Macabra - Die Hand des Teufels



Originaltitel: Demonoid, Messenger of Death (1981) Regie: Alfredo Zacarias Drehbuch: David Lee Fein, F. Amos Powell, Alfredo Zacarias
Darsteller: Samantha Eggar, Stuart Whitman, Roy Jenson FSK: 18


’Besessene Körperteile’, das ist ein Sub-Sub-Genre, bei dem sich die Schauspieler normalerweise mehr ins Zeug legen müssen als die üblichen Horror-Hoschi-Halunken. Da wird mit spastisch dramatischer Gestik gearbeitet. Körperteile, die nun einen eigenen Willen haben müssen bezwungen werden, koste es was es wolle. Bruce Campbell und Jeff Fahey können ein Liedchen davon singen.
Aber was singen die Protagonisten im vorliegenden ’Macabra’ bzw. (und das ist wohl die ausschlaggebendere Frage) was singen die Stimmen aus dem Off, die den Film mit unglaublich bescheuertem Akustik-Gedöns belömmeln?

Wohl doch zu lang im Palmolive gebadet?

Aber erstmal zur Story: Der reiche Ami Baines kauft sich eine Silbermine in Tihuana und findet mit seiner Frau dort inmitten einer Ansammlung mumifizierter Mexen-Ötzis die ’Hand des Teufels’. Diese braucht nicht lange, um sich des neuen Herrchens auf ganz spezielle Art und Weise anzunehmen. Von der neuen Hand besessen sprengt Baines sein kürzlich erworbenes (Unter)Grundstück und zwar mitsamt Dienstpersonal. Frauchen ist entsetzt und versucht ihrem Gatten die Flausen auszutreiben, doch der vergnügt sich lieber im Casino und würfelt einen Pasch nach dem anderen. Kurze Zeit später ist er tot, verbrannt bis auf’s Zahnfleisch. Nur die Teufelspfote hat überlebt, gräbt sich mitsamt des Leichnams aus dem Boden und haut sich selbst von der Kokel-Leiche mittels Autotür ab. Wieder frei beweist das Händchen ein gutes selbiges für interessantes Possessions-Material und schnappt sich einen freundlichen Polizisten, der rein zufällig ein Amateurboxer und Sparringspartner des Priesters Cunningham ist, der Baines begraben ließ. Diesen gottesfürchtigen Power-Puncher sucht nun auch die Witwe von Baines auf, da sie allmählich selbst hinter den Plot des Filmes gestiegen ist. Gemeinsam mit Pfarrer Cunningham versucht sie das Rätsel um die Killerhand zu lösen und nicht selbst ein Opfer der Pfote zu werden…

Uh, spannend: Ein Wartezimmer StandOff!
Die Privatpatientin hat 'nen Bullen gerufen.
Jetzt geht's gesetzlich Versicherten an die Gurgel!

“Sie denken ich bin verrückt, nicht wahr Herr Pfarrer?“

Ach iwo, aber ich wüsste doch allzu gerne, wo diese irre Musik herkommt, die in besonders schauerlich angedachten Szenen plötzlich die Stimmung crasht und zu Lachsalven im Sekundentakt einlädt. Stellt euch vor, die Fischer-Chöre hätten gerade das Ende von ’Rosemary’s Baby’ gesehen, LSD geschluckt und würden darüber singen, während eine Kapelle Bombast-Mucke nach Art des Schlachthauses dazu liefert.
Rein inhaltlich passt das zwar überhaupt nicht zu jenen Szenen, macht diese tatsächlich völlig kaputt, aber betrachtet man das Gesamtbild ’Macabra’, dann erkennt man die Brillanz in diesem Trashkonzept.
Wo abgefackelte Dörrfleisch-Skelette ihre Hände mittels Wagentüren abtrennen und Leute eine Arztpraxis (inklusive dickbrüstiger Blondinen-Schwester) mit der Forderung “Nehmen sie mir meine Hand ab?“ betreten und ihren Wunsch prompt erfüllt bekommen (Arzt: “Ohne Betäubung wird das sehr schmerzhaft!“), da ist eh alles verloren. Außer eben Hopfen und Malz, die im Magen des Betrachters munter umherschwappen.
Und jetzt, wo ich mir vorstellen muss, dass die Hand durch die halbe Stadt gereist ist, um zu den jeweiligen Zielpersonen zu kommen, fällt mir ein, dass man auch eine nette Komödie hätte draus machen können. So mit abber Hand an der Ampel, beim Schlendern in der Fuß- äh Handgängerzone oder beim Shopping at Tiffany’s. Vielleicht das nächste Mal.

Wenn der Alte schläft, hilft nur noch
HANDI
die Hand zum selber Handanlegen!

Röchelnde Darsteller, knarrende Türen, kokelnde Stuntleute, Explosionen, Rubberhands und nicht näher definierbare Musik aus der Hitlist des okkulten Schlager-Wahnsinns machen ’Macabra - Die Hand des Todes’ zu dem, was es ist: Horrortrash der Gummi-Klasse. Abwischen müsst ihr aber selber.


Hudson