Lords of the Deep


‘The ultimate underwater adventure! ’


Originaltitel: Lords of the Deep (1989) Regie: Mary Ann Fisher
Drehbuch: Howard R. Cohen & Daryl Haney
Darsteller: Bradford Dillman, Priscilla Barnes, Daryl Haney FSK: 16


2020, alle Ressourcen weg. Was machen wir? Ab in den Weltraum? Da war Roger Corman, seines Zeichens Produktions-Fuchs und liebenswerter Zwiebelkuchen, schon oft genug. Also mal was anderes: Ab auf den Meeresgrund, fleißig Forschi Forschi machen.

Ich packe meine Team-Tasche und mit hinein kommen:

"Hast du schon von dieser neuen,
außerirdischen Substanz gehört?"
Wissenschaftler und Handlanger aller Nationalitäten, eine Blondine, eine Brünette und Roger Corman himself, der Befehle über den Monitor gibt. Zur Charakterisierung müssen solche oberflächlichen Beschreibungen reichen. Oder sagen wir es einfach mal so: Einige der Figuren haben Vornamen, andere Nachnamen. Beides ist nicht drin.
Die Nasen üben sich während des Films in Meister-Disziplinen wie Random-Blinking-Button-Pushing, Alarm-Techno-Dancing und Extrem-Seebeben-Simuliering (man wankt und wackelt mit der Kamera um die Wette und wer mehr Shakes pro Minute hat, gewinnt eine Packung Diazepam). Am Ehesten zeichnet sich hier noch Blondchen (und Alfred Jodokus Quaks Visagen-Double) Priscilla Barnes aus, deren Gesichtskino krampfhaft jede emotionale Nuance von “verwirrt sein“ zur Schau stellt und dabei beim Zuschauer ähnliche Fassungslosigkeit hervorruft.

"Ich bade gerade meine Hände darin."

Grund der Verwirrung sind die Ereignisse auf der Unterwasserstation, welche sich um die Begegnung des Forschungsteams mit unterseeischen Wesen drehen. Wer an dieser Stelle mit den Augen rollt, den ermahne ich zur Contenance. Was habt ihr denn erwartet, Freunde? Macht euch doch nicht lächerlich!
Ich spiele an dieser Stelle einfach mal Produktions-Mäuschen, wie ich es schon bei Cormans ’Carnosaurus’ gemacht hab:


Angestellter: Che-che-chefchen, haste schon gehört? Der James Cameron macht jetzt ’nen Film über Unterwasser-Bohr-Hansel, die auf Aliens treffen. Wird sicher großes Kino.
Roger Corman: Jimmy? MEIN Jimmy? Der Knabe, der bei ’Planet des Schreckens’ die Raupen hat tanzen lassen?
A: Ein und derselbe. Seit Jahren dick im Geschäft. Hat zuletzt erst mit ’Aliens’ den besten Film aller Zeiten gemacht. Meinste, ich soll den mal anrufen und fragen, ob der uns ’n paar Tipps geben kann?
RC: Nee, lass ma. Der Jimmy is nich so der umgängliche Typ. Ich hab heute Abend Dinner mit Howie R. Cohen, der hat seit dem dritten ’Todesjäger’ auch nix mehr vernünftiges gemacht. Mal kucken, ob der uns bis Montag ein Script basteln kann.
A: Aber Cheffe, heute ist Samstag.

Dieses widerliche Vieh hat's doch
eindeutig auf die Alde abgesehen.
RC: Papperlapapp. Du pflückst jetzt ein paar herumhängende Geigen aus dem Warteraum der Casting-Agentur und ein paar Kellerlampen und Bauschaum aus dem Schuppen. Ich hab da so ’ne Vision: Wir packen pseudo-psychedelische Bilder von Planeten und mysteriöse Stimmen hinein und vermitteln so das Aufeinandertreffen menschlichen Entdeckerdranges und der Botschaft des Fremden. Ergänzt durch Anleihen an ’2001 – Odyssee im Weltraum’, ’2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen’ und ’2019 – Die gnadenlosen Knechte Gottes’. Dazu ein paar Computer-Animationen, übernatürliche Lebensformen, fiese Todeskämpfe, schräge Fressen. Ich selbst spiele den Commander! Worauf wartest du Knecht noch?

Und so geschah es dann. Nehme ich mal an. Kann ich natürlich nicht genau wissen. Ist (dem fertigen Film zufolge) aber ein sehr wahrscheinliches Szenario.

Was genau bringt ’Lords of the Deep’ dem Zuschauer? Abgesehen von einer holprig geschusterten Unterwasser-Fledermaus, die erst durchs Aquarium des Labors und später durch dessen Gänge juckelt? Nicht viel. Dabei hätte man auch mit den zur Verfügung stehenden production values durchaus etwas Vernünftiges zimmern können. Vielleicht. Mit etwas weniger Farbe. Die Uniformen sind nämlich genau so unpassend bunt, wie die Interieurs der Unterwasserstation. Blau und gelb angestrichene Rohre erinnern eher an Stangenklettern-Team-Schulsport in der DDR. (Entschuldigt diese persönliche Anekdote.)

SIE HAT AUCH NOCH SPASS DARAN!

Sobald der Mann am Synthesizer uns das Signal fürs Finale gibt und das mahnende Voice-Over die Lyrics zum Takt des Kopfschüttelns liefert, ist klar: ’Lords of the Deep’ ist Schund der unerfreulichen Art, ohne bedeutende Schauwerte, ohne erkennbares Talent, dafür aber mit zwei Zeigefingern. Zeigen wir den Mittelfinger zurück und winken höflich ab.


Hudson