Lords of Magick


‘Two wizards from the past on a quest into the future’


Originaltitel: The Lords of Magick (1989) Regie: David Marsh
Drehbuch: David Marsh & Sherman Hirsh
Darsteller: Jarrett Parker, Mark Gauthier, Brendan Dillon Jr. FSK: 16


’Moment mal! Was ist das denn für ein mieses Home-Video?!’,
war mein erster Gedanke als die Credits von ’Lords of Magick’ auf dem Schirm erschienen. Ein Werk, schlecht beleuchteter noch als ’Trash Monsters from Outer Space’ und Papas olle Urlaubsvideos aus Holland. Ich war mir ziemlich sicher, dass dieser offensichtliche Schmarren die Tiefstwertung von mir erhalten würde. Junge, lag ich falsch.
Meine Aversion gegen Filme, die auf solcherlei Niveau gedreht sind, war schnell verschwunden, als sich die Anzeichen für eine exorbitant witzige Fantasy-Trash-Verlade häuften.
Zur Story:

Seid Zeuge der 'MAGICK'!
Ulric und Michael sind zwei (ja, zwei) magisch begabte Brüder, die ohne Sorgen durch ihr nettes Königreich lustwandeln, Schenken besuchen, sich einen ansaufen, und mit den Damen schäkern. Ihr unbeschwertes Dasein kommt zu einem jähen Ende, als der König sie zu sich schleifen lässt. Die Prinzessin ist vom bösen Magier Salatin (bon appetit) entführt worden, der sich mit ihrer Hilfe zum ’Lord of Magick’ erheben will. Ohne ’Wenn und Aber’ werden Michael und Ulric von ihro Gnaden dazu genötigt, den Bösewicht zu jagen und Prinzessin Luna zu retten. Also begeben sie sich in einschlägig bekannte Gebiete (sieht nach Laubwäldern in Rosengarten bei Frankfurt/Oder aus), um nach Salatin zu suchen. Um die Sache “…interessanter zu machen…“ (O-Ton) verrät ihnen eine baumelnde Galgenleiche, die sie mithilfe der schwarzen Magie beschworen haben (was sie eigentlich nicht dürfen… lange Geschichte, ist so eine ’Helle und Dunkle Seite der Macht’ Chose) nicht nur den Aufenthaltsort Salatins, sondern auch die Wahrheit um ihre wirkliche Abstammung. Die beiden sind nämlich tatsächlich Stiefbrüder, was (kombiniert mit der ’Helle und Dunkle Seite der Macht’ Chose) später noch für dramatische Wendungen sorgen wird.
Bald ist der Unterschlupf des sinistren Magiers gefunden, doch von Salatin selbst keine Spur.
Michael und Ulric gar nicht doof
Pinkeln dem Zauberer in den Hof.
Genau: ’Hose runter, der Natur freien Lauf gelassen’ und schon kommt ein (wortwörtlich angepisstes) Hologramm von olle Salatin herbei, um den Brüdern folgende Herausforderung zu unterbreiten:
“Findet mich! Sucht mich tausend Jahre! Sucht, wo es keine Engel gibt und wo es nicht so ALTERTÜMLICH ist!“
Ähm, ja!

'Bum, bum, der Tod geht um'
Da die Jungs daraus nicht schlau werden (die haben im Gegensatz zu uns auch nicht ’Beastmaster 2’ gesehen), beschwören sie erstmal eine Erscheinung ihres Mentors Merlin (ja, genau: der mit dem Schwert). Merlin sieht zwar aus wie der Weihnachtsmann ohne Mütze, weiß aber bescheid und schickt die beiden 1000 Jahre in die Zukunft.
Und wo landet man, wenn man in einem Fantasy-Film in die Zukunft reist? Ganz Recht:
L.A.!
Dort angekommen erleben die beiden viele Abenteuer; legen sich mit gewalttätigen Cops an (ganz visionär!), grapschen Frauen an die Brust (auch ’ne lange Geschichte) und prügeln sich mit Punkern (“Komm her, du Schwuli. Ich zerbeul dir dein Rüschenhemd!“ “Er halte ein mit seinem Gestammel!“).

Leute, was soll ich sagen: Hier haben wir es zweifelsohne mit dem ’Todesschwert der Ninja’ des Fantasy-Films zu tun. Nicht nur, dass die Optik dieselbe ist und die Schauspieler ähnlich ’begabt’ sind, nein, es gibt so viele Parallelen zu dem kultig-schrottigen Machwerk von Lo Gio, dass es beinahe unheimlich ist. Anstelle des sagenumwobenen ’Hokus Pokus’ haben wir hier die so genannte ’Magick’. Und was die nicht alles hergibt! Wir haben Feuerbälle, Blitze, Energiebarrieren, Tierverwandlungen, Unsichtbarkeits-Magick, Starre-Zauber und Power-Fäuste (’Saruman vs Gandalf’ und ’Bavmorda gegen Willow’ können echt einpacken).

