Mad Max II - Der Vollstrecker

aka

The Road Warrior


‘Only one man can make the differance’


Originaltitel: Mad Max 2 (1981)
Regie: George Miller Drehbuch: Terry Hayes, George Miller & Brian Hannant
Darsteller: Mel Gibson, Bruce Spence, Michael Preston FSK: 18


’Asfalttisoturi’
’The Road Warrior’
’Mad Max 2 – Der Vollstrecker’
’Interceptor, il guerriero della strada’


Unter vielen Namen ist der zweite Teil von George Millers Endzeit-Saga bekannt. Miller hatte das Genre (das bis zu ’Last man on earth’ und wahrscheinlich noch darüber hinaus zurück reicht) zwar nicht erfunden, lieferte mit dem ersten ’Mad Max’ aber eine actionreiche Dystopie mit einem charismatischen Hauptdarsteller, die förmlich nach einer Fortsetzung schrie.
1981 folgte ’Mad Max 2’ und die Welt des Actionfilms wurde für immer verändert. Ein moderner Klassiker erreichte das Publikum und sollte abertausende Filmschaffende für viele Jahre in Lohn und Brot halten. Aber dazu später mehr.

Zwei durchs Glas
& einer in die Röhre
Max ist wieder auf der Straße. Nachdem er den Mord an seiner Familie gerächt hat, bleibt ihm nichts, außer seiner V8-Maschine und einem Hund als Gesellschaft.
Nach einigen Begegnungen mit dem Abschaum der Straße, der für eine Tankladung Benzin nur allzu gerne tötet, trifft Max auf den Gyro-Captain, einen irren, dauernd plappernden Wegelagerer, dem die Sonne anscheinend das Gehirn verbrannt hat. Nachdem Max geklärt hat, wer der Chef am Strand ist, führt ihn der Captain zu einem Plateau, von welchem sie ein befestigtes Lager beobachten können, deren Insassen über eine eigene Ölpumpe mit dazugehöriger Quelle verfügen. Das schwarze Gold, das (wie uns der Vorspann verrät) schon für das Ende der Welt verantwortlich war, wird auch hier zum Objekt der Begierde. Denn außerhalb der befestigten Mauern aus Stahl und alten Autowracks lauert der widerwärtige Humongous mit seinen Freaks, Punks und Hunden des Krieges. Genau wie Max, geht es ihnen nur um Treibstoff. Doch anders als der ’Road Warrior’ scheuen sie keine Greueltaten, um an das kostbarste Gut der Wüste zu gelangen. Als eine kleine Delegation des Lagers versucht zu entkommen, werden Max und der Captain

Kein warmer Empfang
Zeuge der Grausamkeit jener Belagerer. Max ist das egal, er will niemandem helfen und schon gar nicht in zwischenmenschliche Bindungen investieren. Er kennt das dicke Ende solcher Investitionen. Aber der letzte Überlebende der Delegation könnte ihm die Tür zum Lager öffnen, also entschließt sich Max, ihn zu retten. Im Camp angekommen, den halbtoten Mann auf der Schulter, wird Max argwöhnisch begrüßt. Als der Gerettete an seinen Wunden stirbt, ist auch Max' Abmachung mit ihm Staub im Wind. Doch der Einzelgänger trifft eine neue Vereinbarung. Die Leute im Lager wollen fort. Dazu benötigen sie eine Zugmaschine, die ihren gezapften Sprit transportiert. Da Max weiß, wo ein solches Gefährt zu finden ist, wird er mit 4 Kanistern Sprit auf die Reise geschickt. Zur Belohnung für das Himmelsfahrtkommando winkt ihm soviel Sprit, wie seine Maschine tragen kann. Max macht sich auf den Weg…

The Feral Kid

Zuerst einmal; Ja, ’Mad Max’ ist rein cronologisch gesehen nicht die ’Urmutter’ aller Endzeitfilme. Selbst vor dem Original wurden in ’The Ultimate Warrior’, ’Zum Überleben verdammt’ und ’Straße der Verdammnis’ ähnliche Territorien beschritten und befahren.
Nichtsdestotrotz ist dies hier der König der Herzen, denn egal wie knallhart Yul Brynner New Yorker Endzeit-Schurken den Arsch versohlte, und wie cool der Landmaster in ’Straße der Verdammnis’ auch war; Mel Gibson ist knallhärter, sein V8-Interceptor so viel cooler.

