Drei Engel auf der Todesinsel



Originaltitel: The Lost Empire (1985) Regie & Drehbuch: Jim Wynorski
Darsteller: Melanie Vincz, Raven De La Croix, Angela Aames FSK: ungeprüft


“NINJAS IM JUWELIERLADEN!“ News um 8:30.

Im Juwelierladen von Mr. Kwong (Name von der Redaktion geändert) kam es gestern abend zu einem Schussgefecht zwischen Polizeibeamten und maskierten Männern, offensichtlich Ninjas, die, nachdem sie den Eigentümer ermordeten, die Beamten mit wirbelnden Jojo-Shuriken attackierten. Ein Beamter wurde tödlich verletzt. Die Angreifer konnten mit bislang nicht identifizierter Beute entfliehen.

Da sind wir den ollen Nachrichten wieder eine Nasenlänge vorraus. Bei den Angreifern handelte es sich nämlich um Schergen des sinistren Dr. Sin-Do und die Beute war ein Klunker von außergewöhnlichem Wert für eben jenen. Sin-Do hat sich in bester Tradition diverser Bond-Schurken extra einen Geheimstützpunkt, inklusive eigenem Kult, auf einer abgelegenen Insel bauen lassen, von wo aus er seine schurkischen Griffelfinger nach der Weltherrschaft ausstreckt.
Solchen einem Heini muss natürlich das Handwerk gelegt werden und wer würde sich dazu besser eignen, als ein weibliches Sonderkommando, das mit Argumenten dienen kann, denen niemand widersprechen dürfte? Hier gilt die alte Regel: Der erste Eindruck bleibt am längsten hängen und so werden die drei Damen dann auch wie folgt representativ vorgestellt.

Lady Nr. 1: Angel Wolfe

Blond. Oberweite: Gewaltig. Polizistin. Schwester des von Ninjas ermordeten Polizisten. Auf Rache aus. Wir lernen sie kennen, als sie ein paar Kids vor widerlichen Terroristen (u.a. Thomas Rosales Jr.) rettet.

Lady Nr. 2: Whitestar

Brünett. Oberweite: Noch gewaltiger. Indianerin in weißer Robe, die weniger Robe, mehr Dessous ist. Wird von Lady Nr. 1 aus irgeneiner Zwischendimension herbeigezaubert (schwer zu umschreiben) und erklärt sich bereit, ihrer alten Freundin bei der Infiltration der Insel zu helfen.

Lady Nr. 3: Heather McClure

Blond. Oberweite: Nicht von schlechten Eltern. Inhaftierte. Einst von Lady Nr. 1 hinter schwedische Gardinen gebracht. Vertreibt sich die Zeit mit Schlammcatchen auf dem Knasthof. Schließt sich den beiden ersten Ladies an, nachdem ihr Bewährung angeboten wird. (Die Einzelheiten werden natürlich unter der Dusche ausgehandelt, während Lady Nr. 3 ihre blanken Brüste einseift.)

Nun heißt es auf zur Insel. Doch da kommt man nicht ohne Weiteres hin. Erst muss man sich bei einer Sekten-Rekrutierungs-Stelle melden, um sich für den Kult, der auf der Insel sein Unwesen treibt immatrikulieren zu lassen. Kein Problem für die drei feschen Ladies, bald sind sie auf dem Eiland und haben einen guten ersten Blick auf die dortige Situation: 90% der Kultanhänger sind halbnackte Frauen, die Sin-Do zu einer Superarmee ausbilden will (der Mann hat irgendwie Klasse)…

“We thank him for our strength, we thank him for our power…”
“We thank him for our designer cloth from Fabricos.“

Jim Wynorski, warum treibst du dich dieser Tage mit erbärmlichem, herzlosem Direct-to-DVD-Schund in den kreativen Ruin, wo du doch zu Beginn deiner Karriere so herrliche B-Movie-Schoten wie ’Mystor’, ’Shopping’ und eben ’The Lost Empire’ gefertigt hast? Die Verschwendung großartigen Exploitation-Talents tut im Herzen weh.
’Die drei Engel auf der Teufelsinsel’ erinnert stark an den Ted V. Mikels Knaller ’Kommando der Frauen’. Hier wie dort sind Einflüsse durch Jack Hill-Exploiter und Russ Meyer-Sexploiter nicht von der Glotze zu weisen. Hinzu kommt hier noch ein starker Einfluss durch klassische Roger Corman-Schlocker, die dem fertigen Film (könnt ihr beidseitig deuten) einen einmaligen Touch geben.
TV-Darstellerin Melanie Vincz und ihre Kolleginnen Raven De La Croix (bekannt aus Meyers ’Drüber, drunter, drauf’) und Angela Aames (’Bachelor Party’) geben ein vor allem optisch recht eindrucksvolles Trio mit sechs Fäusten ab und ’Tall Man’ Angus Schrimm glänzt duch schräge Konversationen mit seinem Leinwand-Kumpel, dem (auf seiner Schulter hockenden) Python Crocket:

“So many beautiful women. But which to have for dinner? The one with Raven hair, she has remarkable uuuh spirits, eh Crocket?”

Nichts geht über aufgemalte Todesfesten.

Fazit: Wie soll ich einen Film bewerten, der in einer gemalten Festung auf einer geheimen Insel spielt, die von einem Gorilla auf Patrouille bewacht, und dessen Finale damit eingeläutet wird, dass sich der Superschurke als eine Art antiker Skeletor entlarvt, der die drei Vorbau-Protagonistinnen mit einem Riesenlaser in Form des männlichen Geschlechtsteils bedroht? Ganz einfach: Daumen hoch, Anspruch runter, Spaßbremse lockern oder gleich ausbauen und den Bierhaushalt immer schön auffüllen.


Hudson