Maniac City


‘Die Stadt der Mordbestien’


Originaltitel: Nightmare at Noon (1988) Regie: Nico Mastorakis
Drehbuch: Nico Mastorakis & Kirk Ellis
Darsteller: Wings Hauser, Bo Hopkins, Brion James FSK: 18


Maniac City: Home Team

USA, Wüste, High Noon:
Wenn sich der mysteriöse Albino (Brion James!) nicht gerade im Neonlicht seines A-Team-mäßigen Super-Vans sonnt und auf grüne Bildschirme starrt, hecken er uns eine Privatarmee aus finster stierenden Superkillern hundsgemeine Pläne aus. So verdünnen sie beispielsweise das Trinkwasser eines kleinen Wüstenkaffs mit einer hochtoxischen Substanz, die jeden, der davon trinkt in einen grünblutigen Irren mit Koordinationskomplikationen und rasender Tollwut verwandelt. Als ein Urlauber-Paar (Wings Hauser und Kimberly Beck) samt cooler Anhalter-Hupe (Bo Hopkins) durch das Kaff tingelt, erwischen sie gerade die Rush Hour der Crazies und jede Menge Ärger stapelt sich im Wüstensand. Gemeinsam mit dem örtlichen Sheriff (George Kennedy) müssen sie die Flinten aus dem Korn fischen und den Kampf gegen den Albino, seine Weltraumaffen und ihre Amok-Produkte aufnehmen…

Real World: Visiting Team

Gott, das klang käsig, oder? Ist es auch und leider nur bedingt unterhaltsam.
’Nightmare at Noon’ (Originaltitel) würde sich möglicherweise gerne in die Reihe von Cronenbergs ’Rabid’ und Romeros ’Crazies’ schummeln (eine solche Unterstellung musste ich jetzt einbringen, um die Quote zu halten!), doch fehlen ihm dazu leider die nötigen Visionen und Ambitionen erzählerischer und dramaturgischer Art. Die Tatsache, dass hier grün angemalte Hillbillies unter knallender Wüstensonne mit Schrotflinten um sich ballern, hat sicher auch etwas damit zu tun.

Brav, Brion! Da hast Leckerli.
Wings Hauser (’Beastmaster 2’) und Bo Hopkins (’Polyp’) schlagen sich recht wacker in ihren Rollen als unsicherer Anwalt mit Schrotflinte und krisenfester Ex-Cop mit AK-47, während George Kennedy (’Demon Warp’) lieber die tranige Opa-Peitsche aus dem Schauspiel-Repertoire kramt und mit zittrigen Sickness-Schüben das Publikum langweilt. Ähnlich harsch muss ich aber auch mit meinem persönlichen Liebling, dem leider längst verstorbenen Brion James (’Blade Runner’), ins Gericht gehen. Dieser hält sich hier nämlich komplett zurück, zuckt kaum mit der Wimper und hält durchgehend maulaffenfeil. So haben wir nicht gewettet, Brion. Schließlich habe ich mir diesen Streifen nur aufgrund deiner Anwesenheit zugelegt.
Was seinem Film an Starpräsenz, Atmosphäre und den oben angesprochenen grundsätzlichen Ambitionen fehlt, versucht Regisseur Nico Mastorakis (’The Zero Boys’) durch knallige Action wieder wettzumachen, was ihm jedoch auch nur bedingt gelingen will. Der Krawall ist größtenteils auf deftige Shoot Outs beschränkt, bei denen sich zwar in der ersten Hälfte des Films die halbe Stadtbevölkerung auf zuweilen drastische Art und Weise gegenseitig vom Schirm fegt, die jedoch irgendwann im beliebigen Einerlei einer dauerfeuernden Bleispritze enden.
Immerhin gibt’s im letzten Drittel noch ein paar Reiteinlagen durch die imposanten Postkartenmotive Utahs und eine antiklimaktische Hubschrauberverfolgung, die den Film unnötig in die Länge zieht. Aber wen das beeindruckt, der hält womöglich auch den banalen Achtziger Synthie-Score (und seinen Titeltrack, der an Depeche Modes ‘Master and Servant’ erinnert) für großes Hörkino.

Nightmare from midnight till high noon...

“This doesn’t make any sense. Folks I’ve known for all my life hating each other for no reason. Hospitals filled with people bleeding green blood?

Sieht man mal von der Tatsache ab, dass nie wirklich heraus gestellt wird, worum es den bösen Umweltverschmutzern in ’Maniac City’ nun tatsächlich ging (abgesehen von der fahrlässigen Vergiftung des Trinkwassers und der Crazy-isierung der Bewohner des Wüstenkaffs, was natürlich Grund genug für… ähm vergesst diese ganze Einleitung zum Fazit am besten!), hat der Film grundsätzlich nicht viel Sinn und Verstand zu bieten. Wer sich mit einer Handvoll B-Stars und ein paar Ballereien unter der Sonne Utahs zufrieden geben kann, ist hier womöglich richtig, sollte jedoch einmal die inneren Ansprüche überdenken. Richtige Trashfreaks greifen lieber gleich zu ’Planet gone mad’ und Brion James-Fans schauen sich … ach sucht euch was aus!



PS:

Albinos... they freak me out.












Hudson