Magdalena - Vom Teufel besessen



Originaltitel: Magdalena, vom Teufel besessen (1974)
Regie: Walter Boos Drehbuch: August Rieger
Darsteller: Dagmar Hedrich, Werner Bruhns, Michael Hinz FSK: 18


“Wir alle stehen unter einer finsteren Herrschaft, der des Teufels, des Fürsten dieser Welt, des Feindes Nummer eins, dieses dunkle und beunruhigende gibt es wirklich, - DEN TEUFEL“ Papst Paul VI. am 15.11. 1972

Also wenn der Papst wirklich mal sowas gesagt hat, dann war es bestimmt seine allerletzte Intention, dass der Satz als Opener für diesen Schundfilm aus deutschen Landen endet.

’Wer äxelt da so spät noch im
Internat? Es ist die Maggie mit
der Axt und die mag es hart!’
Das Ganze beginnt mit einem gekreuzigten Opa in einer Münchener Gasse bei Nacht. Wie’s aussieht, war der Alte vom Satan besessen und der böse Geist, der ihm inne wohnt flattert schnurstracks ins örtliche Mädchenpensionat und setzt sich zwischen den Schenkeln der jungen Magdalena fest. Die spielt daraufhin natürlich in bester Linda Blair-Manier verrückt (nur, dass Linda Blair damals noch ein Kind war und Magdalena ein strammes, deutsches Mädel im ’reifen’ Frauenalter). Urplötzlich lässt sie Einrichtungsgegenstände auf dem Dachboden schweben und faucht ihre Lehrerinnen und Mitschülerinnen auf unsäglich obszöne Weise an (“Ich will ficken. Ich will endlich ficken. Ihr Nutten. Ich will was in die F…“). Der stocksteife Dr. Berger ist auch keine Hilfe und als Magdalena dann auch noch den Herrn Pfarrer in der Kirche mit ihren blasphemisch-unzüchtigen Bemerkungen (“Na du Nonnenficker! Wann haust du denn der Köchin wieder unter’n Rock!?“) beleidigt, wird sie unter der Aufsicht von Prof. Falk zur Rehabilitation raus auf’s Land geschickt, wo sie einen Mann nach dem anderen verrückt macht und ins Unglück treibt. Jetzt bleibt nur noch ein Heilmittel: Exorzismus!

“Hm und wann ist sein Begräbnis?“
“Das wird noch mitgeteilt.“
“Weil, ich geh nämlich nicht zum Begräbnis. Ich habe Angst vor Toten.“
“Aber Magdalena, er ist doch ihr Großvater. Sie hatten ihn doch gern.“
“Als er lebte. Aber jetzt ist er tot. UND TOTE MAG ICH NICHT!“

’Magdalena – Vom Teufel besessen’ war Walter Boos’ (’Schulmädchen Report’) Versuch, das gerade tierisch populäre ’Exorzist’-Thema mit dem unbeholfenen Sex seiner eigenen Werke zu vermischen. Dieses Experiment ist gelungen. Das daraus kein wirklich ’guter’ Film, sondern ein reißerisches Stück Schund wurde, dürfte von vornherein klar gewesen sein. Aber zwischen all den Fassbinder-Filmen und Heintje-Grusicals musste halt auch die Zielgruppe der Sleaze-Jockeys bedient werden. Die Amis bekamen ’Foxy Brown’ und wir ’Magdalena’. Nicht ganz fair, aber immerhin bescheuert genug, um 90 Minuten durchzuhalten.

"Sachma, Meister, wat soll dat
jetze? Bei der Linda Blair hat's
doch auch nicht funktioniert!"
Das geht schon los, als sich die ersten Anzeichen der Besessenheit bemerkbar machen und nach der feuchtfröhlichen Sektfeier im Internat (das von zwei offensiv lesbischen Hausmütterchen geleitet wird) ein Hund anfängt, wie eine Katzen zu schreien, eine penetrant summende Fliege das Personal wuschig macht (“Diese Fliege da!“ “Eine Fliege um diese Jahreszeit? Hier geschieht irgendwas!“) und kurz darauf das Titelweib unbekleidet und mit schäumendem Mund auf dem Dachboden eine 1A Breakdance-Revue vorlegt. Und auch wenn dem Film nach den ersten beiden Dritteln ein wenig die Puste ausgeht, an Dümmlichkeiten, nackter Haut und Dilettantismus fehlt es ihm nie.
’Zum ersten Mal auf der Leinwand: Dagmar Hedrich’ tönt’s im Vorspann. Es blieb bei diesem einen Mal und das ist auch gut so, denn die junge Dame ist zwar nett anzuschauen (jedenfalls solange ihr voluminös behaarter Schambereich nicht im Blickfeld ist) und gibt wirklich 100% Körpereinsatz, doch wenn die denn Mund aufmacht kommt nur enervierendes Gequietsche raus (und einmal sogar eine dämonische Baby-Ringelnatter).
Mit ’Klimbim’ Star Elisabeth Volkmann und Rudolf Schündler (der sowohl im Original ’Exorzist’, als auch in Argentos ’Suspiria’ mitspielte und dem deutschen Publikum wohl am ehesten als ’Studienrat Dr. Knörz’ aus den ’Lümmel von der ersten Bank’-Filmen bekannt sein düfte) bewies Boos immerhin das richtige Händchen für die Nebendarsteller. Diese beiden Institutionen des deutschen Films konnten schließlich jedes noch so schundige Werk durch ihre Anwesenheit bereichern. Und wenn Gaststar Sascha Hehn (’Die Schwarzwaldklinik’) von der Besessenen nach versuchter Vergewaltigung der Arm gebrochen wird, während im Radio Blasmusik läuft, dann hat sich der Film schon für Trashfans gelohnt.

Das kommt davon, wenn man beim Tequilasaufen unbedingt
auf das ewige "Eat the Worm, Motherfucker!"-Geschrei hören muss!

Fazit: So ein Humbug kann wirklich nur aus den deutschen Siebzigern gekommen sein. ’Magdalena’ ist Sexploitation, Sexorzismus und sechsmal so doof wie alles andere, was es in dem Sektor gibt.


Hudson