Mafia-Kommando



Originaltitel: Tony, l'altra faccia della Torino violenta (1980) Regie: Carlo Ausino
Drehbuch: Carlo Ausino & Luciano Vincenzoni
Darsteller: Emanuel Cannarsa, Giuseppe Alotta, Paul Teitcheid FSK: 16


“Ich hab dir doch gesagt, dass du meine Frau nicht belästigen sollst!“
“Ich belästige sie nich, ich geh mit ihr ins Bett.“
“A-a-aber dann musst du auch bezahlen, wie alle anderen auch, verstanden?!“
“Sie nimmt kein Geld von mir.“
“Aber ich nehm es. Verdammt, wie kann ich das der dummen Kuh bloß beibringen?!“ “Also, das ist dein Problem, Turie.“
“Natürlich ist das mein Problem. Aber eins will ich dir sagen… Wenn ich dich noch einmal mit meiner Frau erwische, dann, dann, dann… dann…“
“Also, was ist dann?“
“Ich werde meiner Alten den Arsch versohlen. Weiter nichts. Schönen Tag noch, Tony!“

Fuck the Police (gently)!
Tony ist ein ganzer Kerl. Er hat den buschigsten Oberlippenbart diesseits von Kasachstan, steckt sich den dicken Rollkragenpullover in die zu enge Jeans und wird schon auf dem Weg zum Morgenstuhl in seinem Lieblings-Café von (offensichtlich bekannten/befreundeten) Kollegas zu einer Prügelei eingeladen.
Tony ist ein Drifter. Er hat keinen Bock auf Arbeit, kümmert sich lieber um seine Frisur, hat aber das Herz auf dem rechten Fleck. Als Tony (durch mehr als abwegige Umstände) Zeuge einer Kindesentführung wird, steht er auf der Abschussliste des deutschen Verleihtitels.
Ganz Recht, Freunde: Das Mafia-Kommando kommt ins Spiel und das nicht zu knapp. Diese Jungs sind so knallhart, dass ihre Oberlippenbärte eigene Oberlippenbärte haben. Kein Witz. Ich schwöre!
Dummerweise ist Tonys Vita als tunichtguter Schlendrian und gewaltbereite Morgenlatte auch den Autoritäten bekannt, weswegen er bei den Cops keinen guten Stand hat. Vor allem Inspektor Griepschfresse (Name von der Redaktion aus offensichtlichen Gründen geändert) hat den blonden Mähnenpapagallo geradezu gefressen (weil sein Sohn selbst ein solcher Taugenichts ist und er die versaute Jugend hasst!) und er lässt keine Gelegenheit aus, Tony das wissen zu lassen.
Dieser Generationen-Rabatz spiegelt sich auch in der Beziehung des Protagonisten zu seinem Vater wieder. Als Tony diesen besucht, kochen die ganz ollen Konflikt-Kamellen aus der Klischee-Kasserolle gewaltig auf:

Tony und sein Vati. Sermon folgt.

“Ja, ich habe mein Leben lang schwer gearbeitet. Ich weiß. Aber ihr… rebelliert. Rebelliert, rebelliert gegen alles und jeden. Gegen das System. Gegen die Arbeit. Und gegen das Leben überhaupt. Gegen all das, was euch zu unbequem erscheint. Du glaubst wohl, du kannst durch Nichtstun die Welt verändern. Ich habe immer hart gearbeitet in meinem Leben. Zum Nachdenken blieb keine Zeit.“



Mal abgesehen von der nicht zu übersehenden Absurdität der Situation - Tony selbst geht offensichtlich auf die 40 zu - verschaukelt ‘Mafia-Kommando‘ den Zuschauer auch in allen restlichen Belangen am laufenden Band.
Die ohnehin schon maukige Story wird durch den katastrophalen Schnitt in eine Aneinanderreihung diffuser Konflikte zerbröselt, welche immer wieder in Sackgassen enden, aus denen sich die Protagonisten nur durch dämliche Aktionen oder bestenfalls amüsante Übersprungshandlungen retten können (wie, als Tonys Mieze dem ätzenden Möchtegern-Derrick den Hitlergruß an die Halbglatze wirft).

Auch wiiir traaagen Bärte...

Ich würde dem Film dank seines relativ authentischen Flairs und der obskuren Drama-Ausflüge (Stichwort: Tonys urige Familie, die ihm ununterbrochen zu Hilfe juckelt) gerne eine Empfehlung zumindest für Krimi-Fans aussprechen, aber das wäre kein Dienst am Leser. Schließlich halten sich auch Action und Suspense mit ein paar zahmen Prügeleien, dürftigen Schießereien und verbockten Geldübergaben (bei denen letzten Endes jeder jeden abknallt) unterhaltungstechnisch in Grenzen.
Das Budget ist übersichtlich, die Darsteller gerade mal fähig und die Synchro ist vom strammen Fridolin gebeutelt. Wer nicht weiß, was das bedeutet, der schaut sich im Regal mal nach der ’Street Trash’-DVD um und erinnert sich an deren germanische Sprachbegabtheit. Alle anderen denken sich einfach die poltrigsten Dubbing-Rejects und Sitzenbleiber des Leseunterrichts polytechnischer Oberschulen dazu. Für betonungstechnische Lacher ist also gesorgt, für kesse Sprüche hin und wieder auch.

...auch wiiir steeehn für Härte...

“Ich möchte bezahlen. Was bekommen Sie von mir?“
“4000 Lire.“
“Hier hast du 3000. Der Rest ist für Dich!“

Fazit: Story zum Abwinken, Film zum Abnicken, Synchro zum Ablachen. Oder um es mit der Trailerstimme aus ’Sardische Blutrache’ zu sagen: Es darf geschmunzelt werden, trotz des ernsten Themas Kindesentführung. In diesem Sinne: Schrotti Poliziotti ahoi. Deutscher Titel toi toi toi!



PS:

...auch wiiir gehn oft viiieeel zu weeeiiit!


Hudson