich als Omma verkleidet. Und wofür Teela eigentlich da ist, weiß wohl nur noch der Produzent.
Von den herrlichen Bösewichtern haben es gerade mal Beastman und Evil-Lyn (Meg Foster, ’Blinde Wut’) in den Film geschafft, welche durchaus bemüht der überagierenden Gummilippe Skeletor zur Seite stehen, der sich zum Finale (das mehr als eine Einstellung von ’Rückkehr der Jedi-Ritter’ klaut) immerhin in eine Art ’Hirschgeweih-Kopp Skeletor’ verwandelt. Ein kleines Bisschen ’Back to the Roots’ ist also tatsächlich drin.
Die Dialoge reichen vom zähneknirschenden „Du wagst es, ihr Leben zu bedrohen?“ „Selbstverständlich wage ich es, denn ich bin Skeletor!“, bis hin zu witzigen Sprüchen, inklusive einem meiner absoluten Lieblingszitate: „Is ja abgefahren, der Wahsninn beutelt mich!“
Die Sets (speziell in ’Eternia’) sind nach heutigem Maßstab lächerlich, machten Mitte der 80er wohl aber einiges her (selbst wenn von dem märchenhaften Charme der Serie absolut nichts in den Film rüber gerettet wurde). Die Action ist dennoch passabel und auch die Musik von Bill Conti (’Rocky’) weiß durchaus zu gefallen.

A jolly nice bunch!

Wie so oft, kommt es auch bei ’Masters of the Universe’ auf das Auge des Betrachters an. Ich, als alter Fan der Serie (für einen Jungen, der in DDR aufwuchs waren die Figuren damals das Allergrößte), fühle mich zwar unterhalten, doch weiß ich genau, welcher Schindluder mit dem Material getrieben wurde. Am Ende bleibt ein durchschnittlicher Fantasy-Actioner, mit urigen Figuren und der leidigen ’Fantays-Heroen stolpern durchs Dimensionsportal auf die Erde’ Stimmung.
Als ich Mama Leone erklären wollte, dass die ’Masters’ rein gar nix auf der Erde zu suchen hätten, meinte sie nur: „Aber irgendwie müssen wir sie ja kennengelernt haben, um Filme drüber zu machen!“ …
Ja, manchmal wünschte ich mir, ich könnte Filme noch mal durch die Augen eines Unschuldigen sehen.

Hudson