Manborg


‘Revenge is Back’


Originaltitel: Manborg (2011) Regie: Steven Kostanski
Drehbuch: Jeremy Gillespie & Steven Kostanski
Darsteller: Matthew Kennedy, Adam Brooks, Meredith Sweeney FSK: 18


'Only One Thumb Left'-Pictures Proudly Presents

’Manborg’ erzählt die Geschichte eines G.I.s in einem apokalyptischen Krieg (“The last great war against hell.“), der auf dem Schlachtfeld vom Heerführer der Antagonisten, einem Vampir-Mutanten namens Count Draculon, getötet wird, dann im Labor des verrückten Wissenschaftlers Dr. Scorpius mit kybernetischen Ersatzteilen zu einer Mensch-Maschine umfunktioniert wird, die etliche Jahre später, in einer dystopischen Neo-Noir-Zukunft erwacht und ausbricht, um an der nächsten Ecke einem Kung-Fu-Mönch mit telepathischen Fähigkeiten und John-Wayne-Stimme über den Weg zu laufen, mit dem er in eine Arena geworfen wird, wo er gegen Mutanten, Roboter und andere Homunculi antreten muss. Und das beschreibt gerade Mal die ersten 15 Minuten des Films.

Kurz gesagt: Das hier ist ein waschechter Flausenstreifen.

The Good...

”We go in there and we kick some ass.“
”That’s quiet the proposition you have there, manborg. But what if we’re too late?”
“It’s never too late to be a hero!”

Man nehme Achtziger-Ausschuss-Videoware, addiere Anime-Einflüsse, dystopischen Hyperrealismus und die Ästhetik jener Zwischensequenzen aus der frühneunziger Interactive-Movie-Videospiel-Welle (think ’Phantasmagoria’, ’Commander Blood’ oder ’Rebel Assault’) und man hat eine ungefähre Idee, was einen bei ’Manborg’ erwartet.
Diese wilde Mische wird in ihrer technischen Unvollkommenheit vom titelgebenden Helden mehr als adäquat repräsentiert: Ein Made-Up-Monstrum a la Robocop, dem ’Retaliator’, dem ’Cybernator’, dem ’Vindicator’ (well, you get the drift), die rostige Birne voller Ideale, die dem Film als roten thematischem Faden dienen und immer wieder stichpunktartig ausgerotzt werden. (“The power of the human spirit will never be obsolete.”)

...the Bad...

Eine derartige Holzhammer-Methode würde (genau wie die preiswerten, aber niemals einfallslosen Effekte) in filigraneren Filmgestaden belächelt oder verspottet werden, bei ’Manborg’ passt sie wie die Stahlfaust in die fiese Fresse des Mutantengegners. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Keine Minute vergeht ohne absurde Kunstlandschaften, in denen die Macher ihre Protagonisten vor explosionslastigen Rückprojektionen herumscheuchen, vorbei an Claymation- und Stop-Motion-Kreaturen krudester Machart. ’Manborg’ ist zu überladen mit wirren Bildkompositionen jeglicher Couleur, als dass die notwendigerweise verwendeten CGI-Ergänzungen dem Retro-Fan hier übel aufstoßen würden.

...and the Ugly (are causing a shitload of trouble)

Hätten Regisseur Steven Kostanski (eigentlich FX-Artist, der seine Brötchen bei Streifen wie ’Silent Hill: Revelation’ und ’Pacific Rim’ verdient) und die Kollegen von ’Astron 6’ (’Fathers Day’) nicht so ein großes Herz für ihre überlebensgroßen Charaktere, würde der Film womöglich nach fünf Minuten im Overkill der Bilder untergehen. Aber neben dem gewollt hölzernen Protagonisten, der von Matthew Kennedy mit Anleihen bei Wellers ’RoboCop’ und Arnies ’Terminator’ gespielt wird, sind es vor allem die absurden Nebenfiguren und ihr knuddeliger Zusammenhalt (“It’s not about the killing. It’s about family.“), die einen anspringen und nicht mehr loslassen.

Half Man, half Borg - 50 % chance of resistance being futile

# 1 Man, der aussieht, als würde er Urlaub von ’Mortal Kombat’ nehmen und mit tiefer, uramerikanisch akzentuierter Stimme Weisheiten an seine Mitmenschen/borgs weitergibt; Justice, ein Jeanswesten-Vokuhila-Jock mit australischem Akzent und zwei Laserpistolen, die rosa Todestrahlen auf seine Gegner loslassen und dessen Schwester Mina, eine Klingenspezialistin und Opfer der Anhimmelungen des ledrigen Gebiss-Mutanten ’the Baron’.
Letzterer führt unter Lord Draculon (einem vampirischen Teufelsfürsten, der für die ursprüngliche Öffnung der Höllentore verantwortlich war) die Armeen des Bösen an und hat trotzdem noch Zeit, mit einem Strauß Blumen seiner Angebeteten die Aufwartung zu machen, nur um von Draculon auf der Kommandoleinwand erwischt, und mit Augenmerk auf die Blumen gefragt zu werden: „Those aren’t for me, are they?“
Selbst wenn die Darsteller kaum mehr als Poser für die Sache herhalten, ist das käsig-emotionale Polter-Parkett, das Kostanski mithilfe seiner Figuren legt, die perfekte Tanzfläche für den FX-Tango, der hier Bild und Ton beherrscht.

Und noch mehr Posen für den Weltfrieden...krieg

“You got a lot of killing ahead of you. Good luck!”

’Manborg’ gibt sich oft humorvoll, ist gespickt mit Hommages an die Hochzeit des Videotrashes (schon das Cover ist eine Liebeserklärung an liebenswerten bis miserablen Schund a la ’Destroyers’ ’R.O.T.O.R.’ & ’Alpha 2’) und bietet 62 Minuten pure, überkandidelte Genre-Unterhaltung. Dank seiner kurzen Laufzeit ist es fast schon extra absurd, dass die Macher eine Trainings-Montage vor dem Finale einfügen, ist ’Manborg’ selbst doch der filmgewordene Zusammenschnitt of all things trashy-flashy, old-school-cool and retro-rumpeldipumpel.


Hudson