Papagallo hält drauf
Gibson war damals noch kein Star und tatsächlich ist auch wenig von dem Mann zu sehen, den wir in Blockbustern wie der ’Lethal Weapon’ Reihe oder modernen Klassikern wie ’Braveheart’ lieben gelernt haben. Hier ist er Max und nur Max. Kein Grinsen, keine Klugscheisserei, keine Sprüche. Gibson spielt Max als Summe der Ereignisse, die diesen Charakter prägten. Ein Mann, der alles verloren hat. Er streift umher “… wie ein menschlicher Aasgeier.“ wie es Michael Preston in seiner Rolle als Camp-Vorsteher Papagallo beschreibt. Gibson erwidert die berechtigten Vorwürfe seiner Mitmenschen beinahe nie mit Worten. Seine Blicke schreiben eine Geschichte, die keiner Sprache bedarf. Und auch wenn Max eine Entwicklung durchlebt, bleiben Gibson und Miller diesem gebrochenen Charakter stets treu.
Gibsons Co-Stars brauchen sich nicht hinter ihm zu verstecken. Neben Michael Preston (’Metalstorm’) als besorgter Lager-Vorsteher und Bruce Spence (auch in ’Mad Max 3’ unterwegs) als durchgeknallter Gyro-Captain, ist ’Farscape’-Amazone Virginia Hey in einer Nebenrolle zu sehen.
Den Vogel schießt hier aber Vernon Wells (’Commando’) ab. Während sich ‘Homungus’ Darsteller Kjell Nilsson (ein schwedischer Ex-Gewichtheber) auf Führer-Posen beschränkt, dreht Wells als irrer Motor-Punk Wez völlig frei und hüpft, grimassiert und brüllt wie ein Pavian (was womöglich an seinem textilfreien Arsch liegt).
So wenig, wie Mel Gibson damals ein Star war, so wenig ist ’The Road Warrior’ ein Hollywood-Film. Es ist nicht einmal eine US-Amerikanische Produktion, etwas, das gerne übersehen wird. Zu seiner Zeit, war der Film die teuerste australische Produkion und man sieht jeden (australischen) Dollar auf dem Bildschirm. Das befestigte Lager wurde extra für den Film aus dem Wüstenboden gestampft und zum Finale mit einer aufwändigen Explosion wieder dem Erdboden gleichgemacht.

Die Gestik hat sich der olle Humungous
anscheindend woanders abgeschaut...
Auch die Ausstattung ist phänomenal. Die absurden, völlig überzogen wirkenden Monturen, wie die Schulterpolster-Outfits, S&M-Klamotten (und ’Frisuren’) der Belagerer (die damals tatsächlich noch so etwas wie ein Novum darstellte), Max' eigenes Dress und die aufgetuneten Maschinen waren wegweisend für die unüberschaubare Anzahl von Trittbrettfahren (’Cyborg’, ’Dune Warriors’, ’Empire of Ash’, ’Fireflash’, ’Rush’, Styker’, ’Urban Warrios’ um nur ein paar zu nennen, die sich überhaupt vorne bis hinten bei Miller bedienten) und auch darüber hinaus (man erinnere sich nur an das Musikvideo von ’California Love’).
Die (genau so oft kopierte) Brutalität des Filmes wird gezielt eingesetzt, die Musik von Down Under-Komponist Brian May (’Insel der Verdammten’, ’Roadgames’) passt wie die Faust auf’s Auge und die finale Hetzjagd über den Outback-Highway dürfte eine der besten Action-Sequenzen aller Zeiten sein. Was hier zu Schrott gefahren, gecrasht und geschossen wird (und vor allem wie!), ist unglaublich. Erst recht mit dem Wissen, dass damals keine Computer zur Verfügung standen, sondern alles noch mit Hand- und Stuntwerk vollbracht wurde. Eine vergleichbare Verfolgungsjagd gibt es nicht, das musste sogar Miller selbst bei ’Mad Max - Jenseits der Donnerkuppel’ einsehen.

Wild Wild Wez lässt sich von nichts und niemand abschütteln!

Wenn man heute zurückblickt, sich das Getümmel der Endzeit-Filme zur Brust nimmt und den Direktvergleich wagt, zwischen ’The Road Warrior’ und seinen unzählbaren Nachahmern, die von grottenschlecht bis raffiniert reichen, fällt es nicht schwer zu erkennen, wer in diesem Wust wen inspirierte. ’Mad Max 2’ sticht aus dem Einerlei heraus, wie die brennende Ölquelle in ’Lohn der Angst’.
Dies ist ein Film, dessen Erfolg viele motivierte, dasselbe zu versuchen und dessen einfache Brillanz dem Erfolg nicht nur recht gab, sondern auch heute noch mit einer Wucht wirkt, wie sie nur wahre Klassiker besitzen. Ein unverzichtbares Muss für jeden Filmfreund!


Hudson