Spieglein, Spieglein
an der Wand, wer hat
die irrste Frisi im Land?
90 Minuten lang bekommen wir also das Treffen begeisterter ’D&D’ Fans in Muttis Hinterhof zu sehen, welches mittels banaler Tricks so effektiv schrottig in Szene gesetzt wird, dass man gar nicht anders kann, als die grandiose Murksigkeit dieses Trash-Fests mit vollen Flaschen zu feiern.
Doch auch hier enden die Gleichnisse zu ’TdN’ nicht, denn mitten im Film (genauer gesagt, als Michael und Ulric sich nachts ein Magick-Duell mit den Punks liefern) schaut ein sichtlich genervter Anwohner aus dem Fenster und schreit: “Ruhe, oder ich ruf die Bullen!“ Jetzt glaubt man als ahnungsloser Zuschauer, dass genau das passieren wird, DENKSTE! Der Typ holt selber ein Zauberbuch aus der Vitrine und fängt an, mit eigener Magick mit zu mischen!!! Das anschließende Saufgelage (Sprite, Whiskey und Wein) erinnerte dann ebenso stark an die ’Salat-Brat Szene’ aus dem Ninja-Klopper, wie die aufblühende Freundschaft zwischen eben jenem Unbeteiligten namens Thomas und den Protagonisten.
Weiter geht die Sause, als die drei sich auf die Suche nach Salatin begeben, der plötzlich einen schwarzen Magick Blitz in ein parkendes (leeres) Auto fahren lässt und es mit magischer Hand gegen seine Widersacher in den ’Kampf’ schickt. Dem Unheil knapp entronnen, ruft Thomas “Ich hab das Kennzeichen notiert!“

Lens Care!
Abgesehen von diesen hanebüchenen Einfällen, der Vokuhila meets Minipli vs Grinsebacke 90er Jahre Ästhetik und einer handvoll nett anzusehenden (aber talentfreier) Darstellerinnen, hat ’Lords of Magick’ tatsächlich auch genug an gewolltem Humor, um den Film mit leichter Hand zum Selbstläufer zu machen (z.B. als Ulric vor dem Badezimmerspiegel einer Hure mit einem Pümpel Fecht-Übungen macht).
Auch gibt es ausreichend phantastisches Kruppzeug zu belächeln: Dämonen, Zombies, Mumien-Skelette, Beholder (nur für einen Drachen hat der ’K-Mart’ wohl keine Zutaten mehr gehabt).
In die übrige Ausstattung wurde (gelinde gesagt) nicht viel investiert. Ich habe ja schon eine Menge schlechter Kulissen gesehen und mich auch entsprechend darüber echhauffiert, aber was dem Zuschauer hier als ’Burg Interieur’ verkauft wird, ist nicht in Worte zu fassen und einfach nur zum Husten (nicht zu doll, sonst kippt die Pappe um, wie der eine Felsen gegen Ende, der wahrscheinlich aus einer Aldi-Tüte gebastelt war).
Die Musik passt sich dem kunterbunten Treiben mit vergleichbarer Qualität an und scheint direkt aus ’Kings Quest 4’ zu stammen (ja damals, als man noch dem Speaker lauschte). Das professionellste ist dann auch die Synchro, genau genommen die Stimme von Michael, die von Ewan MacGregors Stammsprecher vertont wurde und sich mit Dialogen wie folgendem profiliert:
“Wart ihr jemals in dem verzauberten Tal, wo ein Mann und euer Hoheit über das Wasser spazieren können und mit den Tauben fliegen und…“
“Nein, aber es klingt wundervoll.“

Die Jungs muss man einfach gern haben, glaubt mir!

Hier ein Fazit hinzuleiern wäre wohl überflüssig. Ihr habt’s selbst gelesen und wenn diese Art von Film euer Ding ist, dann ist ’Lords of Magick’ ein Ding mit Muss.
Und während, nachdem der Abspann längst vorbei ist und schon das schwarze Bild den Schirm ziert, immer noch die Titelmusik fröhlich vor sich hin trötet, löst sich allmählich der (durch maßloses Lachen entstandene) Krampf im Bauch und man bekommt Lust, den ganzen Scheiß nochmal zu sehen. Das lob ich mir an einem Film!

Hudson